Fragen und Antworten: Hörgeräte sollten frühzeitig angepasst werden – Mitarbeit der Betroffenen wichtig

Hörverlust kommt schleichend

Lutz-Michael Schäfer

In Bezug auf Hörgeräte sind offenbar viele Menschen verunsichert. Zu dem Thema erreichen uns immer wieder Leser-Fragen.

Der Kasseler Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) Lutz-Michael Schäfer und die Hörgeräte-Expertin Ulrike Dörnhöfer, Geschäftsführerin der Heini Weber Hören und Sehen GmbH & Co. Betriebs-KG in Kassel, geben Antworten auf wichtige Fragen.

? Was sind die Hauptprobleme im Zusammenhang mit Hörgeräten?

!„Die Menschen kommen häufig viel zu spät zum HNO-Arzt und zum Hörgeräte-Akustiker“, sagt Schäfer. Es kann bis zu zehn Jahren dauern, bis sich Patienten eine Schwerhörigkeit eingestehen. „In dieser Zeit hat bereits eine Hörentwöhnung stattgefunden“, sagt Dörnhöfer. Das heißt, häufig müssen Menschen das Hören teilweise wieder lernen. Oft merken Betroffene auch nicht, dass ihr Hörvermögen abnimmt. Meistens fällt eine Hörminderung zuerst den Angehörigen auf. Und auf deren Initiative gehen schwerhörige Menschen Schäfer zufolge meistens erst zum HNO-Arzt.

? Gibt es typische Anzeichen für eine Hörminderung?

!Typische Anzeichen sind laut Schäfer beispielsweise, dass man Vogelgezwitscher oder das Ticken einer Uhr nicht mehr wahrnimmt, den Fernseher lauter stellt oder in einer Geräusch-Kulisse Schwierigkeiten hat, einem Gespräch zu folgen („Cocktailparty-Effekt“). Schäfer: „Ein typisches Zeichen von Schwerhörigkeit ist, dass die Filterleistung des Ohrs verloren geht.“

? Wie wird eine Schwerhörigkeit oder Hörminderung festgestellt?

!Eine Hörminderung wird mit einem Hörtest beim HNO-Arzt festgestellt. Dabei wird ein sogenanntes Audiogramm erstellt. Das zeigt mit einer Kurve an, in welchen Bereichen ein Mensch schlecht hört. Auf Basis des Audiogramms kann der HNO-Arzt entscheiden, ob ein Hörgerät notwendig ist.

? Von wem werden Hörgeräte angepasst?

!Hörgeräte werden von einem Hörgeräte-Akustiker angepasst. Die Grundlage für die Einstellung des Hörgeräts bildet das Audiogramm. Hörgeräte müssen individuell angepasst und eingestellt werden. Da sich das Hörvermögen ändern kann – insbesondere nach einer Hörentwöhnung, können von Zeit zu Zeit Nachkorrekturen der Einstellungen notwendig sein.

? Was ist seitens der Betroffenen wichtig?

!„Die Mitarbeit der Betroffenen ist sehr wichtig“, sagt Dörnhöfer. Es gibt heutzutage eine große Auswahl an Hörgeräten für unterschiedliche Anforderungen wie etwa sportliche Aktivitäten. Das muss der Hörgeräte-Akustiker für die richtige Auswahl und optimale Einstellung des Geräts wissen. Hörgeräte können hinter dem Ohr oder im Gehörgang getragen werden. Laut Dörnhöfer sind sie inzwischen so klein, dass beide Varianten kaum auffallen. Wichtig ist außerdem, dass die Geräte den persönlichen Fähigkeiten angepasst sind, beispielsweise eingeschränkten motorischen Fähigkeiten. Generell gibt es inzwischen durch die digitale Technik sehr gute Möglichkeiten und qualitativ sehr hochwertige Geräte. Der Zuschuss für Hörgeräte durch die Krankenkassen liegt bei rund 700 Euro.

? Wie lange dauert es, bis ein Hörgerät optimal eingestellt ist?

!„Es ist häufig ein langer Weg, bis man am Ziel ist“, sagt Dörnhöfer. Der Weg lohne sich aber. Denn mit einem Hörgerät kann häufig annähernd das ursprüngliche Hörvermögen erreicht werden. Eine Hörminderung birgt auch die Gefahr, dass sich Betroffene von der Sprache entwöhnen und sich sozial isolieren. Wichtig ist laut Schäfer, dass HNO-Arzt, Hörgeräte-Akustiker und die Betroffenen den Weg gemeinsam gehen.

? Wie oft sollte ein Hörgerät getragen werden?

!Ein Hörgerät sollte ständig außer nachts getragen werden, auch wenn Betroffene allein sind. Schäfer: „Am besten gleich nach dem Aufwachen das Hörgerät einsetzen.“ Nur so kann eine optimale und schnelle Gewöhnung erfolgen. Häufig muss man sich Dörnhöfer zufolge langsam an die optimalen Einstellungen herantasten.

Motivation wichtig

Die Motivation der Betroffenen spiele dabei eine zentrale Rolle. Dörnhöfer: „Die Geräte können erst nach und nach auf ihre volle Leistungsfähigkeit gestellt werden.“ Außerdem rät sie zu regelmäßigen Kontrollterminen beim HNO-Arzt, um die Ohrgesundheit zu gewährleisten. (mkx)

Hintergrund • Wenn Sie unter Beschwerden leiden und nicht wissen, an wen oder wohin Sie sich wenden sollen, Fragen an Ärzte haben oder mehr über ein Thema erfahren möchten, schreiben Sie uns:

HNA-Lokalredaktion Kassel,

Stichwort: Gesundheit,

kassel@hna.de,

Fax: 05 61/20 3-24 00

Von Mirko Konrad

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