Wasserspeicher auf dem Kratzenberg im Tannenwäldchen soll stattdessen saniert werden

Seit Jahren in der Planung: Der Hochbehälter Kratzenberg ist in die Jahre gekommen. Dahinter ist der Mobilfunkmast im Tannenwäldchen zu sehen. Foto: Herzog

Vorderer Westen. Die Städtischen Werke wollen nun doch keinen neuen Hochbehälter auf dem Kratzenberg im Tannenwäldchen bauen. Stattdessen soll der 100 Jahre alte Trinkwasserbehälter auf dem Plateau saniert werden.

Als Grund nennt Pressesprecher Ingo Pijanka Auflagen der Behörden, die den Neubau in der Grünanlage im Vorderen Westen erschwert und wohl auch deutlich verteuert hätten. Aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus sei deshalb nun wieder eine Sanierung im Gespräch. „Wir müssen neu rechnen“, sagt Pijanka. Der Neubau, der ab Sommer 2010 bis 2013 neben dem alten Hochbehälter entstehen sollte, war mit vier Millionen Euro veranschlagt worden. Was eine Sanierung der Anlage kosten wird, darüber könne man noch keine Angaben machen, sagt Pijanka.

Der Hochbehälter Kratzenberg versorgt die Menschen im Vorderen Westen, in der Kasseler Innenstadt, in der Nordstadt sowie Teile des Industrieparks Mittelfeld, die Karlsaue, die Südstadt und Niederzwehren mit Trinkwasser - insgesamt ein Viertel der Kasseler Bevölkerung. Die drei Kammern fassen zusammen 7500 Kubikmeter Wasser.

Schwieriger Standort

Aus Sicht der Städtischen Werke ist der Standort für die Wasserversorgung unverzichtbar. Das Umwelt- und Gartenamt der Stadt hält den Standort aber für problematisch. Denn die von Anwohnern viel genutzte Grünanlage ist ein Naturdenkmal. „Es musste daher eine Möglichkeit geschaffen werden, das Vorhaben verträglich mit allen Anforderungen der Naherholung und des Naturschutzes in diesem sensiblen Landschaftsraum zu gestalten“, sagt Dr. Jürgen Drewitz, Leiter der Umweltschutzabteilung im Umwelt- und Gartenamt. Diese Aufgabe sei von einer Arbeitsgruppe mit Vertretern der Städtischen Werke und der Stadtverwaltung gelöst worden.

Die Baugenehmigung, die den Städtischen Werken im Dezember 2010 erteilt worden sei, enthält laut Drewitz Auflagen zum Schutz des Naturdenkmals, zum Baum- und Artenschutz, zur Rekultivierung sowie eine finanzielle Entschädigung für die Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft. Offenbar zu viele, um einer erneuten Prüfung durch die Städtischen Werke standzuhalten. Sie verabschiedeten sich von den Neubauplänen.

Der Ortsbeirat, der damals die Anwohner im Vorderen Westen über die Neubaupläne informiert hatte, ist verärgert. Denn das Thema hatte wegen der langen Bauzeit und der damit verbundenen Beeinträchtigungen im Stadtteil für Wirbel gesorgt. „Nachdem alles schon feststand, war von einem auf den anderen Tag die Luft raus“, sagt Ortsvorsteher Wolfgang Rudolph. Dabei habe es damals geheißen, der Hochbehälter könne in keinem Fall bei laufendem Betrieb saniert werden. Es müsse neu gebaut werden.

Von Ellen Schwaab

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