Neues Schmerzzentrum im Rot-Kreuz-Krankenhaus

Josef

Kassel. In Kassel leiden 42.000 Menschen unter chronischen Schmerzen, und 4200 Menschen müssen mit sehr starken Dauerschmerzen leben. Diese Zahlen nannte Dr. Gerhard Müller-Schwefe, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie (DGS). Er hat im Kasseler Rot-Kreuz-Krankenhaus das von der DGS eingerichtete regionale Schmerzzentrum eröffnet.

Bundesweit gibt es 150 solcher Zentren. Das neue Zentrum in Kassel / Nordhessen soll in der Region eine Lücke schließen, denn bisher sind Schmerzpatienten hier unterversorgt.

Das beschreibt auch Josef Singer, Leiter der Kasseler Selbsthilfegruppe Chronische Schmerzen. Es gebe zu wenig Schmerztherapeuten, was zu langen Wartezeiten führe. So zögen sich viele Patienten zurück und blieben unbehandelt, schilderte Singer. Das neue Schmerzzentrum bedeute ein Stück Hoffnung.

Akute Hilfe bei unerträglichen Schmerzen sowie langfristige Schmerztherapie finden Betroffene ab sofort im neuen Schmerzzentrum RKH in der Hansteinstraße 29. Nicht nur die am häufigsten vorkommenden Kopf- und Rückenschmerzen sowie Migräne, auch alle anderen chronischen Schmerzzustände werden hier diagnostiziert und behandelt: ambulant, stationär oder teilstationär.

Als chronisch gelten Schmerzen, die über drei Monate hinaus andauern. Wichtig sei die Zusammenarbeit mit verschiedenen niedergelassenen Ärzten. Außerdem müsste Schmerztherapie fester Bestandteil der Ausbildung junger Ärzte werden, forderte Müller-Schwefe.

Diagnose und Behandlung von Schmerzerkrankungen sind meist langwierig und kompliziert, die Patienten brauchen Geduld und Motivation, erklärten die Fachleute. Schmerz entstehe im Kopf, es gebe ein Schmerzgedächtnis, andererseits auch körpereigene Stoffe, die Schmerzen wieder selbst abbauen können, erklärte Dr. Andreas Böger, Chefarzt der Klinik für Schmerztherapie. An diesem komplexen System von Schmerzentstehung, -regulierung und -verarbeitung setzt man im neuen regionalen Schmerzzentrum an.

Medikamente, psychologische Schmerztherapie und Physio- sowie Ergotherapie sind Bausteine der Behandlung. Sie sollen zum Beispiel das Schmerzgedächtnis positiv verändern und den Patienten aktivieren.

Jeder chronische Schmerzpatient sollte auf einer Überweisung zum Schmerzspezialisten bestehen, was die Betroffenen oft Überwindung koste, sagten die Fachleute. Hier müssten die Hausärzte helfen. Die Wartezeit für einen Termin beim Schmerzzentrum betrage derzeit knapp drei Monate, in dringenden Fällen könne es schneller gehen. 2 Fotos: Oschmann /1 Archivfoto / nh

Klinik für Schmerztherapie, Rotes Kreuz Krankenhaus, Tel. 05 61/30 86 46 01.

Von Sabine Oschmann

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