Verhandlungen der IG Metall beendet

Nicht ganz zufrieden: Das sagen Kasseler Werksmitarbeiter zur Einigung im Tarifstreit

+
Schichtwechsel Dienstagmittag bei Bombardier im Werk Mittelfeld: Die Stimmung unter den Metallbeschäftigten in Kassel und Baunatal ist durchwachsen angesichts des Metall-Tarifabschlusses in Baden-Württemberg.

Kassel / Baunatal. Mehr Geld und Anspruch auf Arbeitszeitreduzierung sowie die Rückkehr auf die volle Stelle – das hat die IG Metall im Tarifstreit durchgesetzt. Wir haben Werksmitarbeiter in Kassel gefragt, was sie davon halten.

Bombardier und Rheinmetall:

Nach dem Tarifabschluss in Baden-Württemberg ist die Stimmung unter den Metallbeschäftigten in der Region durchwachsen. „Daumen schräg hoch“, sagt Oliver Höhne. Er hält den Abschluss für vertretbar, der sehr wahrscheinlich im hessischen Tarifgebiet Mitte übernommen wird. So richtig überzeugt sind auch viele seiner Kollegen von Bombardier und Rheinmetall am Dienstagmittag vor dem Tor des Werkes Mittelfeld nicht.

„Könnte mehr sein“, sagt Jesse Blauert, „ich bin nicht wirklich zufrieden.“ Bei 27 Monaten Laufzeit seien die 4,3 Prozent ja bloß 1,9 Prozent im Jahr, kritisiert ein anderer. Harald Bartosch findet den Abschluss gut, „das ist okay“. Und für Stephan Sittig geht das Ergebnis ebenfalls in Ordnung: „Das war schon schlechter“. Auch sein Kollege ist zufrieden: „Man muss ja beide Seiten sehen.“

Mercedes-Werk:

Im Mercedes-Werk sind die Meinungen ebenfalls gespalten. Einige sind mit der Einigung sehr zufrieden, für andere ist es durch die lange Laufzeit eine „komplette Verarsche“. Viele Mitarbeiter hätten gar nicht streiken wollen und seien deshalb mit Eiern beworfen worden. Und dann dieses Ergebnis, das sei wirklich traurig.

Marcus Flentje

„Die Arbeitszeitverkürzung ist aus meiner Sicht nicht so entscheidend“, sagt Marcus Flentje. Da gab es auch zuvor schon Möglichkeiten, die Stunden zu reduzieren. Dass es mehr Geld gibt, sei natürlich schön. Auch bei seinen Kollegen ist man unsicher, ob überhaupt jemand die Möglichkeit zur Arbeitszeitverkürzung in Anspruch nehmen wird. Bei den ganzen Schichtdiensten sei das kaum möglich.

Rafael Krysiak ist überrascht, dass es jetzt doch so schnell ging. Damit habe er nicht gerechnet – allerdings sei er mit den Ergebnissen jetzt nicht so zufrieden. In den vergangenen Tagen seien der Streik und die Forderungen schon ein großes Thema im Werk gewesen. Enttäuscht ist auch Michael Denn: „Nachdem 6,8 Prozent, die im Raum standen, sind die 4,3 Prozent jetzt doch relativ wenig.“

Nina Lachenicht hatte mit dieser schnellen Einigung nicht gerechnet. Allerdings sagt auch sie: „Ich hätte persönlich mehr erwartet.“ 

Matthias Lauterbach findet die Einigung im Tarifstreit positiv: „Es ist gut, dass ein Kompromiss gefunden wurde. Alle wichtigen Themen sind bei der Einigung dabei. Mich persönlich betrifft die Lohnerhöhung, das finde ich natürlich sehr positiv.“

VW-Werk

Ob die Einigung auch richtungsweisend für den Haustarif bei VW sein wird, könne man noch nicht abschätzen, sagte Carsten Bätzold, Betriebsratschef im VW-Werk in Baunatal. Die Forderungen in der Fläche und der VW-Belegschaft seien schließlich in einigen Punkten verschieden. Ob das Ergebnis aus Baden-Württemberg auf VW übertragbar sei, werde derzeit erst verhandelt.

Das sagen Gewerkschaft, Betriebsräte und Arbeitgeber

Elke Volkmann, stellvertretende Chefin der IG-Metall in Nordhessen: "Ich bewerte das Tarifergebnis als außerordentlich positiv, weil es deutliche Reallohnsteigerungen ermöglicht und ein guter Einstieg zu mehr Selbstbestimmung bei der Arbeitszeit ist."

Rainer Popp, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Mercedes-Benz-Werk Kassel: "Wir sind sehr zufrieden, weil die Beschäftigten jetzt selbstbestimmt über Arbeitszeiten entscheiden können und es satte Lohnzuschläge gibt. Der jetzt gefundene Kompromiss ist der Einstieg in individuelle Arbeitszeitverkürzungen."

Detlef Kümpel, Geschäftsführer des M+E-Arbeitgeberverbandes in Nordhessen: "Wir sind unserem Grundsatz ,Wer weniger arbeitet, verdient auch weniger‘ treu geblieben. Dafür gibt es jetzt eine von den Arbeitnehmern mitfinanzierte Freistellung für bestimmte Gruppen. Gleichzeitig begrüßen wir, dass es tarifliche Möglichkeiten zur Ausweitung des Arbeitszeitvolumens sowie für eine Flexibilisierung in schwierigen Wirtschaftslagen gibt."

Mitarbeit: Helena Gries

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.