Vernetzung Wirtschaft, Wissenschaft und Politik

House of Energy in Kassel setzt Impulse für Energiewende

Prof. Peter Birkner, Geschäftsführer des House of Energy in Kassel
+
Will die Energiewende vorantreiben: Prof. Peter Birkner ist Geschäftsführer des House of Energy. Die sogenannte Denkfabrik vernetzt seit fünf Jahren Firmen, Forschungseinrichtungen und Politik.

Seit fünf Jahren betreibt das House of Energy (HoE) in Kassel Netzwerkarbeit, um die Energiewende durch Impulse für und aus Hessen voranzutreiben. Doch was bedeutet das genau? Woran wird in der sogenannten Denkfabrik gearbeitet?

Kassel – „Unsere Hauptaufgabe ist es, gemeinsam mit der Wirtschaft Handlungsfelder zu identifizieren, die wichtig sind für Unternehmen, die mit Energie zu tun haben, und für die es im Sinne eines Geschäftsmodells noch keine Lösung gibt“, sagt HoE-Geschäftsführer Prof. Peter Birkner. Ein Unternehmen brauche beispielsweise eine Lösung, um seine CO2-Emissionen zu senken. Diese Lösung gebe es aber nicht von der Stange. „Da schauen wir, welche anderen Unternehmen, Kompetenzen und Forschungseinrichtungen wir brauchen, um eine Lösung zu finden, die vermarktbar ist“, erläutert der Elektroingenieur.

Dabei forscht des HoE nicht selbst. „Wir wirken vielmehr als Katalysator, der seine Mittel beispielsweise für Marketing einsetzen kann. Das entlastet unsere Projektpartner. Wir unterstützen sie mit koordinierender Netzwerkarbeit und bündeln das Wissen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.“

Uni Kassel leitet Forschungsprojekt

Eines der Projekte, die das House of Energy mit Partnern initiiert hat, ist das E-Mobility Lab, ein Reallabor für Elektromobilität. Unter Leitung der Uni Kassel erforschen die Unternehmen Plug’n Charge, Flavia IT und Opel am Stammsitz des Autobauers in Rüsselsheim die Anforderungen an eine elektromobile Ladeinfrastruktur. An 160 Ladepunkten werden Technik, Benutzerfreundlichkeit und IT-Systeme getestet. Ziel ist es, Informationen über das Ladeverhalten und die Anforderungen an den Netzausbau zu erhalten. „Wir versuchen, allgemeine Muster abzuleiten, wie das Tanken der Zukunft aussieht“, sagt Birkner. „Ziel ist es, das System Energiewende zu verstehen, die Bedarfe zu identifizieren und konkrete Lösungen mit Wirtschaft und Forschung zu entwickeln.“

Die Fakten, die das HoE bei seiner Arbeit zusammenträgt, gibt es an seine Mitglieder weiter. Etwa in der neuen Publikationsreihe „Aspekte“, die sich beispielsweise dem Thema Stromerzeugung und -verbrauch in Hessen widmet. „Schaut man sich die Fakten an, dann ist Hessen zurzeit auf Stromimporte angewiesen. Ein Ausgleich von Erzeugung und Verbrauch ist im optimalen Fall möglich, wenn es einen entsprechenden Zubau bei den erneuerbaren Energien gibt“, erklärt Birkner. „Wir weisen darauf hin, dass in Hessen nicht gerade Stromüberfluss herrscht. Das muss diskutiert werden.“ Vernetzung und Wissenstransfer sind also die Hauptziele des HoE.

HoE Kassel organisiert Weiterbildungen

Dazu organisiert es auch Veranstaltungen, Workshops, Netzwerktreffen und Weiterbildungen. Derzeit arbeitet das HoE mit der Uni Kassel an dem neuen berufsbegleitenden Zertifikats-Programm „Innovationsmanagement Energie“. Die Weiterbildung richtet sich an Fach- und Führungskräfte, die in ihrem Unternehmen zukunftsfähige Energiesysteme entwickeln und implementieren wollen und soll im Frühjahr starten.

Und wo steht Hessen derzeit beim Thema Energiewende? „Es sind die richtigen Themen auf der Agenda, aber in der Umsetzung könnte man noch einen Zahn zulegen. Das CO2 wartet nicht, bis wir Lösungen gefunden haben und sie auch umsetzen“, sagt Birkner. Komplexe Regulierungen stünden oft im Weg und müssten bereinigt werden, fordert er.

Ein Online-Infoabend zum Zertifikats-Programm „Innovationsmanagement Energie“ findet am Donnerstag, 26. November, von 17 bis 19 Uhr statt: house-of-energy.org

Hintergrund

Das House of Energy (HoE) mit Sitz im Gründerzentrum Science Park in Kassel wurde 2015 als fünftes der hessischen „Houses of“ vom hessischen Wirtschaftsministerium unter Mitwirkung von Wirtschaftsunternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen gegründet. Aktuell hat es 15 Mitarbeiter. Das Mitgliedernetzwerk umfasst derzeit 33 Unternehmen und Institutionen. Darunter sind zwei hessische Ministerien, sieben hessische Wissenschaftseinrichtungen und 24 Wirtschaftsunternehmen. 40 Prozent des Budgets des HoE stammen aktuell aus EU-Mitteln des Landes Hessen. Weitere 45 Prozent kommen von Mitgliedern und 15 Prozent erwirtschaftet das HoE aus Projektbeiträgen.

Von Nicole Schippers

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.