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Arnold-Bode-Schule startet nachhaltiges Gedenken an Deportation 1941

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Von: Christina Hein

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 Im Bild: Thomas Hofer (links) mit Paul Thiemich und Eseoghene Ophiewana, die diese Platte angefertigt haben.
Fries: Mit Beton-Platten soll die Fassade des Pavillons auf dem Hof der Bode-Schule verkleidet werden. Im Bild: Thomas Hofer (links) mit Paul Thiemich und Eseoghene Ophiewana, die diese Platte angefertigt haben. © Andreas Fischer

Gedenken an deportierte Juden in Kassel: Ein außergewöhnliches Gedenkmal ist an der Arnold-Bode-Schule eröffnet worden

Kassel - Schwere Betonfriese mit Holocaust-Szenen zieren in Zukunft die Fassade des Pavillons auf dem Schulhof. Entworfen und angefertigt haben die diffizilen Arbeiten Arnold-Bode-Schüler der gestaltenden Klassen von Kunstpädagoge Thomas Hofer.

Der Pavillon an der Schillerstraße ist ein Ort von historischer Bedeutung. Hier befand sich vor dem Zweiten Weltkrieg die Turnhalle, in der Juden aus Kassel und Umgebung von den Nationalsozialisten konzentriert wurden, um sie am 9. Dezember 1941 durch die Straßen zum Hauptbahnhof zu treiben. Von dort aus ging der erste von drei Deportationszügen in das Ghetto Riga und für fast alle, Kinder wie Alte, in den Tod.

Das alles geschah am helllichten Tag. „Und keiner schrie auf, keiner wollte sich mehr an die Nachbarn und Mitbürger erinnern“, sagte Eva Schulz-Jander, Ehrenbürgerin von Kassel und Holocaust-Zeitzeugin, in ihrer beeindruckenden Rede, mit der sie die versammelte Schulgemeinde fesselte: „Es ist nicht das, was ihr erlebt habt, aber es ist geschehen, es ist euere Geschichte, und ihr müsst daran erinnern.“

Erinnern will die Arnold-Bode-Schule und das möglichst prozesshaft, nachhaltig und dauerhaft, erklärte Schulleiter Udo Hauser die Arbeit der Schüler. Sie werde nie abgeschlossen sein: Ist die Fassade des Pavillons mit den Betonfries-Platten komplett verkleidet, werde in einer Endlosschleife von vorne angefangen. Jahrgang für Jahrgang sollen sich Schüler der beruflichen Schule für Technik, Handwerk und Gestaltung beteiligen. Vier Platten, die jetzt den Anfang machen, wurden jetzt angebracht.

„Unser Bildungsauftrag besteht auch darin, die Herzen zu bilden und aktiv den Antisemitismus zu bekämpfen“, so Hauser. „Es geht um Empathie“, sagte Annette Knieling vom Staatlichen Schulamt und lobte die Arbeit der Schüler. Elena Padva vom Sara-Nussbaum-Zentrum für jüdisches Leben warnte vor „leeren Ritualen“. Dagegen rege ein Gedenken wie das an der Bode-Schule immer wieder zu der elementaren Frage an: Was hat das mit mir zu tun?

Die Metalltafel am Eingang der Schule, auf der über den Deportationszug informiert wird, sei für ein angemessenes Gedenken nicht ausreichend, hatte auch Matthias Enkemeier von der Schulleitung befunden und die Idee auf den Weg gebracht, zum 80. Jahrestag etwas Neues zu entwickeln. Für diesen Plan eines nachwachsenden Gedenkens konnte die Schule die documenta fifteen als Kooperationspartner gewinnen.

Vielseitigkeit und die Einbindung der Schüler bewies auch die gestrige Feier. Neben Musik von der Bode-Bras-Band gab es unter anderem eine Performance, in der Schüler das Zusammenspiel von Rhetorik, Gewalt und Ausgrenzung darstellten.

Zentrales Gedenken im Hauptbahnhof von Kassel: Vom Gleis 14 fuhr am 9. Dezember 1941 ein erster Deportationszug nach Riga ab.
Zentrales Gedenken im Hauptbahnhof: Vom Gleis 14 fuhr am 9. Dezember 1941 ein erster Deportationszug in Richtung Riga ab. © Dieter Schachtschneider

Am Nachmittag nahmen zahlreiche Menschen an dem für den 9. Dezember gesetzten Schweigemarsch zum Hauptbahnhof teil. Am Gleis, von wo aus der Zug nach Riga abfuhr, erinnerten Oberbürgermeister Christian Geselle, Nicole Tödtli vom Stadtarchiv und Esther Haß von der Jüdischen Gemeinde an die Deportation.

Außerdem waren Menschen gestern aufgefordert, vor dem Sara-Nussbaum-Zentrum kleine Steine zum Gedenken abzulegen. (Christina Hein)

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