Der Kasseler Ehrenbürger und ehemalige hessische Ministerpräsident starb im Jahr 2006

Kasseler Ehrenbürger Holger Börner würde heute 80

Händedruck vom Kanzler: Gerhard Schröder (rechts) gratulierte zum 70. Links ist Börners Ehefrau Carola zu sehen. Foto:  Koch

Kassel. Vom Bauarbeiter zum hessischen Ministerpräsidenten. Wäre so eine politische Karriere heute noch möglich? Wohl kaum. Holger Börner, Kasseler SPD-Urgestein, Ehrenbürger und ehemaliger Landesvater, würde heute 80 Jahre alt.

Der Mann, der vor viereinhalb Jahren starb, war eine überragende Persönlichkeit - und das nicht nur wegen seiner Körpergröße. Holger Börner wollte eigentlich Journalist werden, doch daraus wurde nichts. Sein Vater starb im Krieg, der Halbwaise musste erst einmal Geld verdienen. 1947 verlässt er die Mittelschule und fängt auf dem Bau an. Er wird Hilfspolier bei der Kasseler Firma Hermanns und beginnt gleichzeitig seine politische Laufbahn. Seinem SPD-Ortsverein Wolfsanger bleibt er bis zum Schluss treu. Holger Börner habe nie seine Herkunft vergessen, sagen Weggefährten später.

Vertrauter Willy Brandts

Die politische Karriere von Holger Börner verläuft rasant. Schnell wird er Stadtverordneter und 1957 jüngster Bundestagsabgeordneter. Er erlebt Konrad Adenauer als Kanzler, wird in der großen Koalition Staatssekretär im Verkehrsministerium. Als Bundesgeschäftsführer der SPD ist er einer der engsten Vertrauten von Bundeskanzler Willy Brandt, den er später als väterlichen Freund bezeichnete.

Auf der Königsstraße im Jahr 1972: Der damalige Staatssekretär Börner mit Bundeskanzler Helmut Schmidt und Ehefrau Loki. Foto:  privat/nh

Am 12. Oktober 1976 wird Holger Börner zum hessischen Ministerpräsidenten gewählt. Neun Jahre später steht er der ersten rot-grünen Koalition auf Landesebene vor. Die Vereidigung von Umweltminister Joschka Fischer, der bei der Zeremonie Turnschuhe trug, ist bis heute in Erinnerung geblieben. Ebenso berühmt der Börner zugeschriebene Ausspruch: „Früher auf dem Bau hätte man so etwas mit der Dachlatte erledigt“ im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die Startbahn 18 West. Börner hat das noch kurz vor seinem Tod dementiert. Der Satz sei so nie gefallen.

Zur Trauerfeier für den Kasseler Ehrenbürger in der Stadthalle im August 2006 kamen 1000 Menschen. Viele politische Weggefährten waren dabei, darunter auch Joschka Fischer. Holger Börner hinterließ seine Frau Carola, drei Kinder und sechs Enkelkinder. An seinem Grab auf dem Friedhof von Wolfsanger wird heute um 14 Uhr ein Kranz niedergelegt. Dazu laden der Vorstand der Friedrich-Ebert-Stiftung, deren Vorsitzender Börner lange war, und die Stadt ein.

Mehr über Holger Börner unter www.hna.de/wiki

Von Thomas Siemon

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