Bernd Hoppe erneut wegen Untreue vor Gericht

Kasseler Politiker droht Gefängnisstrafe

Soll erneut Geld von seinen Mandanten für sich behalten haben: Bernd Hoppe (rechts) mit seinem Verteidiger Marcus Mauermann im Landgericht.
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Soll erneut Geld von seinen Mandanten für sich behalten haben: Bernd Hoppe (rechts) mit seinem Verteidiger Marcus Mauermann im Landgericht.

Der Kasseler Kommunalpolitiker Bernd Hoppe steht erneut vor Gericht. Diesmal droht ihm wegen Untreue eine Gefängnisstrafe.

Kassel – Fast drei Jahre nach seiner Verurteilung muss sich der Kasseler Rechtsanwalt und Kommunalpolitiker Bernd Hoppe seit Freitag wieder vor dem Landgericht verantworten. Erneut wird dem Juristen vorgeworfen, Geld mehrerer Mandanten veruntreut zu haben. Als Geschäftsführer seiner damaligen Fraktion Freie Wähler/Piraten im Stadtparlament soll er sich zudem 2016 etwa 4000 Euro zu Unrecht ausgezahlt haben.

Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft Steuerdelikte vor. Allein 2016 soll er etwa 25 000 Euro Umsatzsteuer hinterzogen haben. Im Januar 2018 war Hoppe wegen Untreue zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Zudem erhielt er ein Berufsverbot und die Auflage, für den entstandenen Schaden von 171 000 Euro zu zahlen.

Diesmal droht ihm tatsächlich eine Haftstrafe, wie gleich zu Beginn des Prozesses deutlich wurde. Sein Verteidiger Marcus Mauermann bat um ein Gespräch mit dem fünfköpfigen Gericht und Staatsanwalt Fabian Ruhnau unter Ausschluss der Öffentlichkeit, um zu erörtern, ob bei einem Geständnis erneut eine Bewährungsstrafe möglich sei. Dem erteilte der Vorsitzende Richter Matthias Besson eine vorläufige Absage. Vielmehr erscheine nach dem bisherigen Stand eine Strafe zwischen zwei Jahren und drei Monaten sowie zwei Jahren und neun Monaten denkbar.

Das würde bedeuten: Der Ex-Vorsitzende der Kasseler SPD und ehemalige Oberbürgermeisterkandidat, der heute als alleiniger Vertreter der von ihm gegründeten Gruppe „Rettet die Bienen“ im Stadtparlament sitzt, müsste ins Gefängnis.

Ob er sich umfassend einlässt, will sich der 60-Jährige bis zur nächsten Sitzung am Dienstag überlegen. Die Vorwürfe hinsichtlich seiner Tätigkeit als Fraktionsgeschäftsführer hatte er im Vorfeld bereits gegenüber der HNA bestritten. Am Freitag sagte er lediglich etwas zu den Steuervorwürfen gegen ihn.

Dabei redete Hoppe so leise, dass man ihn kaum verstand. Er gab zu, seine Steuererklärungen regelmäßig zu spät und für mehrere Jahre abgegeben zu haben – dies aber schon über Jahrzehnte. Damit habe es nie Probleme gegeben. Die Zahlen der Anklage nannte Hoppe „nicht nachvollziehbar“. Zudem versicherte er: „Ich habe das Steuerrecht nicht bis an die Grenzen ausgereizt.“ Die Steuerfahnderin habe sein Einkommen und die Umsatzsteuer zu hoch angesetzt. Deswegen klagte Hoppe vor dem Finanzgericht. Das Urteil dort steht noch aus.

Als Zeugen sagten zwei ehemalige Mandanten aus. Für einen 39-Jährigen aus Kassel sollte Hoppe nach einem Verkehrsunfall das Geschäft mit der gegnerischen Versicherung abwickeln. Statt der knapp 3500 Euro, die die Huk-Coburg Hoppe überwies, soll der Mandant jedoch nur etwa 500 Euro erhalten haben. Ein neues Auto habe er sich von seinem Ersparten kaufen müssen.

Noch größer war der Schaden für einen Beamten aus Paderborn, wo Hoppe ebenfalls eine Praxis führte. In einer Erbschaftsangelegenheit hätte der Mann von seiner Schwester 45 000 Euro bekommen sollen. „Es sind jedoch nur 2500 Euro gekommen, die er gleich mit seinen Kosten verrechnet hat“, sagte der 64-Jährige. Ein Polizist schilderte, wie Hoppe das Geld stattdessen in kleinen Summen auf seine vielen Bankkonten überwies, die größtenteils im Minus waren. Das Gesamt-Soll habe zwischenzeitlich bei 59 000 Euro gelegen.

Die Vorwürfe nahm Hoppe regungslos entgegen. In den Pausen der siebenstündigen Verhandlung schaute er gedankenverloren in den Raum. Einmal reagierte er jedoch mit Trotz. Zu Staatsanwalt Ruhnau sagte er: „Für Sie bin ich ein Betrüger. Alles, was ich sage, ist falsch.“ (Matthias Lohr)

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