Platz in Kirchditmold für 19 000 Euro saniert – an Gehbehinderte hat keiner gedacht

Ärger um Kirchditmolder Platz am Ziegenbrunnen

Fühlt sich ausgeschlossen: Edith Müller (82) kann nicht verstehen, wie eine Treppe oder ein ebenerdiger Zugang zum neu gestalteten und erhöhten Platz an der Brunnenstraße in Kirchditmold vergessen werden konnte. Foto: Ludwig

Kirchditmold. Der Platz am Ziegenbrunnen ist ein Kleinod in Kirchditmold. Seit April wird er für 19.000 Euro saniert und neu gestaltet. Nur hat bei der Planung offenbar niemand an Senioren und kranke Menschen gedacht.

Denn statt einer kleinen Treppe wie bislang gibt es nun eine 40 Zentimeter hohe Hürde aus Steinquadern – von einem ebenerdigen Zugang für Rollator- und Rollstuhlfahrer ganz zu schweigen.

Edith Müller (82) saß immer gern auf den Bänken am Ziegenbrunnen und hörte dem Plätschern des Wassers zu. Deshalb hatte sich die Kirchditmolderin auch gefreut, dass der Platz wieder flottgemacht werden sollte. Doch kürzlich wurde sie stutzig, als sie an der Baustelle vorbeiging. „Es war überhaupt kein Zugang zum erhöhten Platz zu erkennen. Früher gab es wenigstens eine Trittstufe“, sagt Müller. Sie sprach die Bauarbeiter an, um zu erfahren, ob der Zugang noch gebaut wird. Doch Fehlanzeige: Es ist kein Zugang geplant, der auch für Menschen in ihrem Alter geeignet ist. Ihr Fazit: „Das ist ein Schildbürgerstreich.“

Volker Lange vom Umwelt- und Gartenamt, das die Bauarbeiten überwacht, bestätigt, dass der neue Platz für gehbehinderte und gebrechliche Menschen in vielen Fällen nicht nutzbar ist. Aber dies sei wegen der Lage an der angrenzenden Brunnenstraße auch nicht möglich gewesen. „Einen ebenerdigen Zugang hat es bislang dort auch nicht gegeben und er lässt sich dort leider auch nicht ohne Weiteres realisieren“, sagt Lange. Die Topografie sei abfallend und es müssten 50 Zentimeter Abstand zur Straße gehalten werden, damit auch Lastwagen problemlos vorbeifahren könnten. Eine Lösung hätte nur ein nicht finanzierbarer Komplettumbau des Platzes bringen können.

Elisabeth König (Grüne), Ortsvorsteherin von Kirchditmold, zeigte sich verwundert: „Barrierefreiheit muss auch für diesen Platz gelten. Jeder Kirchditmolder soll sich dort aufhalten können.“ Trittstufen zum Platz, wie es sie bislang gegeben habe, seien das Mindeste. König räumt ein, dass die Frage des Zugangs bei den Sitzungen des Ortsbeirates, der das Bauprojekt allein aus seinem Geld finanziert hatte, nicht diskutiert worden sei. „Wir haben uns lange mit dem Kunstwerk aufgehalten, das dort aufgestellt werden soll“ (Artikel unten).

Noch im Juni fertig

Noch im Juni soll der Platz, über den durch eine flache Rinne das Wasser aus dem Ziegenbrunnen fließt, fertig sein. Später soll an der Stelle auch noch die von einem Künstler gestaltete Ziegenfigur aufgestellt werden.

Volker Lange vom Umwelt- und Gartenamt will aufgrund der HNA-Anfrage jetzt noch einmal nachdenken, ob es nicht doch noch eine Idee gibt, den Platz auch für alte, kranke und behinderte Menschen zugänglich zu machen.

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