Edertalsperre fast übergelaufen

Hochwasser: Region knapp von Überflutung verschont

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Beeindruckendes Schauspiel: In diesem Jahr lief am 22. April der Edersee über, nachdem der Wasserstand bis zu sechs Zentimeter über Vollstau gestiegen war. Das maximale Fassungsvermögen bis zur Überlaufmarke liegt bei 199,30 Millionen Kubikmeter. Das Wasser- und Schifffahrtsamt erhöhte danach die Wasserabgabe, um wieder eine leichte Staureserve zu bekommen.

Hann. Münden / Kassel. Während Teile Ost- und Süddeutschlands immer noch in Fluten versinken, ist unsere Region vom Hochwasser weitgehend verschont geblieben. Allerdings nur knapp, weiß Jiri Cemus, Gewässerkundler beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden.

Denn nach Vorhersagen hätte die Edertalsperre überlaufen und das Edertal überflutet werden können. „Wir hatten Glück“, sagt der Experte. Kassel ist nur knapp einer Katastrophe entkommen.

„Zwischenzeitlich hatten wir eine Vorhersage, die war sehr extrem,“ sagt Cemus. Er berechnet, wann der Ernstfall eintritt. „Da wäre die Talsperre innerhalb eines halben Tages vollgelaufen und das Edertal überflutet worden.“ Über Eder und Fulda wäre dann auch Kassel betroffen gewesen.

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Die starken Regenfälle hätten eine ähnliche Katastrophe wie im Jahr 1995 auslösen können, bei der in der Region Pegelstände von über sechs Metern gemessen wurden. Damals standen Teile von Kassels Innenstadt unter Wasser, etwa der Platz der Deutschen Einheit, die Leipziger und die Dresdener Straße.

Zittern musste der Experte am Donnerstag, den 30. Mai: „In der Nacht war die Vorhersage erstellt worden. Um 9 Uhr habe ich das Regierungspräsidium Kassel informiert.“ Gemeinsam wurde abgestimmt. Die Entscheidung: An der Edertalsperre werden die Grundablässe geöffnet. Statt wie üblich sechs bis 30 Kubikmeter pro Sekunde wurde der Ablauf auf bis zu 110 Kubikmeter erhöht. „Da standen schon einige Wiesen unter Wasser“ - eine Gratwanderung: „Wenn man noch mehr abgibt, erzeugt man ein Hochwasser im Edertal, ohne dass es notwendig ist.“

Wäre der angekündigte Regen gekommen, hätte das Ablassen ein Hochwasser aber nicht verhindert. „Wir hätten den Einsatzkräften nur Zeit verschafft. Es braucht normalerweise drei bis vier Tage Vorlauf, um genug Freiraum im Edersee zu schaffen“, sagt Cemus.

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Bange Minuten erlebte er auch, weil er darüber entscheiden musste, wann er welche Warnungen an die Öffentlichkeit abgibt. „Es ist immer schwierig. Niemand will die Leute unnötig beunruhigen, aber sie müssen sich rechtzeitig vorbereiten können.“

Cemus hat in Hann. Münden alle Pegelstände der umliegenden Flüsse im Blick. Sein Zuständigkeitsbereich umfasst Werra, Fulda und die Weser bis Minden. In den vergangenen Tagen hat er einige Überstunden gemacht. „Zur Zeit des Hochwassers war ich hier praktisch allein“, erzählt er lachend. Seine beiden Kollegen waren in Urlaub, als sich die starken Regenfälle ankündigten. Weil sich die Wettervorhersagen mehrmals am Tag veränderten, musste er seine Berechnungen laufend anpassen. „Es war schon stressig.“

Auch wenn sich die Pegel in der Region entspannt haben, Cemus bleibt in Alarmbereitschaft. „Die heutige Wettervorhersage für Montag und Dienstag ist nicht so günstig.“ Erfahrungsgemäß kann sich das noch ändern. Jiri Cemus wird jedenfalls ein Auge auf die Wasserstände haben.

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Zur Person

Jiri Cemus ist Gewässerkundler beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Hann. Münden. Der 55-Jährige ist gelernter Bauingenieur. Er studierte mit dem Schwerpunkt Wasserwesen in Hannover. Seit 2001 ist er beim Wasser- und Schifffahrtsamt beschäftigt. Er lebt mit seiner Familie in Scheden.

Von Verena Schulz

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