Interview mit Sven Kistner

Homosexualität im Fußball: Darum äußert sich kaum ein Spieler über seine Orientierung

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Kassel. Homosexualität gibt es überall- auch im Fußball. Wir haben mit Sven Kistner vom Sprecherrat des Queer Football Fanclubs (QFF) gesprochen.

Sven Kistner vom Sprecherrat des Queer Football Fanclubs (QFF), einem Netzwerk schwul-lesbischer Fanclubs in Europa, moderiert am Mittwoch, 17. April, im Anschluss an die Vorführung des Films „Mario“ im Kleinen Bali-Kino eine Diskussion über Homosexualität im Fußball. Wir unterhielten uns mit dem Fußballexperten aus Spangenberg, der heute in der Schweiz lebt.

Herr Kistner, wie gefällt Ihnen der Film Mario, der von zwei Fußballern handelt, die Gefühle füreinander entwickeln?

Er gefällt mir sehr gut. Ich habe ihn neun Mal im Kino gesehen und habe ihn auch auf DVD. Er bildet ziemlich realistisch die Situation und die Schwierigkeiten ab, die ein Fußballspieler hat, wenn Gefühle ins Spiel kommen. Das ist alles sehr gut dargestellt.

In unserer Gesellschaft äußern sich nicht nur Schauspieler, sondern auch Politiker, Wissenschaftler offen zu ihrer sexuellen Orientierung. Warum ist das im Sport, vor allem im Fußball, noch ein Problem?

Es gibt verschiedene Gründe. Der Hauptgrund ist, dass gerade im Männer-Profifußballgeschäft extrem viel Geld im Spiel ist. Das führt dazu, dass man sich vorsichtiger zu vielen Themen äußert. Auch politische Ansichten werden so gut wie nie geäußert.

Dass es wenige offen schwule Fußball-Spieler gibt, heißt ja nicht, dass es sie real nicht gibt.

Ich denke, dass sich die Zahl der Homosexuellen auf dem Fußballfeld am Anteil in der Gesellschaft orientiert. Aber das ist spekulativ.

Man geht von zehn Prozent aus?

Sven Kistner Sprecherrat Queer Football Fanclub (QFF) 

Zwischen fünf und zehn Prozent. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass das System Fußball dafür sorgt, dass es nicht ganz so viele sind. Viele Homosexuelle haben keine Lust, sich zu verstellen und leben ihr Leben lieber so, wie sie es möchten.

Wo ist der Haken?

Der Profifußball und der Eishockeysport verkörpern extrem das Bild vom starken weißen Mann. Vielleicht ist dieser Druck zu hoch für einen homosexuellen Spieler und er entscheidet sich dafür: In dem Rad möchte ich nicht mehr mitlaufen.

Wie sieht es bei den Fans aus? Gibt es da eine Veränderung im Denken?

Ja, ich denke schon. Seit rund zehn Jahren, seitdem es uns, die schwul-lesbischen Fanclubs gibt, hat sich viel verändert. In den allermeisten Fanszenen ist es kein Problem, wenn es zu Coming-outs von Spielern kommt. Es ist weniger problematisch, als viele vermuten.

Film-Vorführung im Bali-Kino

Queerfilm Kassel lädt mit den Bali-Kinos zur Vorführung des Fußball-Dramas „Mario“ von Marcel Gisler mit Diskussion ein. Der Film ist am Mittwoch, 17. April,  ab 18.30 Uhr im Kleinen Bali im Kulturbahnhof zu sehen. Eintritt 7,50 Euro. Eine Diskussion zum Thema „Homosexualität im Sport“ findet danach im Südflügel des Kuba statt. Der Film erzählt die Geschichte zweier Fußballspieler, die in der gleichen Mannschaft spielen, Gefühle füreinander entwickeln und welche Probleme daraus entstehen.

Nach der Filmvorführung gibt es ab 21 Uhr im Südflügel die Podiumsdiskussion. Gäste sind: Joris Gratwohl (im Film der Trainer), Vanessa Gronemann (Grünen-Landtagsabgeordnete und Kickerin bei Dynamo Windrad) sowie Gregory Dauber, Fanbeauftragter des KSV Hessen Kassel. Es moderiert Sven Kistner, QFF. Eintritt ist frei, jeder kann daran teilnehmen.

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