Erpressungsversuch im Rotlichtmilieu

Höllenengel muss ins Gefängnis

Kassel. „Eine Kaffeefahrt“, sagte Richterin Marion Vindelstam, „sollte das nicht werden.“ An einem Septembertag 2009 hatten drei breitschultrige Männer – zwei von ihnen in T-Shirts der berüchtigten Hells Angels – auf dem Parkplatz eines Möbelmarkts in Fuldabrück einen Kasseler Rotlichtgewerbetreibenden umringt.

Sie hatten Geld von ihm gefordert und verlangt, dass er in ihren Wagen einsteigen sollte.

„Das Ziel war, Druck und Gewalt auf ihn auszuüben“, befand die Vorsitzende der Berufungsstrafkammer am Landgericht, als sie am Montag das Urteil gegen den Haupttäter verkündete:  Der  40-jährige  Höllenengel muss wegen versuchter räuberischer Erpressung für 15 Monate ins Gefängnis. Wenn es ihm nicht erneut gelingt, dass Urteil anzufechten.

Denn es war bereits das vierte Mal, das jener dreieinhalb Jahre zurückliegende Vorfall ein Gericht beschäftigte: Bereits im März 2011 hatte das Kasseler Amtsgericht 18 Monate Haft verhängt. Was in einer ersten Berufungsverhandlung bestätigt worden war. Doch dann hatte das Oberlandesgericht in Frankfurt der Revision des Angeklagten stattgegeben und eine neuerliche Verhandlung in Kassel erzwungen. Die nun mit nur mäßigem Erfolg für den 40-Jährigen endete.

Eigentlich hatte der Mann einen Freispruch erreichen wollen. „Das Erheben einer Geldforderung“, sagte Verteidiger Manuel Mayer, „ist strafrechtlich überhaupt gar nichts.“

Nach Überzeugung des Gerichts hatte sein Mandant an jenem Tag 8000 Euro eintreiben wollen – Geld, das ihm angeblich der ebenfalls rotlichtaktive Vater des 36-Jährigen schuldete. Was der Grund für diese Forderung war und ob sie berechtigt war, blieb vor Gericht ungeklärt.

Doch das, meinte der Anwalt, spiele keine Rolle: „Es war ein Vorgang unterhalb der Strafbarkeit.“ Ohne Gewalt und ohne ernsthafte Drohungen. Schließlich habe man den 36-Jährigen ja sogar unbehelligt gehen lassen. Und dass allein die Bodybuildingstatur des Angeklagten und seine Mitgliedschaft bei den Hells Angels einschüchternd wirken könnten, wollte der Verteidiger nicht gelten lassen.

Das Gericht kam in seiner Urteilsbegründung dann auch ohne Erwähnung des Rockerclubs aus. Staatsanwalt Niels Hauth dagegen hatte in seinem Plädoyer ausdrücklich auf die Hells-Angels-Karriere des einschlägig vorbestraften 40-Jährigen abgehoben, der zunächst dem Kasseler, dann dem Hanauer Charter und zuletzt den mittlerweile verbotenen Höllenengeln in Frankfurt angehört hatte. Die Hells Angels würden sich gegenseitig bei Straftaten unterstützen, meinte Hauth. Schon allein deshalb komme eine Strafaussetzung zur Bewährung nicht infrage. (jft)

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