Gericht schickt verhaltensgestörten Serientäter für mehr als fünf Jahre ins Gefängnis

Hohe Strafe für Busengrapscher

Kassel. Kaum ist der letzte Satz der Urteilsbegründung verhallt, da verkündet der Angeklagte bereits: „Ich nehme das Urteil an!“ Doch sein Verteidiger bremst ihn unsanft: „Halten Sie den Mund“, sagt Rechtsanwalt Peter Gros. „Wir besprechen das später.“

Sein Mandant soll, so hat es das Amtsgericht nach fast neunmonatigen Verhandlungen am Dienstag verkündet, für stolze fünf Jahre und drei Monate hinter Gitter.

Und das wegen etwas, was Richterin Manuela Focke selbst „Bagatelltaten“ nennt. Die allerdings pflegt der 50-Jährige in Serie zu begehen, seit Jahren und unbelehrbar. Der Mann, dem ein psychiatrischer Gutachter eine „organische Persönlichkeitsstörung“ und eine „manische Störung“ bescheinigt hat, tut, worauf immer er gerade Lust hat, und schert sich um keine Vorschriften.

Er taucht in Läden auf, in denen er Hausverbot hat, und spielt Katz und Maus mit dem Sicherheitspersonal. Er fährt schwarz im ICE. Er klaut, was ihm in den Sinn kommt – ob Spendendosen von Ladentheken, Anti-Falten-Cremes aus der Apotheke oder auch, ganz besonders frech, das Portemonnaie einer Justizwachtmeisterin aus dem Landgericht.

Und er macht wildfremden Frauen „unangemessene sexuelle Avancen“, wie Richterin Focke es ausdrückt. Das heißt: Er fasst Passantinnen oder Verkäuferinnen an die Brüste, manchmal auch unters T-Shirt, oder umklammert sie von hinten. Einfach so, in aller Öffentlichkeit. Einige von ihnen, sagt Focke, würden bis heute darunter leiden. Und eine habe wegen der Nachstellungen des Angeklagten sogar ihren Job in einer Bäckerei aufgegeben.

Nicht weniger als 28 Anklagen mit 54 Tatvorwürfen hatten sich gegen den 50-Jährigen angesammelt. Wegen 45 dieser Taten wurde er jetzt auch verurteilt. Das juristische Potpourri reicht von Hausfriedensbruch über Diebstahl und Beleidigung bis zu sexueller Nötigung (in minderschwerer Form jedoch). Bei der Entscheidung war zudem eine sechsmonatige Bewährungsstrafe zu berücksichtigen, die der Mann im März 2008 kassiert hatte – wegen ähnlicher Vorwürfe, versteht sich.

Für alles, was vor diesem alten Urteil geschehen ist, verhängte das Schöffengericht eine Gesamtstrafe von zweieinhalb Jahren. Für alles, was danach kam, hielt es weitere zwei Jahre und neun Monate für angemessen – Gefängnis, nicht Psychiatrie. „Wir sagen: keine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus“, erklärte die Vorsitzende Richterin. Eine derart harte Sanktion wäre nicht verhältnismäßig: „Die Gefahr künftiger Bagatelltaten reicht dafür nicht aus – selbst wenn sie serienweise begangen werden.“

Verteidiger Gros sieht das anders und will seinen Mandanten überzeugen, Berufung einzulegen. Auch wenn das mühsame Verfahren dann vor dem Landgericht von vorn aufgerollt werden muss. (jft)

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