Bewährungsstrafe für 30-Jährigen

Mit Pfefferspray und Messer auf Diebestour in Kasseler Radgeschäft

Kassel. Der Angeklagte versuchte seiner Tat etwas Positives abzugewinnen: „Ich bin froh, dass es danebengegangen ist, sonst wäre ich nicht zum Nachdenken gekommen.“ Der 30-Jährige aus Hildesheim hatte im Juli vorigen Jahres nachts mit zwei noch unbekannten Kumpanen ein Fahrradgeschäft am Königstor bestohlen.

. Außer fünf Rädern kam diverses Zubehör abhanden. Der Schaden beläuft sich auf etwa 18 000 Euro. Damit nicht genug: Der 30-Jährige war außer mit einer Maske mit Pfefferspray und Klappmesser ausstaffiert, sodass für Menschen, die die Diebe ertappt hätten, durchaus eine gewisse Gefahr bestand.

„Ich bin geschockt, wenn ich sehe, wozu ich imstande war“, sagte der Vater eines Sohnes am Donnerstag vor Gericht. Er gab alles zu, was in der Anklage stand. „Ich habe Mist gebaut.“ Der Grund für seinen Fehltritt sei seine miese finanzielle Situation gewesen. Der Fußbodenleger war vor zwei Jahren von seiner Firma entlassen worden, bis dahin habe er „ein gutes Leben“ geführt. Nach der Entlassung sei alles anders geworden: Er habe immer öfter und immer mehr Alkohol getrunken, seine Lebensgefährtin habe sich von ihm getrennt. Hartz IV habe er nicht beantragen wollen. „Ich schäme mich, Geld vom Staat zu nehmen.“ Sein Bruder füttert ihn seitdem durch.

Ein Lichtblick war, als er in einer Diskothek zwei Männer kennenlernte, die ihm schnelles Geld versprachen. Gemeinsam wollten sie „ein Ding drehen“. Der 30-Jährige sollte 500 Euro auf die Hand bekommen. Mit dem Zug fuhr das Trio nach Kassel, mit Masken im Gepäck und – so stellte es der Angeklagte dar – einem diffusen Plan im Kopf, irgendwo „etwas zu unternehmen“. Der Fahrradladen schien ein geeignetes Objekt zu sein. Er sollte lediglich vor der aufgebrochenen Tür darauf warten, was ihm die beiden reichen würden und die Beute an einen anderen Ort bringen.

Mit einem Rad und einer Tasche zog er von dannen. Da das Rad keine Pedale hatte, musste er es schieben. Das wurde ihm zum Verhängnis, denn die Polizei war ihm auf den Fersen und nahm ihn fest. Messer und Pfefferspray blieben in der Tasche. In seinem Blut wurde neben Alkohol auch Kokain festgestellt. Er gab am Donnerstag zu, dass sich die drei vor ihrer Diebestour mit Wodka und Drogen Mut gemacht hatten. Die Freunde von damals konnten flüchten, der 30-Jährige besitzt jedoch ihre Telefonnummern und will diese herausgeben, sodass den beiden ein Prozess ins Haus stehen dürfte.

Seine Auskunftsfreudigkeit kam dem 30-Jährigen zugute: Er kassierte eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten, außerdem muss er 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Das Gericht rechnete ihm außer seinem Geständnis und den Hinweisen auf die Mittäter auch an, dass der Schaden, der auf seine Karte geht, vergleichsweise gering ist und seine Beute wieder an die Geschäftsinhaber zurückgegangen war. (pas)

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