Streit um lebenslanges Rückgaberecht

Ärger im Möbelhaus: Ikea nimmt Couch trotz Rückgabegarantie nicht zurück

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Nun steht die Coch in der Garage: Kai Würschmidt konnte das Modell Kivik bei Ikea in Kassel nicht zurückgeben.

Einst gewährte Ikea Kunden ein lebenslanges Rückgaberecht. Für ältere Produkte gilt das weiterhin. Ein Kunde in Kassel wurde seine Couch trotzdem nicht los. Nun will er für sein Recht kämpfen.

Was Kai Würschmidt am Mittwoch bei Ikea in Kassel passiert ist, hielt er bislang nicht für möglich. Der 31-Jährige fand immer, dass der schwedische Konzern ein "schönes Unternehmen" sei. Am Mittwoch wurde die Filiale in Waldau für ihn indes zum "unmöglichen Möbelhaus", wie ein alter Ikea-Werbeslogan lautet.

Würschmidt wollte die Couch Kivik zurückgeben, die er im Dezember 2014 in Kassel gekauft hatte. Damals gewährten die Skandinavier ihren Kunden ein lebenslanges Rückgaberecht. Das gibt es zwar seit 2016 nicht mehr, aber für Produkte, die man vom 25. August 2014 bis zum 31. August 2016 gekauft hat, bekommt man nach wie vor den Einkaufspreis erstattet - egal in welchem Zustand sie sind. Das versicherte man Würschmidt auch Anfang der Woche, als er den Kundenservice anrief. Doch dann kam alles ganz anders.

Der E-Commerce-Experte des Kasseler Software-Unternehmens Plentymarkets nahm extra einen Tag Urlaub, mietete sich für 160 Euro einen Transporter und brachte die Kivik-Couch wieder nach Waldau. Dort sagten ihm Ikea-Mitarbeiter jedoch, die aus drei Teilen bestehende Sofa-Garnitur könne nicht zurückgenommen werden, da sie stark benutzt sei.

Mehr als zwei Stunden verbrachte Würschmidt mit seiner Couch im Möbelhaus. Am Ende soll ihm gesagt worden sein, er solle das Grundstück verlassen. Unmöglich fand das der bisherige Ikea-Fan, der nach langen Arbeitstagen abends maximal zwei Stunden mit seiner Frau auf dem Sofa saß: "Nach drei Jahren ist die Couch in einem guten Zustand." Das zeigen auch aktuelle Bilder.

Die Sofa-Garnitur einst im Wohnzimmer

870 Euro hatte er vor drei Jahren für die Couch bezahlt, die "ein Zuhause gesellig und intim" machen soll, wie es im Katalog heißt. Die wollte er nun zurück. Um das Geld geht es Würschmidt nicht, wie er versichert, sondern um sein Recht: "Wer weiß, wieviele Menschen hier schon ausgenutzt wurden?"

Darum rief er noch einmal den Kundenservice an, dessen Mitarbeiter für die Entscheidung der Kollegen in Kassel kein Verständnis zeigten. Er kontaktierte Ikea über Facebook, erhielt aber keine Antwort. Und er bewertete das Kasseler Möbelhaus bei Google mit einem von fünf Sternen. Seiner Rezension gab er den Titel: "Ikea Kassel hält den Vertrag mit seinen Kunden nicht ein!!!!!"

Auf unsere Anfrage bei der Ikea-Presseabteilung gab es ebenfalls noch keine Antwort. Eine Sprecherin teilte mit, dass erst noch "einige weitere Schritte geklärt werden" müssten. Das alles klingt, als sei man sich bei Ikea selbst nicht einig. Laut früheren Mitteilungen des Konzerns bekommen Kunden für Produkte, die sie zwischen dem 25. August 2014 und dem 31. August 2016 gekauft haben, nach wie vor den vollen Preis erstattet - unabhängig von etwaigen Abnutzungen oder Schäden. Für Produkte, die ab dem 1. September 2016 gekauft wurden, gilt eine Rückgabefrist von 365 Tagen, was im Vergleich zu anderen Unternehmen immer noch ungewöhnlich ist.

Würschmidts Couch, die er eigentlich loswerden wollte, steht nun in der Garage. Mit seiner Frau erwartet er bald Nachwuchs. Darum haben sie sich ein weniger anfälliges Ledersofa gekauft. Sein Recht ist ihm nach wie vor nicht gleichgültig, notfalls will er juristisch dafür kämpfen. Bei Ikea wird er trotz seines Ärgers wieder einkaufen. Er findet das Unternehmen ja immer noch gut. Ein anderer Werbeslogan des unmöglichen Möbelhauses hieß passenderweise "Nicht für die Gleichgültigen".

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