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Hoffnung, dass sich etwas ändert: Kasselerin berichtet über die Corona-Proteste in China

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Von: Kathrin Meyer

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Demonstranten halten Plakate hoch, auf denen sie den chinesischen Präsidenten Jinping anprangern: Auch in anderen Ländern – unser Bild stammt aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul – fand eine Kundgebung statt, auf der die Corona-Politik der chinesischen Regierung verurteilt wird.
Demonstranten halten Plakate hoch, auf denen sie den chinesischen Präsidenten Jinping anprangern: Auch in anderen Ländern – unser Bild stammt aus der südkoreanischen Hauptstadt Seoul – fand eine Kundgebung statt, auf der die Corona-Politik der chinesischen Regierung verurteilt wird. © Ahn Young-Joon/AP/dpa

Kasselerin berichtet über die Corona-Proteste in China. Sie sieht in den massiven Protesten gegen Chinas Null-Covid-Politik einen Hoffnungsschimmer.

Kassel – Li Wang stammt aus China und lebt seit mehreren Jahren in Kassel. Li Wang heißt eigentlich anders, aber um sie zu schützen, nennen wir ihren richtigen Namen nicht. Die Geschehnisse der vergangenen Tage haben sie aufgewühlt. Gleichzeitig sieht sie in den massiven Protesten gegen Chinas Null-Covid-Politik aber auch einen Hoffnungsschimmer, nämlich, dass sich etwas ändert in dem Land, in dem ihre Eltern und viele ihrer Verwandten und Freunden leben.

„Auf die offiziellen Nachrichten in China kann man sich kaum verlassen“, sagt Li Wang. Die Zensur der kommunistischen Regierung sei massiv, so ihre Einschätzung. Die chinesische Null-Covid-Politik, die Lockdowns, Massentests und strenge Quarantänepflicht beinhaltet, sieht sie als „unrealistisch“ – „wie wahrscheinlich auch viele Chinesen“. Aber viele würden offiziell noch eine Fassade aufrecht erhalten.

Wo es in Deutschland ein stückweit Absicherung durch Impfungen gibt, wurden in China ältere oder chronisch kranke Menschen oft aus Angst vor Nebenwirkungen von den Impfungen ausgenommen, sodass diese besonders gefährdet sind. Auch hat China keine ausländischen Impfstoffe wie mRNA-Vakzine zugelassen, sondern nur seine eigenen herkömmlichen Produkte zum Einsatz gebracht.

Dadurch, dass die Pandemie in China früherer begonnen hat als in Europa, habe es eine Zeit gegeben, wo die Corona-Situation in China entspannter gewesen sei als in Europa. In dieser Zeit sei es ihren Verwandten in China noch möglich gewesen, Urlaube innerhalb des Landes zu machen. Derzeit sind Reisen in China nahezu ausgeschlossen. Denn sobald eine Person positiv auf Corona getestet wird, wird für den gesamten Bezirk ein Lockdown verhängt. Ihre Eltern leben in einer chinesischen Großstadt, erzählt Li Wang. Da sie schon in Rente seien, beträfen sie die Einschränkungen durch Covid weniger als Menschen, die täglich zur Arbeit gehen müssen. Während eines Lockdowns dürfen die Chinesen ihre Wohnungen nicht verlassen. Wer deshalb nicht zur Arbeit gehen kann, bekommt auch keinen Lohn, so Li Wang. Die finanzielle Absicherung sei in China deutlich schlechter als in Deutschland.

Dass es in den vergangenen Tagen massive Proteste gegen die Corona-Maßnahmen in China gab, war für Li Wang sehr emotional. „Das kannte man so bisher nicht“, sagt sie. „Ich freue mich, dass so etwas passiert, denn es gibt einem die Hoffnung, dass sich vielleicht grundlegend am Regierungssystem etwas ändern könnte.“ Es sei nicht so, dass es bisher keinen Protest in China gegeben habe. Die Proteste haben aber nur an abgelegenen Orten stattfinden können und nur in kleinen Ausmaßen, sodass sie auch schnell unterdrückt werden konnten. Auch wenn die Informationen im Internet schnell gelöscht werden, verbreitet sich die Nachricht, da ist sich Wang sicher. Die Gefahr, die mit den strickten Maßnahmen während der Lockdowns einhergeht, ist auch Mitauslöser der Proteste. Zehn Menschen starben zuletzt bei einem Brand im Nordwesten Chinas. Sie waren wegen des Lockdowns in ihren Wohnungen eingesperrt.

Dass in China die Sorge vor der Erkrankung größer ist als in Deutschland, glaubt Li Wang aber nicht. Eher sei es die Angst vor den allgemeinen Konsequenzen, die eintreten, wenn jemand positiv auf das Virus getestet wird.

„Die Maßnahmen in China sind eine massive Freiheitsbeschränkung für die Einwohner“, sagt Li Wang. Eben aus diesem Grund kann man aus ihrer Sicht die Corona-Proteste in China und Deutschland auch nicht vergleichen. Man könne aus ihrer Sicht in Deutschland froh sein, dass man nicht in einer Diktatur lebe, wie es in China der Fall sei.

Hoffnungsvoll stimmt die Kasselerin, dass sich auch Menschen in Deutschland dem Protest anschließen. So hat sie beispielsweise auch an den Universitätsgebäuden in Kassel weiße Din-A4-Seiten an den Fensterscheiben hängen gesehen. Die leeren Seiten sollen verdeutlichen, dass die chinesische Regierung keine freie Meinungsäußerung zulässt. Das Symbol wurde bereits 2020 von Demonstranten in Hongkong benutzt. (Kathrin Meyer)

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