Hotel statt Budenzeile: Volksbank plant Drei-Sterne-Haus an der Kurfürstenstraße in Kassel

Flachbauten zwischen Scheidemannplatz (hinten im Bild) und Kulturbahnhof
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Abriss soll demnächst beginnen: Die seit drei Jahren leer stehenden Flachbauten zwischen Scheidemannplatz (hinten im Bild) und Kulturbahnhof sind derzeit kein schöner Anblick.

Zwischen dem Kulturbahnhof und dem Scheidemannplatz soll Kassel im Laufe der nächsten beiden Jahre ein neues Innenstadthotel bekommen.

Kassel – Das teilt die Volksbank Kassel Göttingen mit. Sie ist Eigentümerin des Baugeländes und mit ihrer Kasseler Hauptstelle direkte Nachbarin des künftigen Hotels.

Wer es betreiben wird, ist nach Angaben von Banksprecher Peter Mühlhaus noch nicht entschieden. In den nächsten Tagen solle aber bereits der Abriss der ein- und zweigeschossigen Flachbauten an der Kurfürstenstraße vorbereitet werden. Die heruntergekommene Zeile steht bereits seit drei Jahren leer, zuvor waren dort ein Handyladen, ein Kiosk und ein Nagelstudio ansässig.

Bereits Anfang der 2000er-Jahre hatte die Kasseler Bank, wie sie damals noch hieß, die Gebäude erworben, um Raum für eine Erweiterung ihrer Zentrale zu haben. Diese Pläne hatten sich überholt, nachdem das Geldinstitut 2017 mit der Volksbank Göttingen fusionierte und in der Folge zehn Millionen Euro in die Modernisierung der dortigen Hauptstelle steckte.

So kommt auf dem Grundstück an der Kurfürstenstraße nun zum Tragen, was schon länger als Gerücht gehandelt wurde: Bis 2023 soll dort ein Hotel entstehen, und zwar im Drei-Sterne-Segment. Eine Standortanalyse habe ergeben, dass Kassel in diesem Bereich eine Angebotslücke aufweist, heißt es von der Volksbank. Diese Lücke solle auch in stadtgestalterischer Hinsicht mit einem „hochwertigen Erscheinungsbild“ geschlossen werden.

Genaueres dazu steht laut Banksprecher Mühlhaus allerdings noch nicht fest, weil die Planungen mit dem künftigen Betreiber abgestimmt würden. „Den Hotelbetrieb werden wir einem erfahrenen Hotelier überlassen“, sagte Volksbank-Vorstandsmitglied Volker Stern. Trotz der zurzeit schwierigen Corona-Lage hätten gleich mehrere Betreiber bekannter Hotelmarken Angebote unterbreitet. Derzeit liefen die Gespräche. Die Immobilie selbst soll im Eigentum der Bank bleiben und so geplant werden, dass die Volksbank mehrere Projekt- und Konferenzräume in dem Gebäude nutzen kann.

Ab dieser Woche beginnen die ersten vorbereitenden Maßnahmen mit der Beschilderung, ab Anfang Februar werde die Baustelle eingezäunt, sagte Mühlhaus. Dann würden die Abrissarbeiten kurzfristig beginnen. Das werde größtenteils von der rückwärtigen Parkplatzfläche aus erledigt, für Fußgänger werde der Bereich an der Kurfürstenstraße weiterhin passierbar sein.

Im Lauf des Jahres 2023 soll das neue Hotel fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Eine Investitionssumme nennt die Volksbank derzeit noch nicht. Vorstandsvorsitzender Wolfgang Osse stellt jedenfalls „einen städtebaulichen Beitrag zur Weiterentwicklung des Quartiers rund um den Ständeplatz“ in Aussicht: „Wir sind davon überzeugt, dass das Areal damit weiter aufgewertet wird.“

Zweites Leben für die Ekstase-Bar

Vor den Abrissarbeiten an der Kurfürstenstraße ist ein Stück Kasseler Zeitgeschichte in Sicherheit gebracht worden: Von der legendären Rotlichtkneipe „Ekstase-Bar“, die sich bis in die 1990er-Jahre im Obergeschoss des roten Flachbaus befand, sollen Teile des schwülstigen Interieurs nach HNA-Informationen zu musealen Ehren kommen.

Nachdem das Etablissement der „Roten Erika“, einer stadtbekannten mütterlichen Rotlichtgröße, aufgegeben wurde, hatte später das Tanzstudio Labor Ost die Räumlichkeiten für Tanz- und Theaterproduktionen genutzt. Als Ende 2017 dann alle Mietverträge für die marode Gebäudezeile gekündigt wurden, hatte sich bereits das Kasseler Stadtmuseum einige prägnante Stücke der Inneneinrichtung gesichert – darunter der Bar-Schriftzug über dem Hauseingang sowie ein großer Spiegel.

In der Folgezeit hat auch die Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) zugegriffen und weitere Elemente der legendären Bar vor dem Sperrmüll-Schicksal bewahrt, wie MHK-Sprecherin Lena Pralle auf HNA-Anfrage bestätigt: „Wir haben 2019 einige Teile der Ausstattung angekauft und ins Depot genommen.“ Die Möbelstücke seien in keinem guten Zustand gewesen.

Das könnte sich aber in einiger Zeit ändern: Die MHK hat laut Pralle das Ekstase-Mobiliar mit der Idee übernommen, es für die Ausstattung der südlichen Torwache am Brüder-Grimm-Platz zu verwenden – das ist jenes der beiden Säulengebäude, das auf der Seite des Hessischen Landesmuseums liegt.

Wenn später einmal mit dem Tapetenmuseum direkt gegenüber ein weiterer MHK-Standort geschaffen wird, sei die Überlegung, in der südlichen Torwache eine Museumsgastronomie für diesen Bereich einzurichten, erläutert Pralle. Bislang gebe es dafür allerdings noch keine näheren Planungen.

Die Ekstase-Bar könnte somit eventuell wieder zu Ehren kommen – wenn auch mit anderem gastronomischem Programm als in den Jahrzehnten zuvor. (Axel Schwarz)

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