Die Tram quietscht beim Wenden

Holländische Straße in Kassel: Anwohner ärgern sich über lärmende Straßenbahnen

Kassel. Wenn der Geräuschpegel durch den Autoverkehr auf der Holländischen Straße zur Nebensache wird, dann muss einiges passieren.

„Dieser Krach ist dumpf und gleichmäßig, daran haben wir uns gewöhnt. Aber an das laute Quietschen der Straßenbahnen nicht“, sagt Anwohner Reiner Oetzel.

27 Unterschriften hat er von den Anwohnern in der direkten Umgebung gesammelt. Anwohner, die das Quietschen von Straßenbahn und RegioTram an der Holländischen Straße nicht mehr aushalten. Beim Einfahren in die Wendeanlage und beim Hinausfahren sei das Geräusch zu hören, berichten Oetzel, Andrea Pätzold und weitere Anwohner. Wie laut das Geräusch sei, hänge von der Witterung ab.

„Bei Trockenheit ist es am schlimmsten“, erklären sie. Wenn der Wind dann entsprechend wehe, trage er den Schall über den Töniesweg und die rund 500 Meter entfernte Rohrwiesenstraße. „Ich habe nachts das Fenster offen – an Schlaf ist dann früh morgens nicht mehr zu denken“ sagt Oetzel. Für Andrea Pätzold ist ihr Garten ein Wohlfühlbereich. „Aber das schrille Quietschen verdirbt mir die Zeit im Garten“, sagt sie.

Den Kontakt zur Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) haben sie schon gesucht. Im Sommer hat Andrea Pätzold mehrmals angerufen, dort sei sie immer wieder vertröstet worden. Reiner Oetzel nahm im Herbst schriftlich Kontakt zur Verkehrsgesellschaft auf – ebenfalls erfolglos. „Der Briefverkehr hat sich ohne Ergebnis hingezogen. Ich habe keinen direkten Ansprechpartner und falsche Antworten auf bereits eingegangene Briefe bekommen“, so Oetzel.

Auch im Ortsbeirat wurde der Fall besprochen. Ron-Hendrik Peesel (SPD) bekam auf Anfrage von der KVG die Information, dass die Schmieranlage an der Holländischen Straße nicht richtig funktioniere. Bis Jahresende wolle man Abhilfe leisten, heißt es in einem Schreiben aus dem Herbst 2016. „Diese Frist wollten wir abwarten“, sagt Peesel.

Die Reparatur sei erfolgt, sagt Heidi Hamdad, Pressesprecherin der KVG. „Wir haben die Anlage im Herbst repariert und zusätzliche Schmierkanäle eingebunden, damit mehr Schienenfläche geschmiert werden kann.“ Zudem habe sich die KVG am Donnerstag nach Anfrage der HNA von der Funktionstüchtigkeit überzeugt. Damit komme die KVG nun an eine Grenze: „Aus Sicherheitsgründen können wir die Gleise nicht noch mehr einfetten, weil die Bremswirkungen der Bahnen dann eingeschränkt werden“, so Hamdad weiter.

Reiner Oetzel zeigt sich verwundert. „Wir hören den Lärm bei entsprechender Witterung ja noch.“ Im Ortsbeirat wolle man die Thematik noch mal auf die Tagesordnung setzten, sagt Peesel. „Für die Anwohner ist die Situation ja noch nicht zufriedenstellend.“ Reiner Oetzel gibt sich kämpferisch: „Wir bleiben dran.“

Hintergrund: Darum quietscht die Straßenbahn

„Die Tram quietscht, weil in einer Kurve der Weg des inneren und des äußeren Rades nicht gleich lang ist“, erklärt die KVG. Da reibe Stahl auf Stahl. Abhilfe soll die Gleisschmieranlage leisten. Herannahende Trams senden Impulse aus und setzen damit die Anlage in Gang. Diese drückt das Schmiermittel durch kleine Löcher auf die Schiene und mindert so das Kurvengeräusch. Aber: „Wenn es sehr warm oder sehr kalt ist, kann es sein, dass der Schmierfilm nicht seine volle Wirkung entfaltet“, sagt die KVG-Pressesprecherin. Deshalb sei der Lärm etwa bei Nieselregen und milden Temperaturen geringer.

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