55 zusätzliche Lehrkräfte

Hörsaal, Kino, Kirche: Uni weicht auch auf Räume in der Umgebung aus

Voll besetzt: Die Uni Kassel bildet so viele Studierende wie nie zuvor aus. In Hörsälen, Seminarräumen und Mensen wird es also eng werden. Unser Bild entstand in einer BWL-Vorlesung zum Semesterbeginn vor zwei Jahren. Archivfoto: Fischer

Kassel. Stell dir vor, du willst an die Uni und kommst ins Kino. Oder in die Kirche. An der Kasseler Hochschule ist das kein Hirngespinst, sondern eine Antwort auf die drängende Raumnot.

Um zusätzliche Kapazitäten für Lehrveranstaltungen zu gewinnen, hat die Hochschulverwaltung unter anderem einen Saal im Cineplex sowie die Auferstehungskirche in der Nordstadt angemietet. Auch im Hörsaal des Kasseler Klinikums und im Philipp-Scheidemann-Haus werden Vorlesungen stattfinden.

Der Stundenplan wurde ebenfalls ausgeweitet: Um die Räume an der Uni voll auszunutzen, werden Veranstaltungen vermehrt auch zu Randzeiten angeboten: Von 8 Uhr am Montag bis 21 Uhr am Freitag wird auf dem Campus der Lehrbetrieb im Gange sein.

„Wir haben uns auf die Herausforderung, die aus den hohen Studierendenzahlen spricht, sorgfältig vorbereitet“, sagt Uni-Präsident Prof. Rolf-Dieter Postlep. Aus Mitteln von Land und Bund seien 55 zusätzliche Lehrkräfte zum Wintersemester eingestellt worden. Die Fachbereiche hätten darüber hinaus 1,3 Millionen Euro für die Verbesserung von Studium und Lehre erhalten.

Zudem würden Vertretungsprofessuren ab sofort lückenlos finanziert, sodass nach Möglichkeit keine vorübergehenden Vakanzen auf Lehrstühlen entstehen. Zehn Professuren, die in den nächsten Jahren altersbedingt neu besetzt werden müssen, sollen vorzeitig ausgeschrieben werden, sodass es für einige Jahre eine Doppelbesetzung gibt.

Tutorenprogramme werden ausgebaut, die Info- und Beratungsdienste sowie die Prüfungsämter verstärkt, zählt Postlep auf. Auch E-Learning - etwa durch Online-Übertragung von Vorlesungen - soll verstärkt angeboten werden.

Das Raumproblem an der Uni wird sich erst 2014 entspannen: Dann soll das neue Hörsaal- und Campus-Center (HCC) neben der Zentralmensa fertig sein. Dass dann deutlich mehr Studierende aufgenommen werden könnten als jetzt, ist allerdings ein Trugschluss. Mit dem HCC werde nicht die Kapazität der Uni erhöht, stellt Postlep klar. „Wir gleichen lediglich das bestehende Defizit an großen Hörsälen auf dem Campus aus.“

Die Kasseler Hochschule ist baulich eigentlich nur auf 12 000 Studierende ausgelegt. Fast doppelt so viele sind es jetzt schon. Und es könnten nahezu dreimal so viele sein, wenn die Uni den Zulauf nicht steuern würde, sagt Präsident Postlep: „Wenn wir alle nehmen würden, die einen Studienplatz nachfragen, hätten wir locker 30 000.“ Wenn es möglich wäre, würde man diese auch gern allesamt ausbilden. Doch müsse die Hochschulleitung auch die notwendige Qualität der Ausbildung garantieren können.

Dieser Spagat wird die Hochschule noch weiter strapazieren. 2013 und 2014 drängen Hessens doppelte Abi-Jahrgänge in die Unis.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.