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Corona in Kassel: Weihnachtstrubel und „Querdenker“-Eklat in der City

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Von: Matthias Lohr, Bastian Ludwig

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Besucher des Weihnachtsmarkts in der Innenstadt von Kassel.
Auch wenn es vor Corona hier noch voller war: An so viele Menschen in der Innenstadt ist man nicht mehr gewöhnt – gerade in diesen Tagen. © Bastian Ludwig

Trotz der Corona-Lage war es am Wochenende sehr voll in der Innenstadt von Kassel. Händler sind dennoch unzufrieden. Die „Querdenker“ sorgten für Entsetzen.

Kassel – Das erste Adventswochenende war eine Belastungsprobe für die Corona-Auflagen auf dem Weihnachtsmarkt und in der Innenstadt: Nachdem der Nieselregen am Samstag abgeklungen war, folgte der Ansturm auf die Marktstände und die Geschäfte in der Königsstraße in Kassel. Es wurde voll in der City, aber kein Vergleich zu Adventswochenenden ohne Corona. Und mittendrin im Getümmel demonstrierten etwa 150 Impfgegner.

In den sozialen Netzwerken stößt der Shopping- und Weihnachtstrubel auch auf Unverständnis. Das Bild einer vollen Königsstraße kommentierte dort jemand mit den Worten: „Das Ding fliegt uns so sehr um die Ohren.“

Corona in Kassel: Stimmung zwischen Hoffen und Bangen

Die Stimmung der Marktbeschicker auf dem Weihnachtsmarkt schwankt zwischen Hoffen und Bangen. Sie hoffen, dass der Markt zumindest so lange geöffnet bleibt, bis sie ihre Auslagen eingespielt haben. Mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen haben viele Zweifel.

Werner Bodem, der mit seinem Karussell auf dem Friedrichsplatz steht, kommt seit 1972 auf den Kasseler Weihnachtsmarkt. „So eine Katastrophe hatten wir noch nie“, sagt Bodem. Im Vergleich zu 2019 habe er 30 Prozent weniger Umsatz. Er müsse aber kaum mit seinen Kunden schimpfen. Die meisten akzeptierten die Maskenpflicht, die aufgrund der verschärften Corona-Regeln in der Innenstadt von Kassel gilt. Florian Göttermann von „Jeanettes Nusshütte“ ist seit 30 Jahren beim Markt mit von der Partie. „Bis 2019 gab es jedes Jahr Besuchersteigerungen. Jetzt erleben wir einen deutlichen Rückgang. Ich hatte es aber noch schlimmer befürchtet“, so Göttermann. Sein Umsatzrückgang liege dennoch bei fast 50 Prozent. Bei einem Abbruch des Marktes würde er auf seiner Ware sitzen bleiben. „Das Geld dafür ist schon ausgegeben. Das wäre fatal.“

Sebastian Ruppert, der die Eisrutsche in der Treppenstraße betreibt, hat für Auf- und Abbau 30.000 Euro Fixkosten. „Das Geld müssen wir erst mal wieder reinholen.“ Freitagabend sei es schon gut gelaufen und ab Samstagnachmittag sei der Zulauf gestiegen. Dennoch beziffert er seinen Umsatzrückgang auf 40 Prozent. „Ich hoffe, dass der Markt wie geplant bis 30. Dezember läuft.“

Herbert Beyer ist mit dem Verkauf von Adventsdekorationen in seinem „Käthe Wohlfahrt“-Häuschen auf dem Königsplatz noch zufrieden. Die Absagen der Weihnachtsmärkte in Warburg, Erfurt und Fulda hätten dafür gesorgt, dass etliche Besucher aus diesen Regionen nach Kassel kämen. „Die Leute nehmen in diesem Jahr weite Wege auf sich. Wir fragen unsere Kunden nach der Postleitzahl, deshalb haben wir einen Überblick“, sagt Beyer.

Wegen Corona in Kassel? „Black Friday war nicht gut“

Zudem sei auffällig, dass sich viele schon jetzt mit Weihnachtskugeln eindeckten. „Normalerweise steigen die Verkäufe erst zwei Wochen vor Weihnachten. Die Menschen haben Sorge, dass der Weihnachtsmarkt abgebrochen wird“, sagt Beyer.

Alexander Wild von den City-Kaufleuten spricht von mäßigen Umsätzen der Innenstadthändler: „Die Frequenzen sind schlechter, die Kunden zurückhaltend. Auch der Black Friday war nicht gut.“

Querdenken-Veranstaltung in Kassel

Ganz andere Sorgen haben die „Querdenker“. Während Veranstaltungen der Freien Bürger zuletzt kaum Teilnehmer anlockten, trafen sich am Samstag etwa 150 Impfgegner am Rathaus. Unter den Rednern war die Duderstädter Ärztin Carola Javid-Kistel. Sie nannte Impfungen eine „biologische Waffe“ und verharmloste den Holocaust, indem sie dazu aufrief, notfalls das Land zu verlassen, wie auch ein Mitschnitt der Veranstaltung zeigt: „Die Juden, die damals rechtzeitig Deutschland verlassen haben, haben sich auch gerettet.“

Dies alles passierte ein Jahr, nachdem „Jana aus Kassel“ mit einem Sophie-Scholl-Vergleich bundesweit für Entsetzen gesorgt hatte. Einer der Organisatoren sagte der HNA, dass die Bewegung wieder mehr Zulauf erhalte. (Bastian Ludwig, Matthias Lohr)

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