Verbraucherschützer: Nur 60 Prozent der Betriebe haben funktionierendes Eigenkontrollsystem

Kasseler Gastronomie: Manche Mitarbeiter vernachlässigen Körperhygiene

Kassel. Wenn Kassels Lebensmittelkontrolleure etwas in gastronomischen Betrieben zu beanstanden haben, dann geht es oft um mangelnde Hygiene. Arbeitsflächen werden unzureichend gereinigt, dadurch gelangen Keime ins Essen der Gäste.

Dr. Michael Heitmann, Leiter des städtischen Amtes für Verbraucherschutz und Tiergesundheit, hat allerdings auch die Erfahrung machen müssen, dass manche Menschen, die in der Gastronomie arbeiten, nicht ausreichend Körperhygiene betreiben.

Er sei öfter gefragt worden, warum man sich nach dem Toilettengang die Hände waschen müsse, obwohl man Toilettenpapier benutze. Heitmann verweist auf eine Untersuchung: Neun Lagen Toilettenpapier seien nötig, um eine Übertragung von Keimen aus dem menschlichen Stuhl auf die Hände auszuschließen.

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Ob sich die Mitarbeiter in gastronomischen Betrieben ausreichend die Hände waschen, können die Lebensmittelkontrolleure auch anhand von Indizien feststellen. Wenn man nach einem halben Arbeitstag in einen Betrieb mit zehn Mitarbeitern komme und im Abfalleimer neben dem Waschbecken seien keine Papierhandtücher, sei das ein Zeichen für mangelnde Hygiene, sagt Heitmann.

In diesem Zusammenhang weist Heitmann auf die Wichtigkeit von Personalschulungen hin. Mitarbeiter müssten erfahren, warum es so wichtig ist, sich die Hände regelmäßig zu waschen. „Ich bin mir sicher, dass sich eine ordnungsgemäße Hygieneschulung für den Chef rechnet.“ In der Gastronomie käme allerdings die hohe Personalfluktuation erschwerend hinzu.

Immer wieder monieren Heitmann und seine Kollegen die vorgeschriebenen Eigenkontrollsysteme der Gastronomen als unzureichend. Zur Eigenkontrolle gehört zum Beispiel die regelmäßige Temperaturkontrolle der Kühlschränke. „Ein komplettes und funktionierendes Eigenkontrollsystem haben nur 60 Prozent der Kasseler Gastronomen.“ Heitmann geht davon aus, dass das geplante Ampelsystem zur Bewertung der gastronomischen Betriebe in Kassel in ein bis eineinhalb Jahren eingeführt wird. Eine rechtliche Prüfung sei noch erforderlich. Der Lebensmittelkontrolleur ist aber optimistisch und verweist auf bestehende Ampelsysteme in anderen Städten.

Mit der Einführung sollen zu den bislang vier Lebensmittelkontrolleuren im Amt für Verbraucherschutz und Tiergesundheit zwei weitere eingestellt werden. Bei der Bewertung reiche es nicht mehr aus, dass nur ein Lebensmittelkontrolleur den Betrieb inspiziere. Mit Blick auf die Bedeutung für die Unternehmer sollen das zwei Mitarbeiter machen. Heitmann weiß, dass nicht alle Gastronomen von dem Ampelsystem begeistert sein werden und seine Mitarbeiter nicht immer willkommen sind. „Schlimmstenfalls müssen wir in einige Betriebe mit der Polizei gehen.“

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