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Im Airbus steckt viel Kassel: Horst Sommerlatte entwickelte die Inneneinrichtung des Fliegers

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Von: Thomas Siemon

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Vor 50 Jahren: So sah die erste Inneneinrichtung beim Airbus 300 aus. Daran waren Absolventen der Kasseler Kunsthochschule maßgeblich beteiligt. Repro und
Vor 50 Jahren: So sah die erste Inneneinrichtung beim Airbus 300 aus. Daran waren Absolventen der Kasseler Kunsthochschule maßgeblich beteiligt. Repro und © Thomas Siemon

Kasseler Horst Sommerlatte entwickelte die Inneneinrichtung des Fliegers. Der 82-jährige Professor für Industriedesign bezeichnet sich selbst als Pionier in der deutschen Nachkriegsluftfahrt.

Kassel – Den Namen Airbus hat wohl jeder schon einmal gehört. Aber wer weiß schon, dass in dem Riesenflieger A 300, der vor 50 Jahren erstmals an den Start ging, auch ganz viel Kassel steckt? „Ohne unsere Kunsthochschule gäbe es die gesamte Inneneinrichtung des Flugzeugs nicht“, sagt Horst Sommerlatte. Der 82-jährige Professor für Industriedesign bezeichnet sich selbst als Pionier in der deutschen Nachkriegsluftfahrt.

Geboren in Dessau, wo er schon früh mit dem Luftfahrtunternehmen Junkers und der Bauhausbewegung in Kontakt kam, hat er in Kassel an der Kunsthochschule studiert. Eine Stelle bekam er 1966 bei der Hamburger Flugzeugbau. „Dort wurden damals die ersten deutschen Düsenflieger nach dem Krieg gebaut“, sagt Horst Sommerlatte. Lange blieb er nicht in Hamburg, denn er war Teil einer Abordnung nach München, wo die Entwicklung für den Airbus ebenso wie im französischen Toulouse begonnen hatte.

Es war ein Sprung ins kalte Wasser, denn hier ging es um ganz andere Dimensionen im Flugzeugbau als in Hamburg. Horst Sommerlatte hatte den Auftrag, die Inneneinrichtung für den Riesenflieger zu entwickeln. „Wir hatten in Europa ja überhaupt keine Erfahrung mit großen Flugzeugen“, sagt er. Die USA hätten den Markt beherrscht, aber auch in der Sowjetunion seien große Flieger gebaut worden.

Enge Beziehung zum Airbus: Horst Sommerlatte mit Erinnerungsstücken an seine Arbeit.
Enge Beziehung zum Airbus: Horst Sommerlatte mit Erinnerungsstücken an seine Arbeit. © Privat

Ihm sei klar gewesen, dass die Inneneinrichtung einige wesentliche Kriterien erfüllen muss, sagt Horst Sommerlatte. Sitz- und Reisekomfort, ein Raumgefühl ohne die Angst vor Enge, größtmögliche Flexibilität und auch die Ansprüche an die Sicherheit spielten eine Rolle. Dabei sei es nicht so wie heute gewesen, dass man erst einmal Pläne am Computer macht. „Wir haben Modelle gebaut und sie präsentiert“, sagt er. Dafür hat er sich Unterstützung aus Kassel geholt. Unter anderem Fritz Dressler, der wie kaum ein anderer in der Lage gewesen sei, die Modelle zu fotografieren. Und zwar so, dass sie eine Raumwirkung wie ein größeres Original hatten.

Auch Georg Friedrich und Grafikdesigner Knut Marsen wechselten von Kassel nach München. Marsen hat unter anderem das markante Airbus-Logo entwickelt. Als Textildesignerin kam Heike Schulz-Adolphs dazu. „Wir haben alle eine sehr gute Ausbildung an der Kunsthochschule in Kassel bekommen, auf die ich heute noch stolz bis“, sagt Horst Sommerlatte. Von der Bordküche über die Sitze bis zu den Toiletten hat er alles in einem flexiblen Baukastensystem entworfen. Bei den Sitzen habe man mit der Stuttgarter Firma Recaro zusammengearbeitet, die mit diesem Wissen auch bei Auto-Sitzen erfolgreich war. Leider habe er es versäumt, sich Markenrechte zu sichern.

Jedenfalls sei die deutsch-französische Airbusentwicklung eng mit Kassel verbunden gewesen, sagt Horst Sommerlatte. Er wohnt mit seiner Frau Marlies, die ebenfalls Industriedesignerin ist, im Vorderen Westen. Bei zwei weiteren bekannten Entwicklungen war er übrigens auch beteiligt. Zusammen mit Helmut Weich, der heute das Henschelmuseum Kassel leitet, arbeitete er am Transrapid. Und auch die ersten Niederflur-Straßenbahnen in Kassel hatten Anfang der 1990er-Jahre ein von ihm entworfenes Innenleben. (Thomas Siemon)

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