Feinstaub-Grenzwerte

Holz in 85.000 Öfen: Neue Vorgaben für private Feuerstätten

Holzfeuer im Kaminofen: Weil aus den Schornsteinen jede Menge gefährlicher Feinstaub qualmt, gelten seit Jahresanfang 2015 neue Fristen für die Feinstaub-Grenzwerte, die solche Öfen einhalten müssen. Foto: dpa

Kassel. Ein kuscheliges Kaminfeuer zu Hause macht kalte Tage erträglicher. Und Heizkosten spart der Holzofen auch noch. Deshalb wird wieder mehr Holz verbrannt.

Die Kehrseite: In manchen Straßenzügen liegt Holzbrandgeruch wie im Mittelalter in der Luft. Nachbarn können kein Fenster mehr öffnen. Und jede Menge gefährlicher Feinstaub wird zusätzlich durch Schornsteine in die Luft geblasen.

In Städten wie Kassel stehen inzwischen in jedem dritten bis vierten der rund 106 500 Haushalte Kamin- oder Kachelöfen. In der Stadt geht es also um etwa 30.000 kleine Feuerungsanlagen. Im Landkreis Kassel brennen in den rund 113.000 Haushalten etwa 55.000 Öfen und Kamine. „Auf dem Dorf hat jeder zweite Haushalt einen holzbeheizten Ofen“, sagt Michael Maurer, Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Kassel. Die Ofen-Zahlen werden von der Innung derzeit bei den 170 Mitgliedsbetrieben zusammengetragen. Maurer geht davon aus, dass bis Ende Februar die exakten Zahlen zu den kleinen Feuerungsanlagen vorliegen. Bundesweit gebe es etwa 14 Millionen Holzöfen.

Weil wegen gestiegener Öl- und Gaspreise in Kaminöfen, Kachelöfen, Herden und offenen Kaminen wieder mehr Holz verbrannt wird, sorgen sich Umwelt- und Gesundheitsexperten.

Holzöfen produzieren nur vier Prozent der Heizungswärme, blasen aber 90 Prozent des Feinstaubs aus allen Gebäudeheizungen in die Luft, macht Holger Henke das Problem deutlich. Der Sachgebietsleiter Luftreinhaltung im städtischen Umwelt- und Gartenamt sieht der Stadt aber die Hände gebunden: „Es gibt keine rechtliche Möglichkeit, das Heizen mit Holz zu verbieten.“ Deshalb müsse man darauf vertrauen, dass die seit Anfang dieses Jahres geltenden, schärferen Feinstaubgrenzwerte greifen und diese von den Schornsteinfegern kontrolliert und durchgesetzt würden. Ältere Öfen müssen mit Rußfiltern nachgerüstet oder stillgelegt werden, wenn sie den Feinstaub-Grenzwert von 150 Milligramm pro Kubikmeter Verbrennungsabgase nicht einhalten.

Ausnahmen gibt es für Herd- oder Badeöfen für den notwendigen Bedarf, wenn also nicht mit anderen Energiequellen gekocht oder Wasser erwärmt werden kann sowie für Heizöfen, wenn Wohnräume nicht anders beheizt werden können, und zudem für wertvolle historische Öfen, die vor 1950 hergestellt oder errichtet wurden.

Weniger Feinstaub ist das Ziel

Man glaubt es kaum, was manche in ihren Öfen verfeuern“, sagt Michael Maurer. Reste von verbotenem lackierten Holz hat der Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Kassel schon in Öfen gefunden. „Natürlich gehört da auch kein Tetrapack rein.“ Solcher Verpackungsmüll gehöre in den gelben Sack. Wer alte Milch- oder Safttüten in den Ofen feuert und erwischt wird, für den kann es teuer werden. Bis zu 5000 Euro Bußgeld können fällig werden. „Für Abfälle haben wir eine Müllverbrennungsanlage in Kassel“, stellt der Schornsteinfeger-Meister klar. Dort werden die Verbrennungs-Abgase speziell gereinigt. Einen Feinstaub-Filter brauchen jetzt auch alte Kamin- oder Kachelöfen in privaten Haushalten, wenn sie den Grenzwert nicht einhalten. Das Gerät ist gar kein Filter, sondern lädt die winzigen Feinstaub-Teilchen im Rauch elektrisch auf. Der Feinstaub setzt sich dann im Ofenrohr oder Schornstein ab. Deshalb muss der Kaminkehrer öfter tätig werden, was zusätzliche Kosten verursacht. Eine Nachrüstung mit einem Feinstaub-Filter, der 1200 Euro kostet, lohne sich deshalb nur in Ausnahmefällen, rät Maurer. Etwa bei teuren Kachelöfen oder Kamineinsätzen. Ansonsten sei es gescheiter, einen alten Kaminofen gegen ein neues Modell auszutauschen, der den Feinstaub-Grenzwert einhält. Schon heute gebe es im Bestand der Einzelraumfeuerstätten geschätzte 15 bis 20 Prozent moderne Öfen, „die den Grenzwert zum Teil wesentlich unterschreiten“, sagt Maurer. Auch manche ältere Öfen halten den Feinstaub-Grenzwert bereits ein und müssen dann weder nachgerüstet noch ausgetauscht werden. Ob das für den eigenen Ofen gilt, kann man beim Schornsteinfeger erfragen oder in den Datenbanken des Industrieverbandes Haus-, Heiz und Küchentechnik (HKI) recherchieren (www.hki-online.de). Der gemeinnützige Verein ergänzt die Datenbanken zu Ofenherstellern und Ofentypen laufend.

Die Fristen

Bei Kamin- und Kachelöfen, die bis Jahresende 1974 aufgestellt wurden, lief die Frist bis Ende 2014. Wird der Grenzwert von 150 Milligramm Feinstaub pro Kubikmeter Abgas nicht eingehalten, darf der Ofen nicht mehr genutzt werden. Für Öfen, die zwischen 1975 und 1984 gebaut wurden, bleibt Zeit bis Ende 2017. Kamin-und Kachelöfen, die zwischen 1985 und 1994 aufgestellt wurden, dürfen bis Ende 2020 betrieben werden. Öfen, die ab 1995 gebaut wurden, müssen bis Ende 2024 nachgerüstet oder ausgetauscht werden.

Von Jörg Steinbach

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.