Lichtblick

Corona-Impfungen in Stadt und Kreis Kassel gestartet: Hoffnung auf Normalität im Heim

PTA Ays¸e Boz bereitet Impfspritzen für die Heimbewohner vor
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Vorbereitung im Apotheken-Lkw: PTA Ays¸e Boz bereitet Impfspritzen für die Heimbewohner vor.

In und um Kassel sind am Sonntag Bewohner und Mitarbeiter von Altenheimen gegend das Coronavirus geimpft worden. In den nächsten Tagen folgen weitere Einrichtungen.

Kassel/Kaufungen – Mobile Impfteams sind unterwegs, um die gegen Corona zu impfen, die am gefährdestens sind – und in vielen Fällen nicht mehr mobil. Wir haben uns angeschaut, wie der Impfstart funktioniert hat.

Der Impfstart im Kreis

Horst Zufall hat sich seinen Piks schon abgeholt im Impf-Trubel am Sonntag im DRK-Altenpflegeheim Oberkaufungen. Angst vor Spritzen habe er nicht, betont der rüstige 83-Jährige und frotzelt nebenbei einen Hausmitbewohner an, der jetzt im Rollstuhl zu einer der drei Impfstationen im Haus gefahren wird: „Pass auf, dass dir nicht der Arm abfällt.“

Mit Humor gegen Corona – das gilt auch auf der Ladefläche des Kasten-Lkw im Hof, in dem Apotheker Christian Heckmann mit einer Kollegin über den Kühlschrank mit den Biontech-Fläschchen wacht und die Impfspritzen vorbereitet. Läuft alles störungsfrei? „Die Chips passen nicht durch die Kanüle“, scherzt Heckmann als Seitenhieb auf gängige Corona-Verschwörungsmythen.

Doch natürlich halten sich die launigen Seiten der Pandemie in Grenzen – auch für den frisch geimpften Horst Zufall. Vor ein paar Wochen ist seine Frau gestorben, die schwer krank war und ebenfalls in dem Kaufunger Heim lebte. Weihnachten habe er allein verbracht, Familienbesuch fiel aus Vorsichtsgründen aus. Von der Corona-Impfung verspricht sich Zufall: „Ich hoffe, dass es jetzt mal besser wird und dass das endlich aufhört.“

Teamarbeit: Etwa 25 Helfer vom Impfzentrum des Kreises und aus Hausarztpraxen arbeiteten zusammen.

So sehen es laut Heimleiter Stephan Kratzenberg auch die anderen 99 alten Menschen im Haus: „Die Bewohner haben große Hoffnung, dass wir nach der Impf-Karenzzeit die Auflagen lockern können und sich der Alltag hier etwas mehr normalisiert.“ Das sehe man auch an der hohen Impfbereitschaft – die Teilnahme ist freiwillig und zustimmungspflichtig. Bis auf drei Bewohner haben alle ihre Bereitschaft bekundet.

Anders sieht es nach Kratzenbergs Angaben bei den Pflegekräften aus: Von 70 Beschäftigten in diesem Bereich hätten sich am Sonntag nur gut 20 an der Impfaktion beteiligt. „Ich finde das traurig“, sagt der Heimleiter, „dass die Wirksamkeit und der Nutzen offenbar noch nicht so angekommen ist.“

Ungeachtet dessen sei das Kaufunger Altenheim bisher gut durch die Pandemiezeit gekommen. „Wir hatten bisher keinen Infektionsfall, unsere Einrichtung ist generell für Besucher offen“, berichtet Kratzenberg.

Als Startpunkt der kreisweiten Impfkampagne war das DRK-Altenpflegeheim laut Landkreissprecher Harald Kühlborn ausgewählt worden, weil die Aktion dort mit Unterstützung örtlicher Allemeinmediziner gut vorbereitet war. Auch bei der gestrigen Impfaktion arbeiteten die Kaufunger Hausärzte Raphael Gorb, Ulrike Ampf und Thorsten Schnorr sowie deren Praxismitarbeiter mit einem 15-köpfigen Team vom Caldener Impfzentrum des Landkreises zusammen.

Blaue Boxen: Apotheker Christian Heckmann mit einer Ladung Spritzen für die Impfteams.

Ein privates Missgeschick war der Hintergrund, dass die Betreuungskraft Sabine Wessollek gegen 11 Uhr die erste Corona-Impfung im Kreis verabreicht bekam: Nach einem schweren Sturz samt Armbruch ist die Altenheim-Mitarbeiterin erst mal arbeitsunfähig. Sie sei als Erste drangenommen worden, um ihr Wartezeiten zu ersparen, sagte Kratzenberg.

Bis zum späten Nachmittag dauerte der Impf-Trubel im DRK-Heim. Sechs Mitarbeiterinnen des Hauses waren abgestellt, um die Senioren der Reihe nach zu den Impfstationen zu bringen. Alles lief nach Angaben der Organisatoren wie am Schnürchen. Genau drei Wochen später, am 17. Januar, haben die Heimbewohner und -mitarbeiter ihren zweiten Impftermin. Danach dauert es dann eine weitere Woche, bis sie wirksam gegen Covid-19 geschützt sind.

Der Start in der Stadt

Auch in der Stadt wurden am Sonntag die ersten Corona-Impfungen verabreicht. Dort war Allgemeinmediziner Dr. Uwe Popert im Haus Salem und im Aschrottheim unterwegs. Sein Fazit: Noch lief nicht alles rund. „Das A und O sind die Aufklärung und die schriftliche Einverständniserklärung der Betreuer“, sagt Popert. Lägen die Unterschriften nicht vor, käme es zu Verzögerungen, sodass wiederum weniger Bewohner an einem Termin geimpft werden könnten. „Nicht jeder Altenheimbewohner ist ansprechbar, darum sind die Betreuer ganz wichtig“, so Popert. An sie appelliert der Mediziner, Fragen vor dem Impftermin zu stellen, damit alle Unklarheiten geklärt werden können.

Um den Bewohnern zu zeigen, dass eine Impfung die richtige Entscheidung ist, hat Popert nicht nur Erklärungen in großer Schrift vorbereitet, die besser lesbar sind als die sehr klein gedruckten Vorlagen. Er hat sich auch bereits selbst gegen Corona geimpft. „Gleich als Erstes. Das ist doch die beste Werbung.“

Popert ist sich sicher, dass nicht nur die Todesfälle, sondern auch die Zahl der Patienten auf Intensivstationen um die Hälfte zurückgehen, wenn erstmal die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen geimpft sind. Darum war er am Sonntag auch nicht zum letzten Mal im Einsatz. (Axel Schwarz und Marie Klement)

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