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Hunderte bei Pro-Windkraft-Radfahrt nach Söhrewald dabei

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Von: Christina Hein

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Aktivisten radelten am Samstag von Kassel zum Windpark nach Söhrewald, um sich für den Bau der Windräder im Rheinhardswald einzusetzen.
Demonstration für die Windkraft: Aktivisten radelten am Samstag von Kassel zum Windpark nach Söhrewald, um sich für den Bau der Windräder im Rheinhardswald einzusetzen. © Andreas Fischer

„Windenergie ist als erneuerbare Energie der Schlüssel für unsere Zukunft.“ Um dieser Aussage Nachdruck zu verleihen, haben sich am Samstag mehrere Hundert – nach Angaben der Veranstalter 500 – Menschen zu einer Fahrraddemo getroffen. Ihre Forderung: ein rascher Ausbau der Windenergie in Nordhessen.

Kassel – Vom Friedrichsplatz aus ging es zum Windpark nach Söhrewald. Der bunte Lindwurm aus Fahrrädern fiel am Samstagnachmittag auf den Straßen auf.

Das Einhalten des Pariser Abkommens, zu der sich Regierungen weltweit verpflichtet haben, ist nur mit dem massiven Ausbau von erneuerbaren Energien zu erreichen. Davon sind die Organisatoren der Demo, ein Bündnis aus 28 Umweltorganisatoren und Parteien, überzeugt. Jede Region müsse ihren Beitrag leisten. In Hessen, wo 15 Prozent der Primärenergie erneuerbar erzeugt werde, sei in dieser Hinsicht viel Luft nach oben.

Bevor es für die Radler nach Söhrewald ging, legten sie einen Stopp vor der Wingas-Niederlassung im Königstor ein. Hier richtete sich Kurt Rohrig, zuletzt Leiter des Kasseler Fraunhofer IEE, an die Teilnehmer, indem er auf die „extreme Abhängigkeit Deutschlands von Primärenergieimporten“ und der Dringlichkeit zum Ausbau der erneuerbaren Energien hinwies. Man stehe vor dem Gebäude der Wingas, einer hundertprozentigen Tochter der Gazprom, so Rohrig. Die Wintershall Dea in der Friedrich-Ebert-Straße habe den Oligarchen Michail Fridmann mit mindestens 33 Prozent als Anteilseigner. „Die Abhängigkeit von Gas, Öl und Steinkohle aus Russland wird gerade vor dem Krieg in der Ukraine deutlich und stellt klar, wie anfällig und erpressbar unser Land sein kann.“ Rohrig führte Zahlen auf: 55 Prozent des Erdgases, 36 Prozent des Erdöls und 46 Prozent der Steinkohle beziehe Deutschland aus Russland. „Damit sind wir extrem abhängig und teilweise handlungsunfähig, was Sanktionen betrifft.“ Leider hätten die letzten Regierungen die Energiewende verschlafen und sogar verhindert. „Hätten wir die erneuerbaren Energien schneller ausgebaut, wären wir heute nicht in dieser Situation.“

Weitere Reden gab es in Söhrewald. Die Demonstranten setzen sich konkret für den Bau von 18 Windrädern im Reinhardswald ein, einen Windpark, der Strom für 90 Prozent aller Haushalte des Landkreises erzeugen kann. Angesichts des Kriegs in der Ukraine werde deutlich, „dass nachhaltige Energieerzeugung auch für unsere Sicherheit dringend nötig ist“, sagte Jan Peters von „Klimagerechtigkeit Kassel“.

Kritikern von Windkraft entgegnete Lutz Katzschner vom BUND: „Klimaschutz ist Waldschutz.“ Durch die Folgen der Klimakrise seien in den letzten Jahren 5000 Hektar des Reinhardswalds zerstört worden, aber im Kampf gegen die Erderwärmung seien durch Windräder jährlich 100 000 Tonnen CO2 eingespart worden.

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