Die Anwohner des Bleichenwegs an der Fulda sind vorbereitet - Pumpe und Generator im Keller

Bei Hochwasser packen alle an

Gegen die Flut gewappnet: Auf dem Grundstück von Peter Busam am Bleichenweg steht das Fuldawasser schon. Fotos:  Malmus

Kassel. Wenn Peter Busam aus dem Wohnzimmerfenster schaut, dann sieht er die Enten auf der reißenden Fulda mit viel Schwung davonschwimmen. „Manchmal sieht es aus, als wollten sie surfen“, sagt der 70-Jährige. Peter Busam wohnt seit 30 Jahren am Bleichenweg (Wesertor), nur einen Steinwurf von der Fulda entfernt.

Näher als am Bleichenweg kommt im Stadtgebiet die Wohnbebauung kaum an den Fluss heran. Auf dem Ufergrundstück hat sich schon eine große Pfütze gebildet.

Nach dem bislang letzten großen Hochwasser im Jahr 1995 haben die Anwohner eine Wasserwehr gegründet. Dann passierte viele Jahre nichts, die Wasserwehr gibt es nicht mehr. „Dafür funktioniert hier die Nachbarschaftshilfe immer noch“, sagt Peter Busam, der früher ein Textilgeschäft in der Innenstadt geleitet hat.

Wenn Hochwasser droht, packen alle Anwohner des Bleichenwegs mit an. Am vergangenen Wochenende wurden bereits die Sachen aus den Kellern nach oben geräumt. „Wer hier wohnt, weiß, dass er mit Hochwasser rechnen muss“, sagt Peter Busam. Ebenso wie seine Nachbarn hat er vorgesorgt. Die Pumpe im Keller ist betriebsbereit. Und für den Fall, dass der Strom ausfällt, hat er einen mit Diesel betriebenen Generator.

Der kam zuletzt vor 16 Jahren zum Einsatz. Bei dem großen Hochwasser 1995 war der Bleichenweg teilweise von der Umgebung abgeschnitten. „Wir haben hier drei Tage lang wie auf einer Hallig gelebt“, sagt der begeisterte Hobbysegler.

Erinnerung an Katastrophe

Angst vor einem erneuten Hochwasser hat er nicht. Darauf könne man sich vorbereiten. Außerdem sei er von klein auf abgehärtet. Aufgewachsen ist Busam an der Hartwigstraße, nur wenige Meter vom Bleichenweg und der Fulda entfernt. Als kleiner Junge hat er den 17. Mai 1943 miterlebt. Damals wurde die Edertalsperre durch britische Fliegerbomben zerstört. Nie zuvor und nie danach war die Flutwelle verheerender. Der Pegel (8,29 Meter) lag vier Meter höher als am vergangenen Wochenende (4,28 Meter).

„Ich bin ein Kinder der Fulle“, sagt Peter Busam. Auf die Warnmeldungen der Feuerwehr wartet er nicht. Im Internet verfolgt er die Entwicklung der Pegelstände, die das hessische Landesamt für Umwelt und Geologie laufend aktualisiert unter www.hlug.de

Wenn sich die Lage zuspitzen sollte, wird er die Nachbarn alarmieren. Sollte das Hochwasser gar für einen Stromausfall sorgen, will er wieder für alle einen großen Topf Suppe kochen. So wie 1995, als sein Generator die einzige Energiequelle am überfluteten Bleichenweg war.

Von Thomas Siemon

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