Casseler Freyheit fällt aus - Hoffnung für den Weihnachtsmarkt

Kassel als Corona-Hotspot: Was in der Stadt nun gilt

Riesenrad auf der Casseler Freyheit
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Kein buntes Treiben in diesem Jahr: Wegen der Corona-Pandemie wird die Casseler Freyheit abgesagt. Die Weihnachtsmarkt-Entscheidung steht noch aus.

Kassel ist wegen enorm gestiegener Fallzahlen zum Corona-Hotspot geworden. Das hat Auswirkungen auf den Alltag – wenn auch wenige.

Kassel – Neben Vorgaben der Stadt Kassel gibt es auch von den Länderchefs erarbeitete Regeln für Risikogebiete, zu denen auch Kassel seit Donnerstag zählt. Was in Kassel gilt, beleuchten wir in Fragen und Antworten:

Wie haben sich die Corona-Zahlen am Donnerstag in Stadt und Kreis Kassel entwickelt?
254 aktuell mit dem Coronavirus Infizierte gibt es Stand Donnerstagmittag in Stadt (203) und Landkreis (51) Kassel. Seit Beginn der Pandemie sind es insgesamt 1457 nachgewiesene Fälle (Stadt: 829, Kreis: 637). 1161 Personen gelten als genesen (608 in der Stadt und 553 im Landkreis.) Neu ist, dass die Stadt täglich über die Anzahl der am Vortag hinzugekommenen Kontaktpersonen informiert. Gestern waren das 343. Vier Infizierte liegen im Krankenhaus, zwei von ihnen werden intensivmedizinisch behandelt. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg im Vergleich zum Vortag noch einmal – in der Stadt auf 97,6 (Vortag 37,2, Stand mittags) und im Kreis bei 20,3 (Vortag 16,9, Stand mittags). Damit zählt Kassel zu den Corona-Risikogebieten.
Was bedeuten das im Bezug auf die Maskenpflicht?
Laut dem Beschluss der Länderchefs von Mittwoch soll die Maskenpflicht in Städten mit mehr als 35 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen „überall da gelten, wo Menschen dichter beziehungsweise länger zusammenkommen“. Was das konkret für Kassel heißt, steht noch nicht fest, da die Stadt auf die ausgearbeitete Landes-Vorgaben wartet, um diese umsetzen zu können. Ob man also künftig beispielsweise in der Innenstadt eine Maske tragen muss, ist noch nicht klar.
Welche Auswirkungen gibt es für private Feiern?
Bund und Länder hatten beschlossen, dass private Feiern bei mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche auf maximal zehn Teilnehmer und zwei Hausstände begrenzt werden. Da es noch keine konkreten Vorgaben des Landes gibt, gelten zunächst die Vorgaben der Stadt: Private Feiern mit mehr als 25 Personen sind untersagt. Für Feiern in privaten Räumen, insbesondere in Wohnungen, wird eine Höchstteilnehmerzahl von 10 Personen empfohlen.
Wird es Kontaktbeschränkung geben?
Die Länderchefs haben für Corona-Hotspots striktere Kontaktbeschränkungen beschlossen. Dort sollen sich etwa nur noch maximal zehn Personen im öffentlichen Raum treffen dürfen. Auch hier fehlt aber noch die Umsetzungsvorgabe des Landes, sodass die Beschränkung derzeit in Kassel nicht greift.
Welche Auswirkungen gibt es in der Gastronomie?
Bisher keine. In Städten mit mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche soll es eine Sperrstunde um 23 Uhr in der Gastronomie geben. Bars und Clubs sollen geschlossen bleiben. Noch fehlt auch hier die Landesverordnung.
Gibt es Einschränkungen bei Veranstaltungen?
Ähnlich wie im Bereich Gastronomie sieht es bei Veranstaltungen aus. Auch hier gelten zunächst die Vorgaben der Stadt: Veranstaltungen mit mehr als 250 Teilnehmern dürfen bis auf Weiteres nicht stattfinden. Im Staatstheater, in Museen und in den Schwimmbädern gibt es durch die Einstufung als Risikogebiet keine neuen Einschränkungen.
Was bedeutet die Einstufung als Risikogebiet für die Casseler Freyheit?
Das Innenstadt-Spektakel, das am 30. Oktober starten sollte, wird abgesagt. „Das ist noch nicht offiziell, aber bereits klar“, sagte Birgit Kuchenreiter von Kassel Marketing. Der Grund sei aber nicht das aktuelle Infektionsgeschehen in Kassel, sondern dass das Land Hessen inzwischen das Verbot von Großveranstaltungen bis Ende Januar verlängert hat. Das betrifft den verkaufsoffenen Sonntag, der als publikumsstärkster Tag der Casseler Freyheit für den 1. November geplant war. Die City-Kaufleute seien informiert, dass aus der Sonntagsöffnung nichts wird.
Findet der Märchen-Weihnachtsmarkt statt?
Dafür gibt es noch Hoffnung. Kassel Marketing geht nach Rücksprache mit dem Rathaus davon aus, dass der über viele Tage laufende Weihnachtsmarkt „nicht als einzelne Großveranstaltung, sondern als Sondermarkt“ eingestuft wird, sagte Sprecherin Kuchenreiter. Es werde daran gearbeitet, den Kasseler Weihnachtsmarkt unter angemessenen Hygiene- und Sicherheitsbedingungen möglich zu machen. „Wie das letztlich von höherer Stelle auf Landesebene entschieden wird, haben wir allerdings nicht in der Hand.“
Und wie sieht es mit dem Winterzauber aus?
Die Veranstaltung vor der Orangerie, bei der sich analog zum Herbstzauber 100 Aussteller ab dem 29. Oktober vier Tage lang mit festlich-winterlichen Angeboten präsentieren wollen, stand gestern nach Angaben einer Sprecherin noch nicht auf der Kippe: „Wir gehen erst mal nicht von einer Absage aus.“ Die Stände entlang der großen Wiese würden mit viel Abstand aufgebaut, wie schon beim Herbstzauber sei die Freiluftveranstaltung in jeder Hinsicht auf die Corona-Bedingungen ausgelegt.
Ändern sich die Vorgaben für Schulen und Kitas?
Nein. Es gelten die bekannten Vorgaben. Schüler müssen auch weiterhin im Unterricht keine Maske tragen.
Sind Besuche in Krankenhäusern noch möglich?
Das entscheidet jede Klinik selbst. Die Vitos Orthopädische Klinik und die Agaplesion Diakonie Kliniken reagierten bereits. Dort gilt ab sofort ein Besuchsverbot, in den Diakonie Kliniken mit Ausnahme für Begleitperson bei Geburten und schwer kranker Patienten. Im Klinikum, im Elisabeth-Krankenhaus, in den DRK-Kliniken und im Marienkrankenhaus sind Besuche nach den bisherigen Regeln möglich. In der Paracelsus-Elena-Klinik gab es die ganze Zeit ein Besuchsverbot.
Wie sieht es in Seniorenheimen aus?
Vonseiten der Stadt gibt es auch für Seniorenheime keine neuen Vorgaben. Jede Einrichtung schaut also, wie sie mit den jüngsten Entwicklungen umgeht. „Aktuell müssen wir noch nicht mit Einschränkungen reagieren, stattdessen braucht es eine noch größere Aufmerksamkeit bei den Besuchen“, sagt Michael Schmidt, Geschäftsführer AWO-Nordhessen. Dass es bald wieder Einschränkungen gebe, stehe noch nicht zur Diskussion. „Allerdings beobachten wir die Lage ganz genau.“ Monika Salomon, Direktorin im Mundus, sagt: „Ich bin immer sehr vorsichtig. In unsere Apartments lassen wir aktuell momentan eine Person.“ Mit Blick auf die Entwicklungslage stehe ein komplettes Besuchsverbot fast bevor. „Wir beobachten die Lage täglich.“
Wie ist die Situation bei Fußball- und Handball-Spielen?
Die Heimspiele des KSV Hessen Kassel im Auestadion und der MT Melsungen in der Rothenbachhalle können stattfinden, allerdings ohne Zuschauer, teilte die Stadt mit. Auf den Plätzen und in den Hallen in Kassel dürfen sonst - unter den geltenden Abstandsregeln - bis zu 250 Zuschauer anwesend sein.
Gibt es sonst noch Auswirkungen?
Neben der Beschränkung der Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen und Feiern hat die Einstufung Kassels als Risikogebiet vor allem Auswirkung für Reisende: Wer aus Kassel kommt, darf in vielen Bundesländern nur in Ausnahmefällen – etwa nach Vorlage eines negativen Corona-Tests – in Hotels und Pensionen übernachten. Grund ist das umstrittene Beherbergungsverbot, das Reisenden aus Risikogebieten den Urlaub erschweren soll.
Wird es verstärkt Kontrollen durch das Ordnungsamt geben?
Laut Stadt sei das Ordnungsamt bereits permanent mit voller Besetzung im Einsatz, um die Einhaltung der Regeln zu kontrollieren.

Von Marie Klement und Axel Schwarz

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