Sprossen in Hamburg gegessen

„Ich hatte ein Riesenglück“: Frau aus dem Landkreis Kassel litt unter Ehec

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Ehec-Patient in einem Isolierzimmer: Wie hier im Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf gelten bei Infektionen mit dem gefährlichen Darmkeim strengste Hygienevorschriften.

Kassel. Für Simone S. ist es die Zeit nach Ehec. Die 44-Jährige aus dem Landkreis Kassel hat die Erkrankung glücklich überstanden, aber dennoch ist vieles anders als vorher. Sie ist vorsichtiger geworden und nachdenklicher, aber vor allem auch sehr dankbar, dass sie gesund geworden ist.

Erst am Montag konnte die Frau nach knapp zwei Wochen das Krankenhaus wieder verlassen. Am 22. Mai hatten die Beschwerden angefangen: erst Durchfälle und Bauchschmerzen; am nächsten Tag schwere, kolikartige Bauchkrämpfe und blutiger Durchfall. „Das sind Schmerzen, die ich niemandem wünsche“, sagt die 44-jährige Mutter zweier Jugendlicher. An schlimmen Tagen kamen die Krämpfe jede halbe Stunde und waren kaum auszuhalten.

Zuspruch und Schmerzmittel

Infusionen gegen den Flüssigkeitsverlust und Schmerzmittel halfen ihr über das Gröbste hinweg. Natürlich auch der Zuspruch des fürsorglichen Pflegepersonals und der Ärzte im Kasseler Klinikum, sagt sie.

Nach einer Woche hatte Simone S. das Schlimmste überstanden, und es ging ihr von Tag zu Tag besser. Auch die täglichen Kontrollen der Blut- und Urinwerte zeigten einen günstigen Verlauf der Infektion mit dem gefährlichen Darmkeim.

„Ich hatte ein Riesenglück“, sagt sie dankbar. Obwohl bei den drei letzten Stuhlkontrollen der Keim bei ihr nicht mehr nachgewiesen werden konnte, begleitet sie noch ein bisschen die Angst, dass die Beschwerden wiederkommen könnten. „Das Damoklesschwert einer möglichen schweren HUS-Komplikation schwebte die ganze Zeit über mir.“

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Sie erinnert sich auch an die besorgten Gesichter ihrer Kinder und ihrer Freunde, wenn sie mit Schutzkleidung ausgestattet zu Besuch in das Isolierzimmer kamen. Sie weiß, dass alle in ihrer Umgebung jetzt sehr vorsichtig sind mit dem, was sie essen. Auch Simone S. wird noch lange achtsam sein. „Ich schaue jetzt genauer hin, was ich esse.“ Sie denkt auch darüber nach, ob sie angesichts der Probleme durch die Massentierhaltung weiterhin Fleisch essen wird.

Wie sie sich mit dem Ehec-Erreger angesteckt hat, kann die 44-Jährige auch nach intensiven Gesprächen mit Mitarbeitern des Kasseler Gesundheitsamtes nur vermuten. Eine Woche vor Krankheitsbeginn hatte die Produktmanagerin in Hamburg ein amerikanisches Brötchen (Bagel) mit Sprossen gegessen, außerdem ein Brötchen mit Salat und später in Hildesheim einen gemischten Salat.

Die zierliche Frau ist überzeugt, dass sie auch deshalb so viel Glück hatte, weil sie körperlich fit ist. Auch wenn sie sich heute noch ein wenig schwach fühlt, ist sie sicher, dass sie die mehr als drei verlorenen Kilogramm Körpergewicht bald wieder aufgeholt hat. Vor allem Menschen mit Vorerkrankungen aber rät sie, gut auf sich zu achten. „Es kann eben doch jeden treffen.“

Etwa vier Wochen lang wird sie - wie von Medizinern empfohlen - noch strengste Hygieneregeln auch zu Hause einhalten. Glücklicherweise sind weder ihre Kinder noch andere Bezugspersonen erkrankt. Eine Ehec-Geschichte, die gut ausgegangen ist.

Von Martina Heise-Thonicke

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