Baudenkmal droht wieder in Vergessenheit zu geraten

Hugenottenhaus: Noch immer keine Lösung in Sicht

Droht, wieder in Vergessenheit zu geraten: Seit dem Ende der documenta ist es still um das Hugenottenhaus an der Friedrichsstraße geworden. Archivfoto: Koch

Kassel. Es ist still geworden um das Hugenottenhaus. Während der documenta hatte es der amerikanische Künstler Theaster Gates zu neuem Leben erweckt. Nun droht das vom Verfall bedrohte Baudenkmal an der Friedrichsstraße, wieder in Vergessenheit zu geraten.

Alle Bemühungen, das Zeugnis hugenottischer Baukultur langfristig zu sichern, sind offenbar im Sande verlaufen.

„Es gab mehrere Nachfragen“, sagt Heinz Kefenbaum vom Kasseler Denkmalamt. „Aber daraus hat sich leider nichts entwickelt.“ Das Hugenottenhaus gehört zum Hotel Hessenland, das Teil der Hotelkette Grand City Hotels ist. In der Berliner Zentrale hegt man keine eigenen Pläne für das Kasseler Baudenkmal aus dem 19. Jahrhundert und auch nicht für den von Paul Bode geschaffenen Ballsaal aus den 1950er-Jahren. Die Sanierungskosten seien zu hoch. Firmen und Organisationen, die Interesse hätten, könnten sich an ihn wenden oder direkt das Hotel ansprechen, sagt Manager Sven Doliwa.

Interesse an dem Gebäude angemeldet hatte, auch schon vor der documenta, das Kasseler Unternehmen Brunsch & Meyer. Man habe ein Gebot abgegeben, sagt Vorstand Bernhard Brunsch, seitdem aber nichts mehr von Seiten des Eigentümers gehört.

Schnell zugegriffen hat laut Brunsch dagegen ein Tochterunternehmen von Wintershall, das sich Räume im ehemaligen Finanzamt an der Spohrstraße sicherte, die ebenfalls von der documenta genutzt worden waren. Tacita Dean war dort mit ihren grandiosen Kreidezeichnungen von Afghanistan vertreten. Brunsch & Meyer hatten das Gebäude 2009 vom Land Hessen erworben und saniert.

Das Kasseler Architekturbüros Sprengwerk wartet noch auf eine Antwort der Eigentümer des Hugenottenhauses. „Ich hatte noch mal einen Vorstoß unternommen“, sagt Architekt Matthias Tunnemann. Auf sein Schreiben, vor wenigen Wochen abgeschickt, habe er keine Antwort bekommen. Bisher habe sich die Eigentümerseite auch nicht dazu geäußert, ob das leer stehende Hugenottenhaus überhaupt zum Verkauf stehe. Das Architekturbüro hat bereits ein Nutzungskonzept entwickelt. Es sieht Büroräume vor.

d13-Künstler Theaster Gates hatte ebenfalls Interesse am Gebäude angemeldet, das Vorhaben dann aber nicht weiter verfolgt. „Es ist nicht weitergegangen“, sagt documenta-Geschäftsführer Bernd Leifeld. Das Hugenottenhaus sei aber eines der Themen, das er bei einem Treffen mit der Leiterin der documenta 13, Carolyn Christov-Bakargiev, am vergangenen Freitag ansprechen wollte.

Von Ellen Schwaab

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