Uni-Mitarbeiter Torsten Braun erhielt ersten Preis des Kasseler Beton-Betriebs

Hüttensand statt Zement

Förderpreis übergeben: Professor Peter Racky (von links) und der Geschäftsführer des Beton-Betriebs, Gerhard Fenge, gratulierten Torsten Braun und Bettina Scheier. Foto:  Dilling

Kassel. Die Bauwirtschaft befindet sich in einem teilweise ruinösen Wettbewerb und erwirtschaftet viel zu wenig Rendite. So dramatisch formulierte der geschäftsführende Leiter des betriebswirtschaftlichen Instituts der Bauindustrie, Professor Ralf-Peter Oepen (Düsseldorf), während seiner Festrede zur Verleihung des Förderpreises des Kasseler Beton-Betriebes (KBB) im Gießhaus die Situation der Branche.

Die Arbeit des Preisträgers, Torsten Braun, könnte dem Bau zumindest helfen, sich auf der Kostenseite Luft zu verschaffen: Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Kassel hat in seiner Diplomarbeit damit experimentiert, wie man teuren Zement durch preiswertere Stoffe ersetzen kann. Dafür erhielt der 35-Jährige den mit 3000 Euro dotierten ersten Preis des KBB. Den mit 2000 Euro ausgelobten zweiten Preis bekam die Diplom-Ingenieurin Bettina Scheier. Die 28-jährige ehemalige Studentin der Kasseler Uni, die inzwischen in einem Ingenieurbüro in Niedersachsen arbeitet, hat ein Verfahren entwickelt, mit dem man Holz und ultrahochfesten Beton zu extrem belastbaren Bauteilen verbinden kann.

Torsten Braun hat aus Hüttensand, einem Abfallprodukt der Stahlerzeugung, aus Flugasche, die in den Schloten von Kraftwerksschornsteinen entsteht, und Rotschlamm, der bei der Aluminiumproduktion anfällt, einen Mörtel entwickelt. Rotschlamm wandert heute noch ungenutzt auf Deponien. Wenn das neue Gemisch Marktreife erlangen sollte, könnte es helfen, den weltweit steigenden Verbrauch von Zement zu reduzieren und den bei dessen Produktion anfallenden Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids zu vermindern.

Prof. Oepen beklagte in seinem Vortrag eine „nahezu ausufernde Wettbewerbssituation“ am Bau. Die Firmen müssten ihre Preise risikobewusster kalkulieren, empfahl er. Derzeit würden häufig Angebote unter dem Selbstkostenpreis abgegeben. Die Kunden von Bauleistungen sollten nicht nur auf den Preis, sondern auch auf die Seriosität der Unternehmen achten. Die Bauwirtschaft habe „sehr große Ertragsprobleme“, bestätigte Gerhard Fenge, der Geschäftsführer des KBB. Dabei erhielten die Baufirmen nur den kleinsten Teil des Kuchens, den es bei einem Projekt zu verteilen gibt.

Praxisnahe Ausbildung

Angesichts der Studentenproteste gegen die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen versicherte der Dekan des Fachbereichs Bauingenieurwesen, Professor Peter Racky, den Gästen aus der Bauwirtschaft, die angehenden Bauingenieure würden weiterhin praxisnah ausgebildet. Es bestehe kein Grund zur Verunsicherung. (pdi)

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