Mitglied der Hells Angels

Erpressungsversuch: Höllenengel erneut vor Gericht

+

Kassel. Der Mann auf der Anklagebank erinnert an die Identifikationsfigur eines bekannten Putzmittels: kahlköpfig und äußerst breitschultrig. Nur das propere Grinsen mag er nicht einschalten. Und es sind auch nicht eben saubere Geschäfte, die die Staatsanwaltschaft dem 40-Jährigen vorwirft.

Der Mann, der den berüchtigten Hells Angels angehört, soll im September 2009 den heute 36 Jahre alten Sohn einer Kasseler Rotlichtgröße bedroht und 8000 Euro von ihm verlangt haben – angeblich Schulden des Vaters.

Gemeinschaftliche versuchte räuberische Erpressung legt ihm die Anklage zur Last. Denn bei der Tat, die sich am helllichten Tag auf dem Parkplatz eines Möbelhauses in Fuldabrück abgespielt haben soll, waren noch zwei weitere Männer beteiligt. Mit ihrem schwarzen Mercedes sollen sie das Cabrio des mutmaßlichen Opfers zugeparkt haben, ausgestiegen sein und sich zu dritt einschüchternd vor dem Mann aufgebaut haben: „Dein Vater schuldet mir Geld“, soll der Angeklagte gesagt haben. „Das schuldest du jetzt uns.“

Dritte Verhandlung

Die beiden Mittäter – einer davon ebenfalls ein Höllenengel – wurden deshalb bereits vor zwei Jahren rechtskräftig zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der mutmaßliche Haupttäter, gegen den damals eine anderthalbjährige Gefängnisstrafe verhängt worden war, nahm den Richterspruch dagegen nicht an. Er ging in Berufung – und verlor. Dann legte er Revision ein – und war erfolgreich. Weil das Oberlandesgericht Frankfurt das zweitinstanzliche Urteil wegen Verfahrensfehlern aufhob, muss nun ein drittes Mal verhandelt werden. Wie jedes Mal unter strengem Polizeischutz.

Den Sicherheitsbehörden ist der 40-Jährige wohlbekannt: Beim Verbot der beiden Frankfurter Charter der Hells Angels, das der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel am Dienstag für rechtens erklärte, dienten auch die Umtriebe des Angeklagten als Argument: Seit sich die Kasseler Dependance des Rockerclubs aufgelöst hat, ist der wegen einer Strafaktion gegen einen Hells-Angels-Aussteiger vorbestrafte Mann in der Mainmetropole aktiv.

Zu den Ereignissen auf dem Parkplatz in Fuldabrück schwieg der 40-Jährige bei der neuerlichen Verhandlung, wie er das bislang immer getan hat. Und auch seine beiden damaligen Begleiter, die, von Angeklagten zu Zeugen geworden, eigentlich die Wahrheit sagen müssten, trugen zur Aufklärung wenig bei: Der eine durfte die Aussage verweigern, weil gegen ihn ermittelt wird – wegen einer mutmaßlichen Falschaussage in der vorigen Verhandlung.

Und der andere beteuerte trotz akzeptierter Verurteilung weiter seine Unschuld. „Ich saß im Auto“, erzählte der 35-Jährige und machte aus seinem Unwillen, überhaupt etwas sagen zu müssen, keinen Hehl. „Was da los war, weiß ich nicht.“

Der Prozess wird am Montag fortgesetzt. Dann soll auch das Urteil ergehen. (jft)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.