37-jähriger KVG-Mitarbeiter wurde von früherem Schwarzfahrer attackiert

„Stehe unter Schock“: KVG-Mitarbeiter von Schwarzfahrer attackiert

Schwarzfahrer rastete aus: Ein 35-Jähriger lauerte gestern einem KVG-Mitarbeiter des Kundenzentrums in der Kurfürsten-Galerie auf, bedrohte ihn und trat ihn kurz darauf zu Boden. Foto: Rudolph

Kassel. Dass er am KVG-Schalter im Kundenzentrum an der Kurfürstenstraße hin und wieder einen Wutausbruch über sich ergehen lassen muss, ist Michael K. (Name geändert) gewohnt.

Der KVG-Mitarbeiter ist für das „erhöhte Beförderungsentgelt“ zuständig, also für Schwarzfahrer. Was ihm gestern Vormittag passiert ist, kann der 37-Jährige aber immer noch nicht fassen.

Ein 35-Jähriger, der vor Längerem ohne Fahrkarte erwischt worden war und damals bei Michael K. 40 Euro bezahlen musste, trat den Sachbearbeiter auf offener Straße zusammen. Und trat noch nach, als sein Opfer bereits am Boden lag.

Als er um 9.40 Uhr zur Arbeit kam, habe ihm der Mann in der Kurfürsten-Galerie aufgelauert, berichtet Michael K. gestern Abend gegenüber der HNA. „Ich bekomme von dir noch 40 Euro“, habe der Mann zu ihm gesagt. „Ich wusste sofort, wer das war“, sagt der KVG-Mitarbeiter. Der Fall von vor eineinhalb Jahren sei ihm im Gedächtnis geblieben.

Wiederholungstäter

Schon damals habe ihn der Mann im Kundenzentrum übel beschimpft und später in der Mittagspause in einem Bistro bedroht. „Was du heute am Schalter abgezogen hast, wirst du bereuen“, habe er durch das Bistro gebrüllt und mit Prügel gedroht. Hintergrund war, dass Michael K. auch eine Anzeige wegen Erschleichen von Leistungen gegen den Mann in die Wege geleitet hatte, weil der wiederholt beim Schwarzfahren erwischt worden war. „Mir blieb gar nicht anderes übrig, das ist die Vorschrift.“

Gestern Morgen habe der Mann gedroht, ihn am Abend zusammenzuschlagen. Er habe dann sofort nach dem Sicherheitsdienst gerufen und per Handy die 110 alarmiert, erzählt der KVG-Mitarbeiter. Als der Täter die Kurfürsten-Galerie verließ, folgte er ihm. „Ich habe ihn mehrfach aufgefordert zu warten, bis die Polizei da ist.“ Weil er das aber nicht tat, versuchte Michael K., den Mann unauffällig mit dem Handy zu fotografieren. Das habe dieser aber offenbar gemerkt. Unvermittelt habe ihm der Täter mit voller Wucht gegen die Knie getreten – erst links, dann rechts. „Als ich schon am Boden lag, hat er noch nachgetreten.“ Auf seine Hilferufe hin hätten sich Passanten eingemischt, und der Mann sei geflüchtet.

Michael K. wurde in die Notaufnahme gebracht. Eine Streife fasste den Tatverdächtigen nach kurzer Fahndung in einer Firma an der Kölnischen Straße, berichtet Polizeisprecherin Sabine Knöll.

Gestern Abend taten Michael K. die geschwollenen Knie und der Rücken weh, auch der Kopf schmerzte. „Ich stehe immer noch unter Schock“, sagt der 37-Jährige. Dass er, nur weil er seine Arbeit mache, als Privatmensch angegriffen werde, sei eine neue Dimension. Vorerst ist Michael K. krankgeschrieben. Die Vorstellung, an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren, sei nach dem Vorfall schwer. „Ich weiß nicht, ob ich noch in der Lage bin, die erhöhten Beförderungsentgelte zu betreuen.“

Von Katja Rudolph

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