Hundesteuer: Stadt kann auf mehr Geld hoffen

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Soll teurer werden: Kassel will die Steuer für gefährliche Hunde auf bis zu 1000 Euro erhöhen. Dazu zählt die hessische Rasseliste auch den Rottweiler.

Kassel / Frankfurt. Die Stadt Kassel will die Steuer für gefährliche Hunde deutlich erhöhen. Das soll die Ausgaben für die Unterbringung sichergestellter Hunde ausgleichen, die zuletzt deutlich gestiegen sind.

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Frankfurt verlangt schon seit 1999 höhere Steuern für gefährliche Hunde. Wir haben nachgefragt, welche Erfahrungen dort gemacht wurden.

Seitdem Frankfurt den Steuersatz auf 900 Euro verzehnfacht hat, ist die Zahl der registrierten Tiere erheblich gesunken. Trotzdem verzeichnet die Stadt jedes Jahr deutliche Mehreinnahmen, auf die auch Kassel hoffen kann, wenn die neue Hundesteuersatzung im Frühjahr kommt.

Nach Angaben von Joachim Geiger vom Frankfurter Finanzdezernat sind in Hessens größter Stadt derzeit 307 Hunde gemeldet, die als gefährlich gelten. Entweder steht ihre Rasse auf der Liste der hessischen Gefahrenabwehrverordnung oder der Hund ist bereits als aggressiv aufgefallen.

Nachlass für Begleithunde

Für 262 Hunde müssen die Halter die erhöhte Steuer von 900 statt 90 Euro zahlen – den höchsten Hebesatz in Hessen. Die übrigen 45 haben eine Begleithundeprüfung abgelegt. Sie erhalten einen Steuernachlass auf 225 Euro.

Insgesamt kann die Stadt Frankfurt so pro Jahr mit über 218 000 Euro zusätzlicher Erlöse aus dem erhöhten Steuersatz rechnen. Im vergangenen Jahr lagen die Gesamteinnahmen der Hundesteuer bei 1,46 Millionen Euro, sagte Geiger.

Die Mehreinnahmen genügen, um die Kosten für die Unterbringung sichergestellter Hunde abzudecken. 2011 waren das 85 Tiere, wobei derzeit acht Hunde in Verwahrung sind. Frankfurt zahlt dafür jedes Jahr pauschal knapp 130 000 Euro an ein Tierheim. Darin enthalten ist aber auch die Versorgung von Fundtieren.

Kassel hat 2011 deutlich mehr für sichergestellte Hunde zahlen müssen als zuvor. Bis Ende Oktober waren es 44 500 Euro, während die Kosten im gesamten Jahr 2010 bei 38 500 Euro lagen.

Bürgermeister Jürgen Kaiser erhofft sich deshalb, dass die höhere Hundesteuer dazu beiträgt, die Zahl der gefährlichen Hunde in Kassel langfristig zu reduzieren. Deshalb peile die Stadt den höchstmöglichen Steuersatz an. Er soll laut Kaiser zwischen 800 und 1000 Euro liegen. „Dann denken angehende Hundehalter hoffentlich darüber nach, ob es so ein potenziell gefährlicher Hund sein muss“, sagte Kaiser gegenüber der HNA. Ein Nachlass für Begleithunde sei aber auch in Kassel denkbar.

Zahl der Hunde ist gesunken

Frankfurt hat in den vergangenen Jahren genau die Folgen verzeichnet, die sich Kaiser erhofft. Bevor die Hundesteuersatzung 1999 eingeführt wurde, waren noch 520 Listenhunde gemeldet. Seitdem sei ein spürbarer Rückgang zu verzeichnen, sagte Michael Jenisch vom Ordnungsamt Frankfurt. In den vergangenen drei Jahren habe sich die Zahl der gefährlichen Hunde bei etwa 300 eingependelt. In Kassel sind derzeit 120 gefährliche Hunde registriert.

Hintergrund: In Hessen gelten reinrassige Hunde und Mischlinge aus neun Rassen pauschal als gefährlich

In Hessen gilt derzeit die im Jahr 2003 erlassene Hundeverordnung. Sie gibt vor, dass für die Haltung sogenannter Kampfhunde und anderer gefährlicher Hunde strenge Vorschriften gelten. Nach der "Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden" müssen die Halter grundsätzlich eine Erlaubnis der örtlichen Ordnungsbehörde vorweisen. Die bekommen sie nur, wenn sie ihre Sachkunde nachweisen und der Hund in einem Wesenstest seine Harmlosigkeit bewiesen hat.

Als gefährliche Hunde listet die Verordnung derzeit folgende Rassen auf: Pitbull-Terrier / American Pitbull, American Staffordshire-Terrier / Staffordshire Terrier, Staffordshire-Bullterrier, Bullterrier, American Bulldog, Dogo Argentino, Kangal (Karabash), Kaukasischer Owtscharka und (seit 2009) auch der Rottweiler. Sowohl reinrassige Hunde wie auch Mischlinge dieser Rassen gelten als gefährlich - selbst wenn sie bisher noch nicht aufgefallen sind. Nicht mehr in der Liste geführt werden Mastiff, Mastino Napoletano und Fila Brasileiro. Auch wenn Hunde unkontrolliert andere Tiere hetzen oder reißen, gelten sie als gefährlich. (wet/mcj)

Von Marcus Janz

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