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Tödlicher Unfall bei Ehlen: Der Sportwagen soll schon vorher Probleme gemacht haben

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Von: Florian Hagemann

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Tödlicher Unfall: Der Beifahrer dieses Sportwagens starb im August 2020 auf der Straße zwischen Ehlen und Dörnberg. ARCHI
Tödlicher Unfall: Der Beifahrer dieses Sportwagens starb im August 2020 auf der Straße zwischen Ehlen und Dörnberg. © Luisa Weckesser

Am zweiten Verhandlungstag im Berufungsprozess um den tödlichen Unfall bei Ehlen 2020 haben vier Zeugen ausgesagt. Einer von ihnen beschrieb, dass es mit dem Unfallwagen, einem Alfa Romeo 4C, schon vorher Probleme gegeben haben soll.

Kassel – Eigentlich sollten an diesem zweiten Verhandlungstag die Aussagen von vier Zeugen im Mittelpunkt stehen. Doch erst einmal ging es an diesem Tag und in diesem Berufungsprozess vor dem Landgericht Kassel über eine tödliche Testfahrt mit einem auffälligen Sportwagen um etwas anderes. Die Verteidigung hatte einen Befangenheitsantrag gestellt, weil sie meint, der Sachverständige sei dem Angeklagten gegenüber negativ eingestellt und würde nicht objektiv berichterstatten.

Das Gericht hat darüber noch nicht abschließend entschieden. Richter Reichhardt aber nahm den Antrag zum Anlass, mal Grundsätzliches zu sagen: dass sich alle von dem Gedanken verabschieden müssten, in diesem Prozess werde jedes Details aufgeklärt. „Das werden wir in Gänze nicht hinbekommen.“

Längst geht es aber vornehmlich nur noch darum – auch bei der Einbeziehung des Sachverständigen: um Details. Dass der Angeklagte an jenem Tag im August 2020 sich einer fahrlässigen Tötung schuldig gemacht hat – „davon gehen alle aus“, wie es der Richter formulierte. Der mittlerweile 44 Jahre alte Angeklagte war mit seinem 240 PS starken Alfa Romeo 4C zwischen Ehlen und Dörnberg bei einer Probefahrt Schlangenlinien gefahren, hatte dann die Kontrolle über das Fahrzeug verloren und war schließlich mit dem Sportwagen in die Leitplanke gekracht. Der 32 Jahre alte Beifahrer, in dessen Werkstatt das Fahrzeug zur Überprüfung gewesen war, wurde tödlich verletzt. Das Amtsgericht hatte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Nun geht es vor allem darum, ob dieses Strafmaß angemessen ist. Die Befragung von vier Zeugen am zweiten Verhandlungstag lieferte zumindest ein paar interessante neue Hinweise. So sagte auch ein Rennwagenexperte aus, der einst den Kontakt zwischen Fahrer und Beifahrer hergestellt hatte.

Der Mann war lange vor dem folgenschweren Unfall mit dem Angeklagten und dessen Sportwagen unterwegs gewesen, als es, wie er es als Zeuge schilderte, schon einmal zu einem Zwischenfall gekommen war. Der Alfa soll während einer Fahrt im Kasseler Stadtgebiet Probleme gemacht haben und plötzlich auf einen hohen Bordstein geknallt sein. „Der Schreck saß uns in den Gliedern“, sagte der Zeuge. Der Angeklagte soll unmittelbar danach geäußert haben, dass er die Situation noch gut abgefangen habe. Der Zeuge aber ließ wissen, dass er schon damals Zweifel an dieser Sichtweise hatte.

Später empfahl der Zeuge nach eigenen Angaben dem Angeklagten den 32 Jahre alten Kfz-Experten. Er hielt ihn für so gut und erfahren, um den Sportwagen so herzustellen, dass dieser den Ansprüchen genügt: rennsporttauglich, aber auch geeignet für die normale Straße zu sein. Nach dem Unfall telefonierte der Zeuge mit dem Angeklagten. Er habe ihm gesagt, er wisse genau, wie das alles passiert sei: Fahrhilfe ausgeschaltet, den Wagen ausgependelt, die Kontrolle verloren. „Du wolltest zeigen, dass das Heck ausschlägt.“ Der Angeklagte habe danach eine lange Pause eingelegt, aber nicht widersprochen.

Der Zeuge berichtete zudem von einer Nachricht des Angeklagten Tage zuvor. Der Alfa war da bereits einmal in der Werkstatt gewesen, soll demnach aber weiter Probleme gemacht haben. Der Angeklagte habe ihm geschrieben, dass der Wagen während einer Fahrt auf der Strecke zwischen Ehlen und Breitenbach zum Pendeln neige – bei Tempo 160 und 170. Dabei handelt es sich um eine Landstraße, „eng und kurvenreich“, wie der Zeuge die Strecke charakterisierte.

Dass das spätere Opfer Bedenken hatte, mit dem Angeklagten eine Probefahrt zu unternehmen, deutete ein anderer Zeuge an – ein Mitarbeiter des 32-Jährigen. Dieser soll unmittelbar vorher gesagt haben: „Ich habe jetzt keinen Bock, mit dem da mitzufahren.“ Es sollen die letzten Worte seines Chefs zu ihm gewesen sein.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. (Florian Hagemann)

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