Seit Anfang 2011 sind 100 Bürgerarbeiter im Einsatz – Bislang wenige Vermittlungen

Hoffnung auf feste Stelle

Die Kinder haben sie ins Herz geschlossen: Bürgerarbeiterin Sina Herzog (Mitte) betreut die Bücherei der Friedrich-Wöhler-Schule. Rafin (links) und Anne hören ihr gebannt beim Vorlesen zu. Foto: Janz

Kassel. Die Klasse steht schon vor der verschlossenen Tür, als Sina Herzog mit dem Schlüssel für die Schulbücherei kommt. Die Kinder strahlen, als sie die Frau mit den kurzen, blonden Haaren sehen. Zwei Mädchen laufen auf sie zu und umarmen sie.

Die 34-Jährige, die sie so freudig begrüßen, gehört nicht zum Kollegium der Friedrich-Wöhler-Schule. Sina Herzog ist eine von 100 Bürgerarbeiterinnen in Kassel. Auf dem regulären Arbeitsmarkt hatte sie ohne eine Ausbildung keine Stelle gefunden. Nach einem Ein-Euro-Job an der Grundschule bekam sie Anfang 2011 die Gelegenheit, drei Jahre lang für ein reguläres Gehalt an der Wöhler-Schule zu arbeiten, das von Bund und Stadt subventioniert wird.

33 Stunden wöchentlich kümmert sie sich um die Schulbücherei, liest den Kindern vor, bastelt und spielt mit ihnen und hilft bei der Büchersuche, wenn die Schüler ein Referat vorbereiten. Die Kinder haben sie ins Herz geschlossen – und sie die Kinder: „Ich gehe hier richtig auf“, sagt Sina Herzog.

Ausbildung neben der Arbeit

Deshalb macht sie inzwischen neben ihrer Arbeit noch eine Ausbildung zur Erzieherin an der Elisabeth-Knipping-Schule. Wenn die Bürgerarbeit 2014 endet, sollte sie so weit sein, ein Berufspraktikum zu machen. „Die Chancen sind derzeit super für Erzieherinnen“, sagt die stellvertretende Leiterin der Friedrich-Wöhler-Schule, Daniela Schinke, die gern mit Sina Herzog zusammenarbeitet.

Die Bürgerarbeit soll ein Sprungbrett sein, sagt Detlev Ruchhöft, Leiter des Jobcenters Kassel. Auch wenn die Bürgerarbeiter kein Arbeitslosengeld mehr erhalten, stehe die Vermittlung weiter im Vordergrund. 600 Arbeitslose wurden ursprünglich angesprochen, 105 bekamen noch im Vorfeld eine reguläre Stelle. 280 waren in der engeren Wahl für das Programm.

Im ersten Jahr haben nur zwei der 100 Bürgerarbeiter den Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft. Eine schnelle Vermittlung sei nicht das Ziel, sagt Ruchhöft. Die Bürgerarbeiter sollten erst einmal wieder arbeiten. Auch die Träger der Stellen, öffentliche und gemeinnützige Einrichtungen, wollten keine schnellen Wechsel. Ruchhöft hofft aber, dass am Ende möglichst wenige Bürgerarbeiter in die Betreuung des Jobcenters zurückkehren werden.

Arbeitsmarkt sieht besser aus

„Jeder soll eine Chance haben“, sagt Kassels Kämmerer und Sozialdezernent Dr. Jürgen Barthel (SPD). Auch wenn es am Arbeitsmarkt heute besser aussieht als noch 2010: „Aktuell 9,6 Prozent Arbeitslose in Kassel sind noch immer zu viel.“

Er legt aber Wert darauf, dass die Stellen nicht in Konkurrenz zu regulären Arbeitsplätzen stünden. Angebote in der Grauzone, etwa für Archivarbeit oder in der Hauswirtschaft, habe das Jobcenter abgelehnt. „Wir wollen da keine Probleme bekommen“, sagt Barthel. Beschwert habe sich bisher niemand.

Von Marcus Janz

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