Ideen verändern die Stadt und die Welt

30.000 Besucher beim Tag der Erde

Laden zum gemeinsamen Tafeln ein: Marie Wilka, Konstanze Liebelt und Clara Schmidt-Schalles.

Kassel . Erde aus der ganzen Stadt haben Mitglieder der Kirchengemeinde St. Familia gesammelt und in ihre Kirche getragen. Diese sollte sich gestern in einen (Schutz-)Raum der Schöpfung verwandeln.

Es war der Tag der Erde, der zum 23. Mal in Kassel stattfand. Rund 30.000 Menschen zog es bei sonnigem Frühlingswetter auf die knapp einen Kilometer lange Festmeile auf der Kölnischen Straße.

Nachbarn an den Tisch

So wie sich während der Veranstaltung das Bild dieser sonst viel befahrenen Straße änderte, so wollen viele Organisationen, Initiativen und Verbände auch das Leben der Jubiläumsstadt verändern. Und sei es nur für einen Tag. Den 11. August hat sich die Initiative „An die Tische, fertig, los“ zum Beispiel ausgeguckt, um zwischen 12 bis 14 Uhr in allen Kasseler Stadtteilen die Straßen in lange Tafeln zu verwandeln, in denen sich Nachbarn und Freunde auch zum interkulturellen Austausch gemeinsam an einen Tisch setzen. „Dass eine ganze Stadt so etwas macht, gab es noch nie“, meinen Konstanze Liebelt, Clara Schmidt-Schalles und Marie Wilka, und rufen zum Mitmachen auf.

Ein echter Klettermaxe: Ben Günther schaffte es beim Tag der Erde hoch hinauf.

Diese Einladung gab es an vielen der mehr als 220 Stände. Die Kinder ließen sich das nicht zweimal sagen. Der vierjährige Ben Günther aus Felsberg zum Beispiel kletterte mutig einen hohen Baum empor, um sich dann von Mitarbeitern des Event-Veranstalters Verbund plus wieder abseilen zu lassen. Er übt fast täglich an der Kletterwand im Kindergarten, verrät er später, als er beim Kinder- und Jugendbauernhof Kassel unter Anleitung das Sägen übt. Auch beim Verein Zauberwald, der mit seinem Spielmobil dabei ist, wird gesägt. Die kleine Wintana Sebhathu traut sich vorsichtig an die elektrische Laubsäge, während nebenan Kian Ansari einen hohen Holzturm baut.

Einladung in die Kirche: Franziska und Hannah Müllner auf den Stufen zu St. Familia

Viel Selbstgemachtes und Selbstentworfenes wird an den Ständen feilgeboten. Brigitte Zimmert aus Edermünde strickte, häkelte und nähte zunächst nur für ihr im vergangenen Jahr geborenes Enkelkind. Weil sie so großen Spaß daran fand, produziert sie einfach weiter Mützchen für Neugeborene und Patchwork-Eulenkissen.

Bei Fanny Guedron war es die Liebe zu Afrika, die sie auf die Idee brachte, aus Recycling-Materialien aus Afrika neue Produkte zu schaffen. So verkauft die Produktdesignerin aus Kassel Taschen, Koffer und Skulpturen aus alten Dosen, Werbeplanen oder Kronkorken im Internet.

Energiewende im Blick

Fairer Handel, Hilfsprojekte für unterentwickelte Länder, ökologisches Bauen und gesunde Ernährung mit Produkten aus der Region - die Themenvielfalt beim Tag der Erde ist groß. In diesem Jahr stehen deutlich die Energiewende, erneuerbare Energien, der Klimawandel und Umweltschutz wie Initiativen gegen Gasbohrungen im Mittelpunkt, sagt Organisator Wolf Diethart Breidenbach vom Umwelt-Haus.

Karin Meyer aus Kassel jedenfalls hat sich nach der Beratung bei den Städtischen Werken vorgenommen, im Kleinen und beim Stromsparen anzufangen.

Von Martina Heise-Thonicke

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