„Die guten Zeiten sind jetzt“

Jubiläumsverkauf bei Hornschu - Kasseler Familienunternehmen ist 200 Jahre alt

Die Oberste Gasse um die Jahrhundertwende (zwischen 19. und 20. Jahrhundert) aus: Damals war Hornschu noch wesentlich kleiner.

Kassel. Das Familienunternehmen Hornschu in der Obersten Gasse feiert seinen 200. Geburtstag.

Nachdem die Kiepenfrauen auf dem Kasseler Königsplatz ihre Erzeugnisse aus der Landwirtschaft verkauft hatten, gingen sie mit ihren leeren Tragekörben zu „Hornschu“ in die Oberste Gasse. In einem Zimmer hatten dort im Jahr 1818 Anna Hornschu und ihre Schwägerin Mimi einen Handel mit Keramik, Steinzug und Porzellan begonnen. Die Marktfrauen hatten stets Bestellzettel von Familien aus ihrem Dorf dabei. Darauf stand, welche Schüsseln und anderes Geschirr sie aus der Stadt mitbringen sollten.

Auch wenn 200 Jahre später sich aus dem kleinen Porzellanhandel ein „Genuss-, Ideen- und Küchenhaus“ auf einer Fläche von 600 Quadratmeter entwickelt hat, so gibt es immer noch Parallelen zu den Anfängen. Immer noch kommen Menschen, die sich in der Kasseler Markthalle mit Leckereien eingedeckt haben, anschließend in die Oberste Gasse, um hier etwas Nützliches oder Schönes rund um das Thema Kochen zu kaufen.

Der Zweite Weltkrieg: Am 22. Oktober 1943 wurde auch das Porzellanhaus zerstört.

Gleichwohl es doch große Veränderungen in den vergangenen Jahren in dem Bereich Kochen und Küche gegeben hat. Das weiß auch Markus Hornschu (53), der als 18-Jähriger nach dem Tod des Vaters in den Betrieb eingestiegen ist. Das Familienunternehmen führte er viele Jahrzehnte gemeinsam mit Mutter Leni und Schwester Heidi Hornschu-Baumbach. Früher hätten die Kunden zum Beispiel darauf Wert gelegt, sich teures Porzellan und Silber anzuschaffen, das nur an Sonn- und Feiertagen aus dem Schrank geholt wurde. „Wenn sich die Menschen heute etwas gönnen, dann wollen sie es auch benutzen und jeden Tag Freude daran haben“, sagt Hornschu. Die Kunden lebten nach dem Motto „Die guten Zeiten sind jetzt“.

Wert auf Genuss

Früher sei teures Porzellan, auch „weißes Gold“ genannt, gekauft worden, um es an die nächste Generation zu vererben. Die meisten Erben haben aber einen anderen Geschmack als ihre Eltern und kaufen sich ihr Geschirr lieber selbst. Heute sei es den Menschen wichtiger, eine gut ausgestattete Küche als ein Gedeck für 24 Personen zu haben, sagt Hornschu. Es werde mehr Wert auf Genuss gelegt. Und auf Qualität. Besonders die Männer verlangten gutes Werkzeug. „Die wollen einen Kartoffelschäler, der funktioniert, und scharfe Messer.“

Freuen sich auf das Jubiläum: (von links) Korinna und Markus Hornschu, Schreiner Michael Burhenn, die Auszubildende Laura Krämer, die langjährige Mitarbeiterin Doris Rülke und Küchenmeister Volker Nahme. 

Dass der Laden heute immer noch in der Obersten Gasse anzutreffen ist, ist August und Leni Hornschu zu verdanken. Auch das Porzellanhaus war in der Bombennacht des 22. Oktober 1943 in Schutt und Asche gelegt worden. Nach dem Krieg fingen die Hornschus zunächst in der Elfbuchenstraße ganz von vorne an. Später entschlossen sie sich, zurück in die Altstadt zu gehen. Die Entscheidung seiner Eltern, den Laden in der Obersten Gasse, und nicht in der Königsstraße zu eröffnen, bezeichnet Markus Hornschu als richtig. Auch wenn das Geschäft dadurch am Rande der Innenstadt liege, habe das viele Vorteile. „Wir haben Parkplätze vor dem Haus. Bei uns können die Leute direkt vorfahren, wenn sie einen Grill kaufen wollen.“ Apropos Grills: Davon gibt es bei Hornschu zig Modelle: Kohle, Gas, Elektro. Und das in allen Preisklassen. Das erfordert natürlich auch Platz.

Mittlerweile verteilt sich das Geschäft auf die Häuser Oberste Gasse 3, 5 und 7. Die Erweiterung der Fläche wurde auch erforderlich, weil Hornschu 2004 eine Kochschule eröffnete. Seitdem haben 40 000 Menschen hier einen Kochkurs absolviert, sagt Hornschu. Neben zwei Köchen ist auch ein Schreiner in dem Familienunternehmen beschäftigt. Das liegt daran, dass 2007 auch noch ein Küchenhaus dazu kam. Außer moderne Küchen findet man hier auch angesagte Möbel.

Im Laden arbeiten viele Frauen, die hier gelernt haben. Viele sind in Teilzeit beschäftigt, wegen ihrer Kinder. Mitarbeiterin Doris Rülke ist seit 30 Jahren dabei, sagt Hornschu. Jüngste Mitarbeiterin ist Azubi Laura Krämer. Sie ist übrigens Europameisterin im Becherstapeln. Das passt zu einem Fachgeschäft mit tausenden von Küchenartikeln.

Am Samstag, 8. September, startet Hornschu (Oberste Gasse 3 - 7 und im Dez) einen Jubiläumsverkauf mit Angeboten.

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