Tödlicher Unfall auf Ludwig-Mond-Straße: Bewährungsstrafe für Verursacher

Kassel. „Kein Gericht der Welt kann dem Angeklagten Absolution erteilen oder der Familie des Toten ihren Angehörigen zurück geben“, sagte Richterin Miriam Hartling am Montag, nachdem sie das Urteil gegen einen 20-Jährigen verkündet hatte.

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Der angehende Informationselektroniker ist nach ihrer Überzeugung für den Tod eines 23-Jährigen bei einem Unfall auf der Ludwig-Mond-Straße im vergangenen Jahr verantwortlich. Wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ist er deshalb zu einer Jugendstrafe von einem Jahr verurteilt worden, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt wird. Außerdem wird ihm die Fahrerlaubnis, die ihm nach dem Unfall weggenommen worden war, für ein weiteres Jahr entzogen.

Das Gericht folgte dem Antrag von Staatsanwalt Manfred Jung. Rechtsanwalt Wilfried Rosenkranz, der die Mutter des getöteten jungen Mannes vertrat, hatte eine Verurteilung nach Erwachsenenrecht und eine Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren sowie 200 Stunden gemeinnützige Arbeit verlangt. Verteidiger Robert Ingenbleek hielt einen Dauerarrest von einem Monat neben Bewährungsauflagen für angemessen.

Dass der Unfall, bei dem der Ford K des Angeklagten gegen einen Laternenmast gekracht war, stattgefunden hatte, daran gab es nichts zu rütteln. Dabei war auf dem Rücksitz eine 16-Jährige mitgefahren und - wie der Angeklagte selbst - verletzt worden. Sie war - im Gegensatz zu Fahrer und Beifahrer - angeschnallt, das hat ihr vermutlich das Leben gerettet.

Rennen gegen anderen Wagen

Strittig war allerdings die Ursache. Der Angeklagte hatte angegeben, dass die Bremsen versagt hätten. Das Gericht, das für den Prozess einen Sachverständigen zurate gezogen hatte, sah in der viel zu hohen Geschwindigkeit die Ursache. Mit mindestens 90 Stundenkilometern muss der Angeklagte demnach an jenem Morgen unterwegs gewesen sein. Er hatte sich auf der Rückkehr von der Geburtstagsfeier des getöteten jungen Mannes mit dem Fahrer eines anderen Wagen ein Rennen geliefert. Dass war in den Augen von Richterin Hartling nicht nur „grob verkehrswidrig“, sondern auch „hochgradig verantwortungslos“. Sie ist überzeugt davon, dass dem Angeklagten bewusst war, dass die Bremsen seines Wagens nicht funktionierten.

Auf die Richterin machte der Angeklagte den Eindruck, „dass er das Geschehen wegschieben oder verdrängen will“. Er habe, vermutete Hartling, den Unfall und seine Folgen „nicht verinnerlicht“. Sein letztes Wort vor der Urteilsverkündung passten in dieses Bild. Nüchtern entschuldigte er sich bei der Mutter seines getöteten Freundes und abgeklärt versprach er: „Ich werde das nicht wieder tun.“ Aus der Sicht des Gerichts war der 20-Jährige deshalb nicht wie ein Erwachsener, sondern wie ein Jugendlicher zu behandeln.

Die Verurteilung nach Jugendrecht soll dann auch „erzieherisch“ wirken. Zwei Jahre lang muss er sich der Beobachtung eines Bewährungshelfers unterziehen und 1200 Euro an den Verein zur Unterstützung der Luftrettung „Christoph 7“ zahlen.

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