CDU-Mann war bekannt für Zwischenrufe

Hört, hört: Lothar Haase feierte 90. Geburtstag

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Lothar Haase

Kassel. Seine Jahre im Bundestag hat er wahrlich nicht nur abgesessen. Nein, Lothar Haase war bekannt und gefürchtet für seine Zwischenrufe. Eine Eigenschaft, die ihn sogar für eine Geschichte im Spiegel interessant machte, der ihn 1972 zum engagiertesten Zwischenrufer des Bundestages kürte.

Der große alte Mann der Kasseler CDU ist am Wochenende 90 Jahre alt geworden. Wer sich an seine Zeit im Bundestag erinnert, hat sein „Hört, hört“ noch im Ohr. Den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt nannte er einen Kneifer, Karl Schiller war der Chefinflationist. Zimperlich war er sicher nicht, dafür wurde es mit Lothar Haase aber auch nie langweilig.

Spitzen gegen andere hinderten Lothar Haase nie an einem herzlichen Verhältnis mit vermeintlichen Kontrahenten. Mit dem Sozialdemokraten Holger Börner traf er sich ebenso regelmäßig zu den jeweiligen Geburtstagen wie mit dem FDP-Urgestein Richard Wurbs. Harte Auseinandersetzungen auf dem politischen Parkett, aber keine persönlichen Angriffe, das war die Maxime.

Geboren und aufgewachsen in Kassel, musste Haase nach dem Abitur an die Front. Panzerjäger in Russland und Italien von 1942 bis 1945, englische Kriegsgefangenschaft bis 1948 in Ägypten, Heimkehr und Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Uni Marburg bis 1952, erste Stelle als Diplom-Volkswirt bei der Bundesanstalt für Arbeit bis 1961. Dann wurde und blieb Haase Berufspolitiker, auch wenn er das Wort nie gern hörte.

1961 gelang ihm über die Landesliste der Sprung in den Bundestag, dem er bis 1983 ohne Unterbrechung angehörte. Dann schickte die Bundesregierung den verdienten nordhessischen Abgeordneten als einen von neun Präsidenten an den Europäischen Rechnungshof in Luxemburg. Mit der wachsenden Bedeutung der Finanzpolitik war Haase zu einem profilierten Wirtschaftspolitiker der Union in Haushaltsfragen geworden.

Kurz nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft war Haase der CDU beigetreten. Ab 1962 war er Bezirksvorsitzender der nordhessischen Christdemokraten - ein Amt, das er erst Ende 1987 niederlegte. 1989 verabschiedete sich Haase dann auch in den beruflichen Ruhestand. (tos/ach)

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