Angeklagter muss sich wegen Vorfall auf Lutherplatz verantworten

Kassel. „Ich wollte mich nur retten.“ Der Angeklagte sagt das gleich mehrmals. Der 40-jährige Baunataler muss sich vor dem Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, einem heute 39-Jährigen aus Naumburg lebensgefährliche Messerstiche zugefügt zu haben – und zuvor einen Schlag mit einer Bierflasche.

Schlag wie Zustechen räumt der Mann auch ein. Aber er will in Angst gehandelt haben. Schauplatz des Vorfalls vom 11. August 2011 ist der Treffpunkt der Drogenszene am Kasseler Lutherplatz. Der Angeklagte sagt, er habe an jenem Tag Heroin und Tabletten genommen und Alkohol getrunken. Der Substanzen-Cocktail des Geschädigten sah wohl ähnlich aus.

Streit habe man gehabt, berichtet der Angeklagte. Er habe den Lutherplatz verlassen, sei dann aber zurückgekehrt, um den Ärger aus der Welt zu schaffen. „Ich war halt gezwungen, da täglich hinzugehen, um meine Drogen zu bekommen“, erklärt der 40-Jährige, der offenbar inzwischen eine Therapie begonnen hat. Der Naumburger sei aggressiv geworden, sagt der Baunataler. Er habe Angst vor Schlägen gehabt und dem anderen seine Flasche übergezogen. Dann habe der ihn verfolgt, mit einem Stein in der Hand. Er selbst habe daraufhin ein Taschenmesser gezückt.

Angst vor einem Racheakt

Als er nicht mehr nach hinten habe ausweichen können, habe ihn der andere am Hals gepackt. Ob dieser den Stein noch in der Hand hatte, könne er heute nicht sagen. Aber damals habe er um sein Leben gefürchtet, zugestochen und sei abgehauen. Der andere habe ihn kurz verfolgt und sei dann zusammengebrochen. Er habe eine Woche lang Sorge gehabt, was ihm passiert sei, Angst auch vor einem Racheakt. „Dann habe ich beschlossen, mich dem Gesetz anzuvertrauen“, sagt der Angeklagte.

Der Geschädigte erscheint mit zwei Stunden Verspätung als Zeuge. Seine Hand zittert. Er könne sich nicht erinnern, ob der Mann auf der Anklagebank der war, mit dem er die Auseinandersetzung hatte, sagt er. Er habe auch nicht gesehen, wer mit der Flasche schlug. Ganz sicher ist er aber, dass er den Stein sehr schnell wieder habe fallen lassen.

Es begann mit einer Ohrfeige

An die Ursache des Streits erinnert er sich erst, als ihm die Richterin eine frühere Vernehmung vorhält: Ein Freund habe ihm einen Mann gezeigt und gesagt, der habe ihm schon zweimal das Nasenbein gebrochen. Den habe er dann angesprochen und geohrfeigt. Abends sei ihm der Mann wieder begegnet und habe ihn zur Rede gestellt. Man habe sich die Hand gegeben. Kurz darauf habe ihn die Flasche getroffen.

Der Prozess wird in dieser Woche fortgesetzt.

Von Katja Schmidt

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