Zweieinhalb Jahre Haft für Melsunger

Angeklagter drohte mit Spritze: Haftstrafe

Kassel. Lebhaft wurde der Angeklagte erst, als das Urteil über ihn bereits gesprochen war: Zweieinhalb Jahre Haft wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung im minder schweren Fall verhängte das Kasseler Amtsgericht am Mittwoch. „Das war ich aber nicht“, rief der 31-jährige Melsunger in die Urteilsbegründung hinein.

Nach Überzeugung des Richters und der Schöffen hingegen gab es „nicht den Hauch eines Zweifels“, dass der Melsunger der Mann war, der in den frühen Morgenstunden des 22. Mai 2013 in einer Unterführung am Holländischen Platz in Kassel einen Studenten von hinten festgehalten und dann nach einem ersten Handgemenge eine Spritze gezeigt und gedroht hatte, der junge Mann bekomme ein Hepatitis-Problem, wenn er nicht 20 Euro herausgebe.

Nicht nur habe der Student den Angeklagten in der Verhandlung klar als den Täter wiedererkannt. Auch hätten DNA-Funde auf der Spritze und an Blutspuren am Tatort den Angeklagten überführt, so der Richter. „Spritzen liegen überall von mir in Kassel“, rief der Melsunger dazwischen. In der Verhandlung hatte er dem Gericht erklärt, er konsumiere neben Wodka alle Drogen auf dem Markt: „Heroin, Kokain, LSD, Meskalin - alles.“ 500 Euro am Tag gingen dafür drauf.

Diese Summe hielt das Gericht für übertrieben. Es ging aber davon aus, dass der Melsunger am fraglichen Morgen Geld für das nächste „Briefchen“ Heroin benötigt und deshalb den Studenten in die Unterführung verfolgt habe. Allerdings habe er dabei das Pech gehabt, dass er sich einen kräftigen Hobbyboxer aussuchte.

Doch selbst der trainierte Student hatte nach eigener Aussage heftige Gegenwehr leisten müssen: Erst nach etlichen Schlägen, einer Kopfnuss und einem Tritt wurde er den Angreifer los - aber längst nicht die Sorgen. Weil er selbst blutete und annahm, dass auch der Täter verletzt war, ließ der Kasseler sich auf Infektionen testen. „Am Ende war ich froh, dass ich kerngesund bin“, konnte der Zeuge jetzt verkünden.

Dem vielfach wegen Diebstahls, aber auch wegen Körperverletzung vorbestraften Melsunger könne nur noch eine längere Haft klarmachen, dass sein Tun sich ändern müsse, konstatierte der Richter gestern. Das habe der 31-Jährige gerade während der Urteilsbegründung noch einmal bewiesen.

Kurz zuvor hatte der Jurist versucht, dem Angeklagten mit einem Vergleich klarzumachen, auf welch gefährlichen Pfad er sich begeben habe: Hätte er sich eine solche Tat in bestimmten Gegenden der USA geleistet, würde der Melsunger vermutlich im Leichenschauhaus liegen, spekulierte der Richter - weil das Opfer eine Schusswaffe gezückt hätte. Kommentar des Angeklagten: „Da bin ich mit dem Messer schneller als er.“

Härteausgleich beim Strafmaß

Im Strafmaß von zweieinhalb Jahren Haft ist ein Härteausgleich enthalten: Denn eine frühere Strafe, die das Kasseler Amtsgericht jetzt theoretisch in eine neue Gesamtstrafe hätte einbeziehen müssen, hat der Angeklagte schon voll verbüßt. Da die Dauer einer Gesamtstrafe aber unter der Summe der Dauer der Einzelstrafen anzusetzen ist, aus der sie gebildet wird, zog das Gericht nun vom eigentlich anvisierten Strafmaß einige Monate ab und kam auf zweieinhalb Jahre. (kaj)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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