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Ihre Bilder sind so bunt wie das Leben: Kasselerin macht Interkulturelle Woche zum Hingucker

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Von: Katja Rudolph

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Die Illustration von Ilknur Koçer zur Interkulturellen Woche.
Vielfalt als Hingucker: die Illustration von Ilknur Koçer zur Interkulturellen Woche. © Ilknur Kocer

Die Kasselerin Ilknur Koçer macht Integration und Vielfalt anschaulich: Die 33-jährige Illustratorin hat die Interkulturelle Woche der Stadt Kassel zum Hingucker gemacht.

Kassel – So schön kann Vielfalt sein: Mit einem bunten Wimmelbild lädt die Stadt Kassel zur Interkulturellen Woche ein, die am Samstag beginnt. Auf der Zeichnung sind Menschen jeglicher Haut- und Haarfarben zu sehen, die zusammen tanzen, spielen und entspannen. Bei genauem Hinsehen entdeckt man auch ein paar Hasen- und Katzenwesen, die mitfeiern.

Den Hingucker für das Veranstaltungsprogramm unter dem Motto „Offen geht“ hat die Kasseler Illustratorin Ilknur Koçer geschaffen. Sie wollte dafür ein so großes Diversitätsspektrum zeigen wie möglich, sagt die 33-Jährige im Gespräch – daher die ungewöhnlichen tierischen Teilnehmer.

Der Arbeitsauftrag vom städtischen Kasseler Amt für Chancengleichheit passt für die Illustratorin gewissermaßen ins Bild: In vielen ihrer Arbeiten geht es um Migration, Integration und Diversität. Diese Themen beschäftigen sie selbst sein ihrer Kindheit. Als Tochter einer türkischen Gastarbeiterfamilie ist Ilknur Koçer in Edermünde (Schwalm-Eder-Kreis) aufgewachsen.

Ihre künstlerische Arbeit sei auch eine Art „Selbsttherapie“ auf der Suche nach der eigenen Identität, sagt die Absolventin der Kasseler Kunsthochschule, die von vielen Ilki genannt wird. Wie viele Menschen mit Migrationshintergrund kennt sie das Gefühl, zwischen zwei Kulturen hin- und hergerissen zu sein. Gerade in Kindheit und Jugend habe sie oft den Druck verspürt, sich dazwischen entscheiden zu müssen. Einerseits aus dem eigenen Wunsch heraus, „sich anzupassen, um dazuzugehören“. Andererseits aber auch, weil – nicht nur in der Werbung, sondern in vielen Bereichen – das Bild einer homogenen Gesellschaft kaum Platz für Andersartigkeit ließ. „Zum Glück ändert sich das ja in letzter Zeit“, sagt Koçer.

Mit ihren Bildern trägt sie nun selbst ein Stück dazu bei, dass mehr Vielfalt sichtbar wird. Mit ihrer Arbeit hat die Illustratorin sich in den vergangenen Jahren über die Region hinaus einen Namen gemacht. Unter anderem hat sie für eine Ausstellung über Kinderemigration in der Deutschen Nationalbibliothek, für ein New Yorker Magazin der Frauenbewegung und ein digitales Stolpersteine-Projekt des WDR gezeichnet.

Derzeit arbeitet die Kasselerin im Rahmen des Hessischen Literaturstipendiums für zwei Monate in Bordeaux. Dort will sie die verheerenden Waldbrände in der Region in ihren Auswirkungen auf Natur und Menschen in einer Bildergeschichte thematisieren.

Ein Traum von Ilknur Koçer ist es, eine eigene Comicreihe zu veröffentlichen. Dafür hätte sie auch schon einiges in der Schublade liegen. „Aber manchmal sind die Geschichten doch sehr persönlich“, sagt sie. Dass sie gerade viel zu erzählen hat, zeigen Arbeiten auf ihrer Webseite. Da geht es neben der Wirkung von Schnurrbärten etwa um die Erfahrung, dass auch ein Schinkenbrot auch für Ausgrenzung sorgen kann. Nämlich wenn einige türkischstämmige Kinder Pausenbrote mit Schweinefleisch haben und andere das ablehnen. Toleranz und Vielfalt betreffen eben nicht nur das interkulturelle Zusammenleben, sondern sind auch innerhalb der einzelnen Kulturen gefragt. (Katja Rudolph)

ilkikocer.com

Ilknur Koçer,  Illustratorin aus Kassel
Ilknur Koçer © Privat

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