Halter setzt Belohnung aus – Polizei ermittelt

Familie aus Nordshausen trauert um vergiftete „Lola“

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Nordshausen. 2000 Euro Belohnung hat eine Familie aus dem Kasseler Stadtteil Nordshausen für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung des Todes ihrer „Lola“ führen.

Ihr treuer Wegbegleiter „Lola“ ist tot. Die siebenjährige Terrier-Hündin ist vergiftet worden. Die Familie aus Nordshausen kann es noch immer nicht fassen. „Wer tut sowas?“ fragen Melanie und Mike Freidank.

Nach qualvollen Stunden mussten sie „Lola“ am Sonntag in einer Kasseler Tierklinik einschläfern lassen. Die Hündin hatte am Samstagabend beim Herumtollen in ihrem eigenen Garten Giftköder – vermutlich mit Schneckenkorn versetztes Hackfleisch – gefressen. Ein Unbekannter habe die Köder dort hineingeworfen, sagen die Freidanks. Im Erbrochenen seien die blauen Schneckenkorn-Kügelchen deutlich zu erkennen gewesen.

20-stündige Behandlung

Warum ein Fremder seinen Freund, „der niemals einer Fliege etwas zuleide tat“, getötet hat, das könne sie ihrem fünfjährigen Sohn Aaron nicht erklären, sagt Melanie Freidank. Die rund 20-stündige Behandlung in der Tierklinik habe „Lola“ nicht mehr retten können. Bei der Aufnahme von Schneckenkorn, einem Nervengift, kommt es bei den betroffenen Hunden oder Katzen auf jede Sekunde an.

Nach dem Vorfall im eigenen Garten habe man sogleich benachbarte Hundebesitzer im Kasseler Stadtteil gewarnt, betonen die Freidanks. Jedoch seien keine weiteren Giftköder gefunden worden. Auch der Polizei sind keine weiteren Fälle bekannt.

Nachdem die Hundehalter am Montag Anzeige erstattet hatten, nahm sich auch die Polizei der Sache an. „Wir ermitteln jetzt“, sagte Polizeisprecher Torsten Werner auf Anfrage unserer Zeitung. Zuständig für den möglichen Verstoß gegen das Tierschutz-Gesetz in Nordshausen seien die Kollegen des Reviers Süd-West.

Belohnung ausgesetzt

Der betroffenen Familie reicht das nicht aus. Sie hat eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro für Hinweise ausgesetzt, die zur Aufklärung des Todes ihrer „Lola“ führen. Den von den Freidanks am Sonntag veröffentlichten Facebook-Post mit einem Hinweis auf die Tat und die Belohnung hatten bis zum Dienstagnachmittag bereits mehr als 25.000 Nutzer des sozialen Netzwerks geteilt.

Artikel wurde aktualisiert um 19 Uhr

„Ich habe zwei kleine Kinder“, betonte Melanie Freidank. Auch die seien wegen des Giftköders in Gefahr gewesen. Deshalb gehe es ihr auch darum, auf die Gefahr des Schneckengifts für Mensch und Tier hinzuweisen. Auf der Facebook-Seite verweist die Familie auf eine Petition, die den freien Verkauf von Ratten- und Schneckengift unterbinden lassen will. Diese sollten nur noch in Apotheken beziehungsweise in Baumärkten mit Angaben der Personalien verkauft werden.

Schneckenkorn: Schnellstens zum Tierarzt

Schneckenkorn kann für Hunde und Katzen tödlich sein. Vor allem bei Welpen ist die Gefahr sehr groß. Hat das Tier Körner gefressen, raten Experten, sofort einen Tierarzt aufzusuchen. Das Nervengift wirkt schnell, die Symptome sind schwer erkennbar. Die Giftstoffe führen zum Zittern, Speicheln und zu Lähmungen oder greifen die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt an und lösen Erbrechen aus. Meist zeigen sich die Symptome bereits kurz nach der Aufnahme. Nur bis maximal 60 Minuten kann die Giftaufnahme im Körper mit Hilfe von Brechmitteln, Magenspülungen und Abführmitteln verhindert werden

Giftköder-Fälle nehmen bundesweit zu

Nach Einschätzung von Tierschutzbeauftragten, Tierschutzbund und Tierrechtsorganisation Peta ist bundesweit eine Zunahme der Giftköder-Fälle festzustellen. Die Kriminalstatistik erfasst die Fälle als Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Dabei wurden im Jahr 2014 bundesweit 6719 Fälle erfasst, 2010 waren es noch 6521. Um welche konkreten Giftköder-Fälle es dabei ging, lässt sich aus der Statistik aber nicht ableiten. (dpa/aha)

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