1. Startseite
  2. Kassel

Bei Familie Kracheletz steht die Krippe im Zentrum des Weihnachtsfests

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christina Hein

Kommentare

Familie Kracheletz versammelt sich an Weihnachten um die Krippe: Unser Foto zeigt Viktoria Kracheletz mit ihrem Großvater Peter Kracheletz.
Familie Kracheletz versammelt sich an Weihnachten um die Krippe: Unser Foto zeigt Viktoria Kracheletz mit ihrem Großvater Peter Kracheletz. © Andreas Fischer

Seit einigen Jahren gibt es in der Weihnachtsstube von Familie Kracheletz aus Kassel keinen geschmückten Christbaum mehr - sie haben eine große Krippe.

Kassel – Eine Tanne leuchtet stattdessen im winterlichen Garten – vom Panoramafenster des Wohnzimmers aus gut sichtbar – mit Lichterkette geschmückt und im Vollbesitz ihrer Wurzeln. Der Verzicht auf das abgesägte deutsche Weihnachtssymbol schlechthin bedeutet aber nicht, dass es bei Familie Kracheletz unweihnachtlich zugeht. Ganz im Gegenteil. Weihnachtstraditionen werden hier gepflegt und gelebt. „Als die Kinder noch klein waren, hatten wir natürlich einen Weihnachtsbaum“, sagt Gertraud Kracheletz. Heute hängt ein üppiger Kranz mit dicken roten Kerzen von der Decke im Wohnzimmer und begrüßt jeden Eintretenden mit der Botschaft: Es ist Advent. Weihnachtsplätzchen sind gebacken, alles ist festlich geschmückt.

Aber das Wichtigste, das Unverzichtbare, ist in der Weihnachtszeit für Familie Kracheletz die große Krippe, die einen zentralen Platz im Wohnzimmer einnimmt: Maria und Josef mit dem Jesuskind und der biblischen Entourage als weich modellierte Terrakotta-Figuren in einem liebevoll nachempfundenen Stall von Bethlehem. „Es ist ja schließlich die Krippe, die symbolisiert, warum wir überhaupt Weihnachten feiern: Jesu Geburt“, sagt Peter Kracheletz.

Es gehört zu den Aufgaben des Großvaters, die Krippe aufzubauen und einzurichten. „Das ist sein Hobby“, sagt Ehefrau Gertraud amüsiert. Für das Ausschmücken nimmt er sich Zeit, holt frisches Moos und Zweige aus dem Wald und ordnet die Figuren um das Jesuskind an. Jedes Jahr sieht es ein bisschen anders aus.

Eine besondere Freude bereitet Peter Kracheletz (78) damit seiner Enkeltochter Viktoria (17). Sie hat als Kind mit ihren Geschwistern in unzähligen Krippenspielen mitgewirkt und kennt sich aus mit der Weihnachtsgeschichte. „Ich liebe die Krippe meiner Großeltern“, sagt Viktoria: „Wenn sie aufgebaut ist, dann ist Weihnachten.“

Als die Enkelkinder klein waren, wollten sie immer mit den Figuren spielen, verrät die Großmutter. „Und das durften wir auch“, sagt Viktoria. Und so kam es schon vor, dass dem Jesuskind eine Windel aus Tempotaschentuch verpasst wurde.

Die Krippenfiguren aus Ton hatte sich das junge Ehepaar Kracheletz vor 50 Jahren für den eigenen Hausstand selbst gekauft: seinerzeit im „Dürerhaus“ für Kunsthandwerk in der Wolfsschlucht. Anfangs gab es nur die Heilige Familie, erzählt Peter Kracheletz. Jahr für Jahr kam eine weitere Figur hinzu. Bis Schluss war, weil das Dürerhaus aufgegeben wurde. „Damit war zwangsläufig auch das Personal unserer Krippe komplettiert.“ Später haben die Kinder Engel oder Schäfchen gebastelt, die ins Krippen-Personal aufgenommen wurden. Nach einiger Zeit hat ein Bekannter aus Süddeutschland für die Behausung gesorgt und das Krippenbauwerk angefertigt.

„Wir selber hatten zuhause keine Krippe“, erzählt Gertraud Kracheletz. Auch unser Weihnachtsbaum war anfangs nur mit Äpfeln und Strohsternen geschmückt. Auch Peter Kracheletz erinnert sich an die bescheidenen Krippenfiguren in seinem Elternhaus: Laubsägearbeiten aus Sperrholz.

Für die religiöse Familie hat das Weihnachtsfest eine große Bedeutung. Im Mittelpunkt steht die Weihnachtsgeschichte. Und die kann Großvater Peter Kracheletz, der als Ständiger Diakon mit Zivlberuf (als Bestatter) in der katholischen Gemeinde St. Elisabeth wirkt, im wahrsten Sinne sogar singen: Seit Jahrzehnten trägt er an Heiligabend in der Kirche das Weihnachtsevangelium im Jesaja-Ton vor. Nach den Worten aus dem Lukas-Evangelium erinnert er in weichem Singsang daran, worum es an Weihnachten geht: „Und es sagte ihnen der Engel: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt.“

An Heiligabend, zur Stillen Nacht, gehen Peter und Gertraud Kracheletz in die Christmette. Danach wird’s turbulent, denn dann trifft sich an Weihnachten in ihrem Haus in Wolfsanger die ganze Familie: Tochter, Sohn, Schwiegerkinder, die fünf Enkelkinder und deren Partner. Denn Weihnachten ist auch und vor allem im Hause Kracheletz ein Fest der Familie. „Und weil wir alle recht musikalisch sind, wird auch zusammen Musik gemacht, und wir singen gemeinsam Weihnachtslieder“, sagt Gertraud Kracheletz. Darauf freue sie sich jedes Jahr ganz besonders.

Von Christina Hein

Auch interessant

Kommentare