Eigentümer schweigt zur Zukunft des denkmalgeschützten 50er-Jahre-Baus

Hotel Hessenland in Kassel seit Monaten geschlossen

Hotel ist seit Monaten verwaist: Das Hotel Hessenland wurde vergangenes Jahr im Zuge der Corona-Pandemie geschlossen und nicht wieder geöffnet.
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Hotel ist seit Monaten verwaist: Das Hotel Hessenland wurde vergangenes Jahr im Zuge der Corona-Pandemie geschlossen und nicht wieder geöffnet.

Ein Juwel der 50er-Jahre steht vor einer ungewissen Zukunft. Seit etwa einem Jahr ist das denkmalgeschützte Hotel Hessenland an der Oberen Königsstraße 2 geschlossen.

Kassel - Das Hotel gehört zur GCH-Gruppe mit Sitz in Berlin und wurde zuletzt unter deren Marke „Days Inn by Wyndham“ geführt. Auf HNA-Anfrage teilt die für die Region zuständige Wyndham-Managerin mit, dass noch unklar sei, wie es mit dem Hotelbetrieb weitergehe und ob das Haus wieder eröffnet wird.

Hoffnungen hatten zuletzt die Gespräche des Kasseler Unternehmers Udo Wendland mit der Hotelgruppe geweckt. Wendland, der mit weiteren Partnern vom Architekturbüro Sprengwerk auch das benachbarte Hugenottenhaus gekauft hatte, steht in Verhandlungen über einen Kauf des Hotels. Wendland teilte dazu auf HNA-Anfrage mit: „Die Zukunft des Hotels Hessenland ist weiterhin unklar.“ Schon der Ankauf des Hugenottenhauses, das ebenfalls der GCH-Gruppe gehört hatte, gestaltete sich seinerzeit langwierig.

Die Stadt Kassel würde sich wünschen, dass das Hotel auch künftig als solches genutzt wird. Aber auch andere Nutzungen seien vorstellbar.

Rückblick: Diese Aufnahme zeigt das Park-Hotel Hessenland, wie es vor etwa 40 Jahren ausgesehen hat.

Aus welchem Grund das Hotel geschlossen ist, wurde nicht bekannt. Die Wyndham-Managerin wollte sich dazu nicht äußern. Der Betrieb war zunächst im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie beendet worden – so steht es auch noch am Eingangsportal. Allerdings sind inzwischen die meisten Hotels wieder geöffnet – so auch das Wyndham Garden Kassel an der Heiligenröder Straße, das ebenfalls zur GCH-Gruppe gehört. Aus Gästekommentaren in Bewertungsportalen ist abzulesen, dass im Hotel Hessenland ein gewisser Investitionsbedarf besteht.

Die Geschichte des traditionsreichen Hauses reicht bis in die Nachkriegszeit zurück. Schon 1947, als der Bedarf an Hotels wieder wuchs, wird im Hugenottenhaus unter dem Namen „Hotel Hessenland“ ein provisorisches Hotel eingerichtet. Dieses wird als Familienbetrieb von Anna Scheibe und ihrem Schwiegersohn Henrich Meß geführt. Ab 1951 entsteht auf dem benachbarten Ruinen-Grundstück der Hotelneubau. Architekt ist Paul Bode, Bruder des Documenta-Begründers Arnold Bode.

1953 folgt die Eröffnung des „Park-Hotels Hessenland“ mit großem Pomp. Zeitweise zählt das Haus über 200 Betten. Unsere Zeitung hob seinerzeit hervor, dass es in jedem Zimmer fließendes Wasser und Klimaanlagen gibt. „Es war das erste international ausgerichtete Großhotel, das nach dem Krieg in der Innenstadt entstand“, sagt Historiker Christian Presche. Auch Bundespräsident Theodor Heuss stieg hier ab.

Herzstück des Gebäudes ist der Gesellschaftssaal für bis zu 800 Personen, der für Bälle, Feste und Tagungen genutzt wurde – aber schon lange verwaist ist. Bis 1979 gibt es einen Dachgarten, der Blicke bis nach Wilhelmshöhe ermöglichte. Der Garten weicht einer Aufstockung des Gebäudes.

Ende der 80er-Jahre sorgen Pläne, das benachbarte Hugenottenhaus für eine moderne Erweiterung des Hotels abzureißen, für Aufregung. Denkmalschützer laufen Sturm – mit Erfolg. Hinter den Abrissplänen steht der französische Accor-Konzern, der das Hotel von der Gründerfamilie übernommen hatte und dieses ab 1990 für 4,5 Millionen DM saniert. Es firmiert als „Mercure“-Hotel. Zur Jahrtausendwende folgt die Übernahme des Hotels durch GCH. (Bastian Ludwig)

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