Pfarrer widersetzen sich dem Vatikan

Kasseler Schwuler über Segensverweigerung aus Rom: „Ich bin fassungslos“

Fühlt sich in seiner Gemeinde als schwuler Mann wertgeschätzt: Der Kasseler Thomas Warlies  (rechts) hat auch durch die seelsorgerische Begleitung von Pfarrer Harald Fischer zurück in die katholische Kirche gefunden. Das Bild ist vor der Kirche St. Familia aufgenommen.
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Fühlt sich in seiner Gemeinde als schwuler Mann wertgeschätzt: Der Kasseler Thomas Warlies hat auch durch die seelsorgerische Begleitung von Pfarrer Harald Fischer zurück in die katholische Kirche gefunden.

Zwei schwule Katholiken aus Kassel sprechen über ihre Situation in der Kirche und das Segensverweigerung für homosexuelle Paare aus Rom.

Kassel – Thomas Andreas Warlies hat die katholische Kirche schon einmal verlassen. Mit 18 Jahren trat er aus, weil ihn die homophobe Stimmung in der Kirche abstieß und verletzte. Der 53-jährige Warlies ist schwul und seit 35 Jahren mit seinem Partner zusammen. Nach der Verlautbarung aus Rom, dass homosexuellen Paaren kein Segen erteilt werden dürfe, wäre der Kasseler nun beinahe zum zweiten Mal aus der Kirche ausgetreten.

„Das macht mich fassungslos“, sagt er über die Haltung des Vatikans, die aus dem am Montag veröffentlichten Papier der Glaubenskongregation spricht. Die katholische Kirche komme wegen Missbrauchsfällen und dem Umgang damit – wie aktuell in Köln – seit Jahren nicht aus den Schlagzeilen heraus. Gerade vor diesem Hintergrund sei es „skandalös, wie die alten Herren aus Rom sich als Moralapostel aufführen“, findet Warlies.

Nach der ersten Empörung über die Verlautbarung aus dem Vatikan habe sich seine Stimmung aber eher in ein „Jetzt erst recht“ gewandelt, erklärt schwule Mann: „Ich werde eben nicht austreten, damit diese Kirche mich aushalten muss“.

In seiner Gemeinde St. Familia vor Ort in Kassel gibt es da nicht viel auszuhalten. Dort sei er von Anfang an offen und warmherzig aufgenommen worden, sagt Warlies, der als Kulturreferent im Wohnstift am Weinberg arbeitet. Bei seiner Rekonzilation, also dem Wiedereintritt in die Kirche, der in einem Gottesdienst zusammen mit mehreren Taufen gefeiert wurde, habe die Gemeinde applaudiert. Das habe ihn sehr berührt. „Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass ich, der schwule Thomas, dazugehöre.“

Sein Bedürfnis nach Spiritualität habe ihn damals zurück in die Kirche geführt – und vor allem Harald Fischer, der ihn als Pfarrer auch schon vor dem Wiedereintritt seelsorgerisch begleitet habe.

Den konkreten Wunsch nach einem kirchlichen Segen für seine langjährige Partnerschaft habe er zwar nicht, so Warlies. „Wir leben in wilder Ehe“, sagt er und lacht. Gleichwohl wisse er es zu schätzen, dass Pfarrer Fischer sich nun gegen die Weisung aus Rom stelle.

Ein anderer homosexueller Mann aus Kassel, der seit 2013 verpartnert und seit 2018 verheiratet ist, würde sich durchaus einen kirchlichen Segen für seine Ehe wünschen: „um das rund zu machen“, sagt er. Er sei zutiefst enttäuscht von der Absage der Glaubenskongregration für eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Er habe gehofft, dass Rom sich zu der Frage gar nicht explizit äußere und die Deutsche Bischofskonferenz zu einer eigenen Entscheidung komme.

Zwar seien er und sein Mann vor einigen Jahren in einem Valentinsgottesdienst gesegnet worden, so der Kasseler. „Wir waren davor sehr aufgeregt, weil wir nicht wussten, wie die Gemeinde reagiert.“ Es sei aber völlig unproblematisch gewesen.

Einen Segen für den gemeinsamen Lebensweg habe man bisher aber nicht von der Kirche erbeten. „Wir möchten nicht, dass Ärger für den Priester entsteht, wenn es hinterher rauskommt.“

Vielleicht denkt das schwule Paar nun noch mal neu nach. In Kassel wüsste es nun jedenfalls, an wen es sich wenden können. (Von Katja Rudolph)

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