Polizei: Keine festen rechtsextremistischen Strukturen

Hooligans haben wieder Zulauf - Ein Blick auf die Kasseler Szene

Kassel. Unter den 4800 Hooligans und Neonazis, die am vergangenen Sonntag für Krawalle in Köln gesorgt haben, waren auch Demonstranten aus Hessen. Das bestätigte Marco Krause, Sprecher des hessischen Innenministeriums, auf Anfrage der HNA. Offizieller Anlass war der Protest gegen radikal-islamische Salafisten.

Allerdings waren auch ausländerfeindliche Parolen zu hören. Ob die Kasseler Hooligan-Szene in Köln mitgemischt hat, dazu konnte sich das Ministerium bislang nicht äußern. „Derzeit erfolgt eine Auswertung aller vorliegenden Informationen, besonders zu Motivlagen für die Teilnahme, Szenezugehörigkeiten und Beteiligungen“, sagt Krause.

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Hooligans aus Kassel standen bundesweit immer in dem Ruf, besonders gewaltbereit zu sein. Dieser Ruf stamme aus den 80er und 90er-Jahren und treffe aus der Sicht der szenekundigen Beamten heute nicht mehr zu, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. In Kassel gebe es allerdings einen „festen Stamm problematischer Fußballanhänger“ im Umfeld des KSV Hessen Kassel. „Nicht alle sind bei jedem Spiel dabei, und auch nicht jeder problematische Fan ist bei jedem Spiel auffällig“, sagt Jungnitsch.

Dennis Pfeiffer, Fan-Sozialarbeiter beim KSV Hessen Kassel, schätzt die Zahl der Kasseler Hooligans derzeit auf 20 bis 25 Personen. Darunter seien viele, die bereits über 40 Jahre alt sind. Aber es gebe mittlerweile auch wieder Nachwuchs in der Szene. Vertreten seien alle sozialen Schichten und Bildungsschichten, auch Familienväter. „Die Kasseler Hooligans haben in Deutschland in der Szene einen Namen“, sagt Pfeiffer. Das heißt, dass sie nicht gerade für ihre Zurückhaltung bekannt sind.

Wolfgang Jungnitsch

Vielleicht habe man zu früh die Hoffnung gehabt, dass sich die Hooligan-Szene in Deutschland ausdünne. „Es scheint mittlerweile so, als ob die Fankultur der Hooligans wieder aufblüht“, sagt Pfeiffer. Er habe mit Fanprojekten der Regionalliga Südwest gesprochen und dort habe man die selben Beobachtungen gemacht.

Die Verbindungen der Hooligans zu den Ultras seien eher locker. „Man kennt und duldet sich gegenseitig im Stadion“, sagt Pfeiffer. Laut Polizei ist allerdings zu beobachten, dass ein Teil der Ultras auch Kontakte zur Kasseler Hooligan-Szene unterhält und mit diesen auch gemeinsam bei Brisanzspielen auftritt.

Fan-Sozialarbeiter Pfeiffer will nicht ausschließen, dass Kasseler Hooligans an der Demonstration in Köln teilgenommen haben. Pfeiffer vertritt allerdings die Ansicht, dass „die Kasseler Hooligan-Szene weitestgehend unpolitisch ist und niemand Angst haben muss, ins Auestadion zu gehen“. Dort passiere nichts und Übergriffe auf Nicht-Hooligans würden im Prinzip nicht stattfinden.

Feste rechtsorientierte beziehungsweise rechtsextremistische Strukturen in der Problem-Fanszene seien auch der Polizei nicht bekannt, sagt Jungnitsch.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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