1. Startseite
  2. Kassel

Hundehütte mit Hindernissen

Erstellt:

Von: Katja Rudolph

Kommentare

Hier könnte die Hundehütte hin: Elfi Eckart auf ihrem Grundstück an der Wolfhager Straße/Ecke Erzbergerstraße.
Hier könnte die Hundehütte hin: Elfi Eckart auf ihrem Grundstück an der Wolfhager Straße/Ecke Erzbergerstraße. © PIA MALMUS/Katja Rudolph

Kommt der Moondog zurück nach Kassel? Finanzierung unklar.

Kassel – Elfi Eckart will zur Hundemama werden. Doch so einfach ist das nicht. Denn es geht um einen besonderen Hund: den Moondog, der während der documenta fifteen im Hübner-Areal ausgestellt war. Der drei Meter hohe Hundekopf soll, so Elfi Eckarts Idee, dauerhaft in Kassel gezeigt werden.

Dafür würde Elfi Eckart, die im Schillerviertel eine Pension betreibt und für die Grünen im Ortsbeirat Nord-Holland sitzt, ihr Grundstück an der Wolfhager Straße/Ecke Erzbergerstraße bereitstellen. Auch der Ortsbeirat unterstützt das Vorhaben und hatte Geld aus dem städtischen Haushalt für die „Einhüttung und Aufstellung“ des Kunstwerks beantragt. Diesen Antrag für den Haushalt 2023 hatten die Stadtverordneten nach entsprechender Empfehlung des Kulturamts abgelehnt (wir berichteten).

Elfi Eckart schwebt vor, den Moondog in einer Art Hundehütte mit zur Straße hin transparenten Scheiben unterzubringen. Passanten und vorbeifahrende Autofahrer könnten dann das Plüschtier sehen, das ein Überbleibsel einer Theaterproduktion ist und als documenta-Beitrag auf das Thema Nachhaltigkeit im Kulturbetrieb aufmerksam machen sollte.

Das städtische Kulturamt jedoch hat „deutliche Zweifel, dass eine Plexiglaseinhüttung im Außenbereich das Objekt ausreichend vor Witterungseinflüssen schützt und den konservatorischen Anforderungen genügt“. So begründet die Stadt die Ablehnung des Antrags aus der Nordstadt. Zudem, so heißt es weiter, sei das Risiko für den Brandfall zu überprüfen.

Die erste Idee, die Hütte aus Plexiglas zu bauen, hat Elfi Eckart inzwischen verworfen. Der Plan ist nun, eine Holzkonstruktion zu schaffen mit zwei Glasscheiben zu den Straßenseiten. „Quadratisch, praktisch, gut,“ sagt die kunstbegeisterte Hotelbetreiberin. Sie putzt bereits Klinken im Quartier, um Unterstützung für den Moondog zu mobilisieren. Unter anderem haben ein Fensterbauer und ein Unternehmer aus dem Schiller-Carrée schon tatkräftige Hilfe zugesagt.

Klar ist jedoch: Umsonst werden der Bau der Hütte und der Transport des Moondogs nicht zu realisieren sein. Derzeit lagert der in seine Einzelteile zerlegte Hundekopf in Frankfurt beim bundesweiten Dachverband der Initiativen für Materialkreisläufe (IFM). Zunächst war vorgesehen, dass der Moondog nächstes Jahr in einer Ausstellung in Berlin gezeigt wird. Ob es wirklich dazu kommt, ist allerdings unklar. In jedem Fall würde man sich freuen, wenn der Moondog dauerhaft in Kassel unterkommen könnte, sagt Felix Grosse-Lohmann vom IFM.

Wenn die Politik sich nicht für Haushaltsmittel für das Vorhaben einsetzt, will Elfi Eckart versuchen, das neue Zuhause für den Moondog über Spenden zu finanzieren. Auch die neue Kasseler Materialverteilungs-Initiative, die sich gerade als Verein gründet, will die Gastgeberin aus dem Schillerviertel dabei unterstützen.

Im nächsten Schritt will Elfi Eckart nun ein Modell für die Hütte erstellen lassen und die Kosten für den Bau überschlagen. Gäbe es dafür von der Stadt denn eine Genehmigung? „Sofern es sich nicht um ein verfahrensfreies Bauvorhaben handelt, kann ein entsprechender Antrag gestellt werden“, heißt es aus dem Rathaus.

Sollte es wirklich klappen, wäre die Ecke im Schillerviertel ein neuer documenta-Hotspot: Dort gibt es bereits ein Wandbild von Taring Padi, und am Tor zu ihrem Foto-Motel hat Elfi Eckart einen Schriftzug von Dan Perjovschi reproduziert: „Give me good news“. Vielleicht ist das ja ein gutes Omen für den Moondog. (Katja Rudolph)

documenta-Kunst: Der Moondog war in der Hübnerhalle ausgestellt.
documenta-Kunst: Der Moondog war in der Hübnerhalle ausgestellt. © Rudolph, Katja

Auch interessant

Kommentare