Klaus Richter wird heute 75 - Mit Club 21 gründete er Deutschlands erste Diskothek

„Ich bin Rübezahls Nachfahre“

Treuer Begleiter: Der holzgeschnitzte Affe, den Klaus Richter 1965 bei einem Antiquitätenhändler in Bayern kaufte, war 34 Jahre das Maskottchen des Club 21. Er stand neben dem Diskjockey. Foto: Herzog

Kassel. Es gibt nur wenige Gastwirte, von denen man sagen kann, dass sie einer Stadt ihren Stempel aufgedrückt und gleich mehrere Generationen in ihrem Ausgehverhalten geprägt haben. Klaus Richter, der heute 75 Jahre alt wird, gehört mit Sicherheit dazu.

Mehrere Lokalitäten, darunter der Club 21, die Tenne an der Leipziger Straße, die Pinte gegenüber der Stadthalle und die Standuhr an der Fünffensterstraße, sind untrennbar mit seinem Namen verbunden. Er rief das Friedrich-Ebert-Straßenfest ins Leben, aus seinem Wilhelmsstraßenfest wurde später das Stadtfest und noch heute wird er auf die Partys angesprochen, die er auf der Löwenburg veranstaltete.

Eigentlich hätte sein Werdegang in Kassel einen ganz anderen Verlauf nehmen sollen. Klaus Richter wurde am 26. April 1935 in Hirschberg in Schlesien geboren. „Ich habe mich in Kassel immer mit den Worten: ,Ich bin Rübezahls Nachfahre’ vorgestellt“, sagt er, „denn Hirschberg liegt direkt unter der Schneekoppe, dem Hausberg des Geistes.“ Den Zweiten Weltkrieg hatte man dort gut überstanden. Richter: „Für die russischen Flieger aus dem Osten waren wir genauso weit weg wie für die Engländer aus dem Westen. Die Tankfüllungen der Flugzeuge reichten nicht für den Hin- und Rückflug.“

1945 zog die Familie zunächst nach Landwehrhagen, ein Jahr später nach Kassel. Hier besuchte Richter erst die Schule in der Herkulesstraße, später die Schule in der Kölnischen Straße. Seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann begann er mit 16 Jahren bei Teppiche und Gardinen Münstermann, wo er anschließend eine feste Stelle bekam.

Der Beginn der Club-Ära

1959 kam ein Freund aus New York zurück und erzählte Richter von einem Club an der 21. Straße, in den man nur als Mitglied reinkam. „So etwas brauchen wir für unsere Clique auch“, sagten sich Richter und seine Freunde. Anfang 1960 fanden sie einen Raum im Keller unter dem Autohaus Bierschenk - heute ist dort ein Erotikshop - am Friedrichsplatz, den sie nach dem New Yorker Vorbild „Club 21“ nannten. Doch die Clique war nicht lange unter sich. Angehörige und deren Freunde drängte es in den Insider-Club, so dass das Ganze auf eine offizielle Schiene gehoben werden musste. Bei der Eröffnung standen die Gäste Schlange bis zum Kaufhof. Ein Club mit einem Plattenaufleger, das war eine Sensation. Die Bezeichnung Diskothek gab es noch gar nicht.

Über die Jahre erwies sich der Club als zu klein. Richter fand 1965 eine neue Lokalität an der Friedrich-Ebert-Straße, kündigte seinen Job bei Münstermann und betrieb den Club 21 bis zu dessen Schließung 2004.

Seither lebt er als Ruheständler, fährt viel Fahrrad und wandert oft. „Mein Leben war viel Arbeit, aber es hat auch viel Spaß gemacht“, sagt er heute. Klaus Richter ist zum dritten Mal verheiratet und Vater von vier Kindern.

Von Wilhelm Ditzel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.