Erster Auszubildender im Handwerk startet parallel mit Studium an der Uni Kassel

Vom Hörsaal in die Praxis

Will das Gelernte auch anwenden: Robert Menzel aus Kassel ist der erste Auszubildende im Handwerk, der ein duales Studium an der Universität Kassel aufgenommen hat. Foto: Ludwig

Kassel. In nur vier Jahren wird Robert Menzel (19) eine Ausbildung und ein abgeschlossenes Bachelor-Studium in der Tasche haben. Der Kasseler nutzt das Angebot Studium im Praxisverbund der Universität Kassel.

Die Absolventen dieses dualen Studiums, das 1999 gestartet ist, können ihr theoretisches Wissen sofort in der Praxis umsetzen. Mit dem 19-Jährigen, der bei der Kasseler Firma Truss Haustechnik zum Elektroniker ausgebildet wird, nutzt nun erstmals das Handwerk dieses Angebot.

In den nächsten vier Jahren wird der Abiturient des Wilhelmsgymnasiums zwischen Baustelle und Hörsaal pendeln. Vier Tage in der Woche lernt er in der Universität und einen Tag ist er in seinem Ausbildungsbetrieb, der ihn wie einen normalen Auszubildenden bezahlt. Die Semesterferien verbringt er komplett bei Truss und in der Berufsschule.

Was nach einem straffen Zeitplan klingt, sei „halb so schlimm“, sagt Menzel. Weil es ihm wichtig ist, neben der Theorie nicht den Praxisbezug zu verlieren, war ihm das duale Studienangebot bei den Studieninformationstagen ins Auge gefallen. „Mein Vater ist auch Elektrotechniker, und ich habe schon früher mitgeholfen, wenn er zu Hause etwas gebastelt hat.“

Mit dem Weg, den Menzel eingeschlagen hat, kann er nicht nur weiter praktisch arbeiten, sondern er spart auch viel Zeit. Sollte er alle Prüfungen bestehen, hat er in drei Jahren seine Ausbildung als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik abgeschlossen und schon ein Jahr später sein Studium des Wirtschaftsingenieurwesens, Fachrichtung Elektrotechnik.

Für das Handwerk in der Region ist diese Art der Ausbildung neu: „Truss ist in der Region Vorreiter. Es ist der erste Betrieb im Kammerbezirk Kassel, der sich an dem Uni-Projekt beteiligt“, sagt Barbara Scholz, Sprecherin der Handwerkskammer. Die Industriebetriebe hingegen machen sich diese Ausbildungsmöglichkeit schon länger zunutze (siehe Hintergrund).

„Wir haben uns zu der Kooperation mit der Uni entscheiden, weil wir so gut ausgebildete Fachkräfte gewinnen“, sagt Anja Bernhard, Personalreferentin bei Truss. Ihr Kollege Armin Rhode, der Menzel in der Firma betreut, kennt die Vorteile: Im Handwerk werde verstärkt Personal gesucht, das auch große Projekte koordinieren kann - im dualen Studium werde darauf vorbereitet. Zudem seien Ingenieure im Vorteil, die den Alltag auf der Baustelle kennen.

„Viele junge Menschen sind sich nach der Schule unsicher, ob sie eine Ausbildung oder ein Studium beginnen sollen - mit diesem Angebot können sie beides tun“, sagt Scholz.

Um seine Zukunft muss sich Robert Menzel jedenfalls keine Sorgen machen. Er wird nach seiner Ausbildung bei Truss bleiben. Die Firma will weitere Ausbildungsplätze für ein duales Studium schaffen.

• Mehr Informationen unter: www.unikasseltransfer.de/stip

Von Bastian Ludwig

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